Nur wenig Publikum in der Sport- und Kulturhalle

Kaum Interesse an Kaninchenzucht

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Bruno Illing mit einem deutschen Riesenschecken schwarz-weiß, dahinter H 242-Vorsitzender Helmut Braun.

Altheim - Bis zu acht Kilo können die Kaninchen der Rasse Riesenschecken schwarz-weiß auf die Waage bringen. Wer ein stattliches Exemplar auf den Arm nehmen will, braucht schon ein wenig Kraft. In Münster ist Bruno Illing der Experte für die Riesenschecken.

Im Rahmen der Lokalschau des Kaninchenzuchtvereins H 242 Altheim stellte er in der Sport- und Kulturhalle seiner Zuchtergebnisse aus.

Insgesamt waren rund 130 Tiere zu bewundern. Die große Zahl kam vor allem dadurch zu Stande, weil sich der Holländer-Club Hessen an der Schau beteiligte. Holländer sind eine spezielle Rasse mit besonderen Kopf- und Rumpfzeichnungen. Der Holländer-Club Hessen hat seine Mitglieder im ganzen Bundesland verstreut, zur Prämierung kommen sie jeweils an einem Ort zusammen. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Altheim.

Bei der Prämierung der H 242-Vereinsmeister (H 242 entspricht der Nummer des Vereins im Landesverband) durfte sich Karl Heinz Uebel vor Helmut Braun freuen. Seine Kaninchen der Rasse Kleinsilber und Zwergwidder überzeugten die Jury. Uebel hatte auch den besten Rammler und die beste Häsin. Im Jugendbereich erzielte Florian Braun das beste Ergebnis. In diesem Jahr stellten nur drei H 242-Mitglieder aus.

Nur noch fünf aktive Mitglieder

Laut Vorsitzendem Helmut Braun ist das nicht verwunderlich, da von den 29 Mitgliedern nur noch fünf aktiv sind. Für den 65-Jährigen ist es traurig, dass die Kaninchen-Zucht ein aussterbendes Hobby ist. „Das wird eher schlimmer statt besser“, vermutet er mit Blick auf die Zukunft. Die Jugend habe heute einfach andere Interessen. Meist sei sie nur noch dabei, wenn der Opa oder Vater selbst züchtet. Sein Bruder Eugen sei dafür mit den Enkeln Florian und Laura das beste Beispiel.

Helmut Braun begann sein Hobby in jungen Jahren, als er zu Hause mit vielen Tieren, darunter auch Hühnern und Gänsen, aufwuchs. Auf seinem Grundstück nennt er derzeit 70 Kaninchen sein Eigen. Es gab Zeiten, da waren es auch schon 100. Die große Zahl ist für gute Zuchtergebnisse wichtig. Gerade bei den Zeichnungen bedarf es mehrerer Würfe, soll sich das Besondere einstellen. Wie Braun berichtet, wird das Hobby immer teurer. So seien die Futterkosten in den letzten Jahren stetig gestiegen. 17 Euro koste der Zentner Hasenfutter mittlerweile. Eineinhalb braucht Braun pro Woche, hinzu kommen Ausgaben für Stroh und Karotten. Trotzdem will er seinem Hobby treu bleiben: „Wer damit aufwächst, hängt daran“, sagt er.

Besuche von Kindergärten nicht mehr möglich

Für die Schau wurden die Tiere am ersten Tag eingesetzt, am zweiten prämiert und am dritten der Öffentlichkeit gezeigt. Vor ein paar Jahren öffnete man früher die Tore, so dass am Nachmittag des ersten Tages noch der Altheimer Kindergarten zu Besuch kommen konnte. Durch die geringe Zahl an Helfern ist das nun nicht mehr möglich.

Weniger sind auch die Besucherzahlen geworden: Nur vereinzelt ließen sich junge Familien mit Kindern ausmachen. Aufgrund der Resonanz stand am Eingang eine Büchse für Spenden anstatt eine Kasse für Eintrittsgelder. Für das Vereinskonto baute man eine Tombola auf. Deren Größe erinnerte aber daran, dass die Verlosung auch schon bessere Zeiten gesehen hat. „Wenn man heute die Geschäfte um Unterstützung bittet, kommt man sich vor wie ein Bettler“, sagt Eugen Braun.

Ab und an fährt er mit seinem Bruder zu einem befreundeten Züchter an die Nordsee. „Dort wundern wir uns, dass es am Ort noch Lokalschauen gibt, die als Ereignis viele Menschen anziehen. Das liegt vor allem am ländlichen Raum“, ist sich Braun sicher. Das Landleben findet man seiner Ansicht in unserer Gegend kaum noch. Selbst Altheim atme schon den urbanen Hauch des Rhein-Main-Gebiets, in dem die Kaninchen-Zucht nur noch als ein Überbleibsel vergangener Tage angesehen wird.

(mj)

Quelle: op-online.de

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