Zeichner aus Leidenschaft

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David zeigt seinem Papa, welches der Bilder er am liebsten mag. Sergej Wittmeier hat sie mit Airbrush-Technik gemalt.

Münster - Im katholischen Kindergarten Sankt Michael gehen die Kinder gerne auf die Toilette, denn überall prangen große bunte Bilder an den Wänden – Frösche, Fische und andere Wassertiere geben sich hier ein Stelldichein. Von Jasmin Frank

Gemalt hat die fröhlichen Motive Sergej Wittmeier, dessen Sohn ganz stolz erzählt: „Mein Papa kann richtig schön malen, mit dem Pinsel und mit einer Pistole.“ Gemeint ist die Airbrush-Technik, die Wittmeier am liebsten verwendet. Auch in seinem Münsterer Haus sieht man schnell, dass er sich die eigenen vier Wände gemeinsam mit seiner Frau Oksana gerne abwechslungsreich gestaltet. „Jedes Zimmer sollte ein bisschen anders sein“, erzählt er und seine Frau schmunzelt: „Gerade haben wir die Küche renoviert. Vor zwei Wochen war hier noch alles rot und mit vielen asiatischen Elementen gestaltet. Jetzt haben wir ein schönes braun ausgewählt und das Motto heißt Afrika!“

Die beiden interessieren sich für andere Länder und Kulturen, hat doch jeder von ihnen schon einen weiten Weg hinter sich: Die beiden Russlanddeutschen sind vor 18 Jahren nach Deutschland übergesiedelt – kennen gelernt haben sie sich aber erst hier. „Bei uns zu Hause wurde immer deutsch gesprochen, obwohl das in der Sowjetunion verboten war“, erzählt Oksana Wittmeier, die es von Kasachstan nach Wiesbaden verschlagen hatte, und erklärt: „Dennoch hatte ich Schwierigkeiten, die Menschen hier zu verstehen. Lesen konnte ich deutsch jedoch gut, deshalb habe ich für die Schule einfach alles auswendig gelernt, so dass ich einen guten Abschluss machen konnte.“

Erst mit 20 Jahren nach Deutschland gekommen

Auch Sergej hatte es nicht leicht, er war schon 20 Jahre alt und Student, als er mit seiner Familie nach Deutschland übersiedeln wollte. Ihm gelang dies nur, weil er als Kind bei einem Besuch bei seinem Großvater, der in Darmstadt lebt, dort getauft worden war. „Als wir dann in Deutschland waren, wollten wir gerne in seine Nähe ziehen und der Beamte meinte, in Münster sei noch ein Platz frei. Als wir dann auf der Karte sahen, wo die Stadt Münster lag, bekamen wir einen Schreck – doch dann merkten wir, dass es in Deutschland ganz viele Münster gibt und wir haben uns hier gleich wohl gefühlt“, freut sich Wittmeier.

Nach einem Intensivsprachkurs wollte er zunächst wieder studieren und musste dafür ein Praktikum absolvieren. So kam er zur VDO, wo seine Vorgesetzten so begeistert von seinen Fähigkeiten waren, dass sie ihn nicht gehen lassen wollten. „Also habe ich eine Ausbildung als technischer Zeichner gemacht, die ich um anderthalb Jahre verkürzen konnte, weil ich ja vieles schon im Studium gemacht hatte und mir das Zeichnen natürlich auch liegt“, erinnert er sich.

Am liebsten bemalt er Wände

Noch heute ist er in dem Babenhäuser Unternehmen und designt mittlerweile als Konstrukteur Tachos für VW und Audi. „Mir machen beide Bereiche großen Spaß, sowohl mein Beruf als auch mein Hobby. Hier bin ich aber vielseitiger, denn ich kann vom Modellauto über eine Schaufensterdekoration bis hin zum kompletten Motorrad ganz verschiedene Sachen gestalten“, erzählt er mit leuchtenden Augen.

Sein großes Faible aber sind Wohnungen, denn komplette Wände per Airbrush oder Pinsel zu gestalten, begeistert ihn besonders. „Jetzt habe ich sogar eine Aushilfe“, lacht er und seine Frau stimmt mit ein: „Ja, ab und zu darf ich auch mal den Pinsel in die Hand nehmen – aber nur zum Ausmalen. Die Konturen bestimmt er.“

Und wenn neben der Arbeit und dem Hobby noch Zeit bleibt, bastelt Wittmeier mit seinem sechsjährigen Sohn David, oder er malt ein weiteres Zimmer des kleinen Häuschens neu an – als nächstes verschwindet im Kinderzimmer Winnie Puh von den Wänden, denn der Sechsjährige will dort sein neues Hobby Fußball verewigt wissen. Und da sagt der Papa, der selbst lange Jahre in dem kickenden Sport aktiv war, ganz bestimmt nicht nein.

Quelle: op-online.de

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