Wohnquartier Mäusberg

Siedlungspolitische Rochade?

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120 Besucher beim Bürgerforum zu Mäusberg und Sportzentrum geben ein erstes Stimmungsbild. Aufmerksam verfolgten rund 120 Besucher beim ersten Münsterer Bürgerforum in der Kulturhalle die Aussführungen des Bauamtsleiters Michael Mierzowski zur möglichen Entwicklung eines Wohnquartiers Mäusberg.

Münster - Wahrscheinlicher wird in Münster der Bau eines neuen Sportzentrums am Gersprenzstadion und die Entwicklung des Mäusbergs zu einem neuen Wohnquartier mit besonderen Angeboten für ältere Menschen.

Dazu beigetragen hat jetzt eine Entscheidung der FSV Münster zur Beteiligung an dem Projekt, die dem Bürgerforum zur Siedlungsentwicklung einen ganz besonderen Akzent gab. Mit dieser Veranstaltung hat der neue Münsterer Bürgermeister Gerald Frank seine erste öffentliche Visitenkarte abgegeben – und war begeistert von der Tatsache, dass rund 120 Bürger durch ihre Anwesenheit ihr Interesse an dieser neuen Kommunikationsform zwischen Bürgern und Politik bekundeten. Frank hat im Bürgermeister-Wahlkampf immer wieder „mehr Bürgerbeteiligung“ postuliert. Außerdem gehörte auch die kommunalpolitisch umstrittene siedlungspolitische Rochade zu seinen Themen, wobei sich der „Neue“ als klarer Anhänger eines neuen Sportzentrums und eines neuen Siedlungsquartiers Mäusberg positioniert hat. Dieses Quartier soll für ihn auch dem demografischen Wandel Rechnung tragen, mit seniorengerechten, barrierefreien Wohnungen sowie Service-Angeboten vom betreuten Wohnen bis hin zur Tagespflege.

Auch einige Besucher aus dem benachbarten Dieburg waren zu Gast, Vertreter der Bürgerinitiative gegen das Fiege-Logistikzentrum, die sich begeistert äußerten über diese Form frühzeitiger Bürgerbeteiligung, von ihnen schmerzlich vermisst im Bauleitverfahren für das Dieburger Großprojekt. Bisher gibt es zur Rochade grundsätzliche Untersuchungen, aber noch keinen Grundsatzbeschluss in der Kommunalpolitik. Als jüngst eine Machbarkeitsstudie der Terramag in der Gemeindevertretung diskutiert wurde, ging es hoch her: Bei der CDU – durch den Austritt des Ex-SV-Vorsitzenden Martin Peußer ihrer absoluten Mehrheit beraubt, aber noch immer bei weitem stärkste Fraktion – überwog bisher die Skepsis gegenüber den Rechenexempeln zur Finanzierbarkeit.

Umsetzung im Rahmen eines Treuhand-Modells

So wurde denn der Vortrag von Terramag-Geschäftsführer Ralf Trollmann zur Finanzierbarkeit und Umsetzung im Rahmen eines Treuhand-Modells mit besonderer Spannung erwartet. Die Terramag – ein privates Unternehmen, das Kommunen bei der Baulandentwicklung unterstützt – war mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt worden. Grundfrage: Lässt sich aus den Erlösen einer Bauland-Vermarktung des gemeindeeigenen Mäusbergs kostenneutral ein neues Sportzentrum finanzieren?

Quintessenz: Es geht, wenn die Kommune die Projekte selbst entwickelt, dabei vom Zinstief für Kommunalkredite (aktuell etwa 0,6 Prozent) profitiert und das anfangs sehr maximalistisch ausgelegte Bauprogramm des Sportzentrums etwas reduziert wird. Das Sportzentrum muss nun aber möglicherweise sogar größer geplant werden, falls die FSV tatsächlich dazu kommt. Der Verein besitzt eigene Immobilien am Südrand von Münster und würde die Verkaufserlöse in das Projekt einbringen. In welcher Form und Höhe ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber noch völlig undeutlich. Klar ist eins: Für seine Fußballmannschaften sieht die FSV einen zusätzlichen Bedarf von zwei Großspielfeldern.

Das neue Sportzentrum in direkter Nachbarschaft des Gersprenzstadions wird mit einem Flächenbedarf von fünf Hektar kalkuliert. Es geht dabei um landwirtschaftlich genutzte Flächen, doch wurde auf dem Bürgerforum auch Skepsis laut, ob man die in Privatbesitz befindlichen Äcker tatsächlich, wie in der Terramag-Kalkulation zu Grunde gelegt, für zehn Euro pro Quadratmeter erwerben kann. Trollmann empfahl die baldige Aufnahme von Sondierungsgesprächen. In den an die einleitenden Vorträge anschließenden Bürgerforen zu Treuhandkonzept, Sportzentrum und Wohnquartier Mäusberg ging es unter anderem um die Anordnung der neuen Sportanlagen und mögliche Lärmbelästigungen, Quadratmeterpreise und Bauprogramm für den Mäusberg, Verkehrsführung und Kanalkapazität, schließlich auch die Risiken einer Projektentwicklung in kommunaler Verantwortung und die Unterstützung durch einen Treuhänder.

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Die Grundstimmung dieses Bürgerforums war gewiss ein Fingerzeig für die noch ausstehende kommunalpolitische Grundsatzentscheidung: Eigentlich gab es fast keine grundsätzlich ablehnenden Stimmen gegen die miteinander verbundenen Projekte, für die ja die Detailarbeit ohnehin noch aussteht. Es waren auch Kommunalpolitiker aller Fraktionen anwesend, allerdings in einer einem Bürgerforum noch zuträglich geringen Zahl. Gewiss wollten sie Anregungen für die nächste Sitzung der Gemeindevertretung am Montag (17.) mitnehmen, wo das Thema auf der Tagesordnung steht.

Der neue SPD-Fraktionsvorsitzende Bernd Fritsch ließ im Gespräch mit der Presse durchblicken, dass er es nur sehr ungern auf eine „Kampfabstimmung“ ankommen lassen möchte - nicht nur, weil die Mehrheitsverhältnisse äußerst knapp sind, sondern auch, weil er für eine Entscheidung von solch großer Bedeutung für die Siedlungsentwicklung einen möglichst großen Konsens wünscht. Auf die Frage, wie sich denn nun die CDU positionieren werde, antwortete die Fraktionsvorsitzende Erna Roßkopf zurückhaltend: „Es ist ja noch ganz neu, dass sich auch die FSV beteiligen will. Das hat Konsequenzen für die Finanzierung, über die wir nun erst einmal in der Fraktion beraten wollen.“

sr

Quelle: op-online.de

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