Herde entwickelt sich im Munagelände prächtig

Große Hoffnung auf Wisent-Kälbchen in Münster

Die Wisente fühlen sich im 20 Hektar großen Eingewöhnungsgehege im Muna-Areal sehr wohl. Die Herde gedeiht prächtig.
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Die Wisente fühlen sich im 20 Hektar großen Eingewöhnungsgehege im Muna-Areal sehr wohl. Die Herde gedeiht prächtig.

Seit Mitte Mai beweidet eine neunköpfige Wisentherde eine rund 20 Hektar große Eingewöhnungsfläche innerhalb des eingezäunten, immer noch munitionsbelasteten 250 Hektar großen Habitats Muna. Und sie entwickelt sich prächtig, berichtet Matthias Pollmeier, stellvertretender Betriebsleiter des Bundesforstbetriebs Schwarzenborn. Auch wenn sie den zuletzt „zugezogenen“ Bullen Shakal noch nicht beim Geschlechtsakt haben beobachten können, so sind sich die Betreuer des Projektes ziemlich sicher, dass nächstes Jahr mit Nachwuchs zu rechnen sein wird.

Münster – Dabei wäre gerade jetzt die rechte Zeit für Beobachtungen der arterhaltenden Art gewesen, denn die Brunst der Rinderart ist im Herbst. Von den acht Wisentkühen kommen laut Revierleiter Harald Fuhrländer derzeit wohl nur die beiden älteren, neun und zehn Jahre alten Tiere als Mutterkühe in Frage, die jüngeren, drei bis fünfjährigen seien noch nicht paarungsbereit, „sie würden den Bullen sicher bei jedem Versuch abwerfen“. Der ist sieben Jahre alt und für seine Aufgabe „im besten Alter“, wie Pollmeier sagt. Mitte nächsten Jahres dürfte man sehen, wie gut die Herde mittlerweile zusammengewachsen ist. Die Tragezeit beträgt bei Wisenten durchschnittlich 264 Tage.

Das Artenschutz-Ausgleichsprojekt der Bahn jedenfalls entwickele sich prächtig, freut sich der Mann vom Bundesforstbetrieb, der es vor neun Jahren mit aus der Taufe hob und seitdem mit ganzer Kraft nach vorne bringt. Auch wenn es viele Hindernisse zu überwinden gilt, angefangen vom munitionsverseuchten Areal des Munageländes bis hin zur jetzt sehr hinderlich wirkenden Pandemie.

Doch als „Landschaftspfleger“ grasen die Wisente in ihrem im abgezäunten Bereich innerhalb des schon immer eingezäunten Munaareals. Sie halten damit das sehr artenreiche Gelände des früheren Munitionsdepots mit Gelbbauchunke, Wendehals und Bekassine frei von unerwünschtem Bewuchs.

Drei Projektbetreuer schauen täglich nach der kleinen, aber sehr selbstständigen Herde: Neben Revierleiter Fuhrländer sind dies noch Forstwirt Harry Herzyk und Jäger und Begehungsscheininhaber H. Pfriem. Füttern braucht die Urtiere niemand, für sie wird auch im Winter das 20 Hektar große Eingewöhnungsgelände Futter im Überfluss bieten. „Das Gras sprießt dank des Faulbruchs in Hülle und Fülle“, sagt Pollmeier. Einzig mit ein paar Leckerli in Form von Pellets lockt man die Tiere, konditioniert sie so, einmal am Tag dort auf ihrer täglichen Runde vorbei zu stampfen, wo derzeit ihr Unterstand entsteht. „Eigentlich sollte der schon fertig sein“, erläutert Pollmeier, doch Corona fordere auch hier Tribut. Alles gehe stark verlangsamt voran. Doch noch vor dem Winter werde das Konstrukt aus Betonboden, der bereits gegossen ist, Stahlfachwerk und Holzgeflecht in den Gefachungen fertig sein. Fuhrländer läutet die Leckerligabe täglich mit einer Schiffsglocke ein, und schon bald nach dem ersten Schlag rückt die Wisenttruppe an.

Nicht der Fütterung dient die Übung, sondern der Beobachtung. „Es wird geschaut, ob alle gesund und munter sind “, sagt Pollmeier, versichernd, dass „sich alle derart gut entwickelt haben, dass es eine Pracht ist“. Auch der Kot der Tiere wird auf Konsistenz inspiziert. Die europäische Art des amerikanischen Bisons, so scheint es, fühlt sich im Muna-Gelände mit Wald und Trampelpfad pudelwohl. (Von Thomas Meier)

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