Zentnerschwere Zungenbrecher

+
Die Bundestagsabgeordnete Brigitte Zypries ließ sich über die Sprachförderung im Kindergarten Im Rüssel informieren.

Münster - Der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration ist das Erlernen der deutschen Sprache. Die Bundesregierung will deshalb kleine Kinder mit sprachlichem Förderbedarf besser unterstützen und startete dazu im Frühjahr die Initiative „Offensive Frühe Chancen“. Von Jasmin Frank

Auch eine Münsterer Kindertagesstätte wurde für das Programm ausgewählt: In der Kita „Im Rüssel“ erteilt seit Sommer 2011 Karin Roßkopf, Facherzieherin für Sprachförderung, entsprechende Kurse.

„Wir erstrecken unsere Förderung auf alle Kinder, denn die Herausbildung eines umfangreichen Wortschatzes und eine gute Kommunikationskompetenz sind für alle Kinder elementar“, erläuterte die spezialisierte Erzieherin der Bundestagsabgeordneten Brigitte Zypries, die zum informellen Besuch in die Einrichtung kam. „Wir Abgeordneten haben den Auftrag, vor Ort zu sehen, was aus dem Programm geworden ist und wie es sich entwickelt. Es ist wichtig, als Politiker einen Einblick von der Umsetzung beschlossener Maßnahmen zu haben“, erläuterte Zypries, die sich bewusst für einen Kindergarten im Landkreis und nicht in Darmstadt selbst als Informationsstätte entschieden hatte.

Auch Bürgermeister Walter Blank war im Rüssel und ließ sich über die Schwerpunkte der Arbeit aufklären. „In Münster sind 80 verschiedene Nationen zu Hause, da ist es natürlich wichtig, alle Kinder sprachlich auf die Schule vorzubereiten“, so der Rathauschef.

Auch sprachstarken Kindern wird in Karin Rosskopfs Kleingruppen nicht langweilig

Doch nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund werden von Erzieherin Karin Roßkopf geschult. Sie weiß, dass jeder einzelne Bedarf haben kann und informiert: „Ich bin stets in Kontakt mit den Gruppenerzieherinnen und den Eltern. Natürlich kann ich bei 80 Jungen und Mädchen, die unsere Einrichtung besuchen, keine Individualbetreuung vornehmen. Stelle ich zusätzlichen Förderbedarf, beispielsweise durch eine Logopädin, fest, informiere ich die Eltern.“

Auch sprachstarken Kindern wird in Rosskopfs Kleingruppen nicht langweilig, sie arbeiten sich an kniffeligen Zungenbrechern ab. „Zehn Ziegen zogen zehn Zentner Zement zum Zoo“, ratterte der sechsjährige Vincent vergnügt herunter und strahlte: „Vorlesen ist toll, aber Zungenbrecher sind noch besser.“

Damit das Programm greifen kann, greift der Bund tief in die Tasche. „Von 2011 bis 2014 stellt der Bund rund 400 Millionen Euro zur Verfügung, um bis zu 4 000 Einrichtungen zu fördern, damit erhält jede teilnehmende Kita pro Jahr 25.000 Euro, um eine zusätzliche Halbtagskraft für die Sprachförderung anstellen zu können. Diese muss eine besondere Qualifizierung vorweisen können und erhält auch eine angemessene Entlohnung, denn Ziel des Projekts ist es auch, den Beruf der Erzieherin aufzuwerten“, erläuterte Kindertagesstättenleiterin Petra Becker. Zypries jedenfalls konnte bei ihrer Visite feststellen, dass die Münsterer Kinder bei Karin Roßkopf in guten Händen sind und fleißig reden und sprechen.

Quelle: op-online.de

Kommentare