Wolliges Freizeitvergnügen

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Hobby-Schäfer Treuer hat im Winter viel zu tun, müssen die Schafe doch regelmäßig gefüttert werden.

Münster ‐ Ein Lamm läuft und springt über eine Weide zwischen Münster und Altheim und blökt seine Mutter an. Doch auch, wenn sich manch ein Spaziergänger sorgen mag, ob das Kleine gut durch den Winter kommt – für Schafe sind Geburten im Winter keine Besonderheit. Von Jasmin Frank

„Dieses Lamm kam zur Welt, als noch Schnee lag. Meine Frau hat sich auch gleich wegen der Kälte Sorgen gemacht, doch solange sich die Herde in einen Unterstand zurückziehen kann, sind frostige Temperaturen auch für die Jüngsten überhaupt kein Problem“, schmunzelt Hobby-Schäfer Siegfried Treuer, der liebevoll auf seine Skudden und Heidschnucken blickt. Weil er seit einiger Zeit beide Rassen beherbergt, sind nicht nur weiße und schwarze, sondern auch ein paar braune Schafe zu sehen.

„Skudden sind ja eine alte Art, die sehr klein bleibt. Da wir einige Tiere aber im Herbst auch schlachten, ist es ganz gut, sie mit den Heidschnucken zu kreuzen, damit etwas mehr delikates Fleisch erzeugt werden kann“, so der Münsterer. Damit es soweit kommt, hat er gemeinsam mit seinem Sohn Thorsten März allerhand zu tun: Im Sommer weiden die 27 Schafe, darunter zwei Böcke, auf den kleinen Weideflächen der örtlichen NABU-Gruppe. „Die großen Wiesen werden von dem Wanderschäfer genutzt, der mit seinen etwa 300 Schafen die kleinen, nicht bewirtschafteten Flächen nicht nutzen kann. Meine Schafe stehen dann auf den Dünen, den Obstwiesen, am Waldrand und dort unter den Bäumen“, zeigt er und dreht sich in der Landschaft umher. Jede Woche einmal werden die Vierbeiner im Sommer umgestellt, weil die Brachflächen schnell abgeäst sind. Dann muss eine neue Weide eingekoppelt, also umzäunt werden und die Tiere müssen in einem Hänger zum nächsten Standort gebracht werden. „Wenn die Schafe nicht wären, würde diese einzigartige Landschaft ganz schnell verbuschen. Natürlich könnten das auch Ziegen machen, die sind aber komplizierter in der Haltung, weil sei einen richtigen Stall brauchen. Auch Esel sind für karge Wiesen gut geeignet“, fachsimpelt Treuer. Im Winter allerdings bleiben seine Tiere immer am gleichen Standort und bekommen von ihrem Schäfer Heu, Zuckerrüben und Apfeltrester.

Deutsche Wolle ist überhaupt nicht gefragt

Ihre dichte Wolle hält sie dabei schön warm, ist aber für Treuer nicht zu verwenden. „Deutsche Wolle ist überhaupt nicht gefragt, weil aus Neuseeland hochwertigere Produkte zu uns kommen. Die Wolle von meinen Schafen landet deshalb auf dem Kompost, ein ganz kleiner Teil davon geht aber an die NABU-Kindergruppe ‘Naturfüchse’, die damit filzen“, erzählt er. Überhaupt geht es dem gelernten Betonbohr- und Sägefachmann nicht um die Ökonomie, er hat einfach seinen Spaß an den Tieren. Seine Kenntnisse hat er sich selbst beigebracht, im Austausch mit anderen Schäfern und über jede Menge Fachliteratur.

„Ich betrachte meine Tiere einfach gerne und das macht mir viel Freude“, erzählt der Freizeit-Schäfer, und wie er so in der Natur bei seinen Schafen steht, leuchten seine Augen und dass sein Hobby ihn begeistert, ist deutlich spürbar.

Quelle: op-online.de

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