Zufluchtsort in Nöten

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Ulla Kurz, Angelika Dahms und Karin Löffler (von links) bilden das neue Vorstandstrio, das an der Spitze des Vereins „Frauen helfen Frauen“ steht, der das Frauenhaus in Münster betreibt.

Münster ‐ Nicht nur die Opfer gewalttätiger Partner brauchen Kraft und Mut, um ihrem häuslichen Dilemma zu entrinnen. Von Ursula Friedrich

Auch das Team des Vereins „Frauen helfen Frauen“ benötigt unerschöpfliche Energie, um den Fortbestand einer Einrichtung zu sichern, die schon vielen Menschen als überlebenswichtige Rettung diente. Unter der Regierung Roland Kochs wurden 2004 die Mittel für solche Einrichtungen landesweit gestrichen, sodass die Finanzierung von Fachberatungsstelle und Frauenhaus schwierig geworden ist. Von Resignation ist am runden Tisch in der Beratungsstelle jedoch keine Spur. Rund 20 Frauen, ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterinnen, haben sich zur Jahreshauptversammlung zusammengesetzt, um die Zukunft konstruktiv zu meistern. „2010 wird unser Haushalt defizitär“, weißt Karin Löffler aus dem Vorstand gleich auf ein Hauptproblem hin. Um den Etat auszugleichen, wurde Landrat Klaus Peter Schellhaas mit ins Boot geholt, der Hilfe signalisierte (allerdings ist der Haushalt des Kreises noch nicht beschlossen). 30000 Euro sollen vom Kreis zusätzlich eingestellt werden, um das Überleben des Zufluchtsortes „Frauenhaus“ zu sichern.

Trotz finanzieller Not arbeitet das engagierte Team an einer Ausweitung der Kapazität: Im Frauenhaus sollen künftig 25 statt bislang 20 Plätze geboten werden, hierzu müssen auch personelle Kapazitäten erweitert werden. Die Arbeit der Sozialpädagoginnen in der Beratungsstelle soll von 60 auf 80 Stunden hochgefahren werden.

Kontakt: Die Beratungsstelle des Vereins „Frauen helfen Frauen“ ist in Dieburg, Altstadt 29, untergebracht. Die Mitarbeiterinnen sind dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 14 bis 16 Uhr unter 06071-25666 erreichbar. Persönliche Beratungstermine werden auch außerhalb dieser Zeiten vereinbart.

Der Bericht der Mitarbeiterinnen aus dem Frauenhaus macht deutlich, dass die Not von Frauen und Kindern die Ausweitung des Angebots dringend erforderlich macht – und dies nicht erst seit fast täglich neue Skandale um missbrauchte Kinder durch Kirchenvertreter und Schulpädagogen öffentlich werden. „Nach wie vor ist durchschnittlich jede vierte Frau – und zwangsläufig deren Kinder - von häuslicher Gewalt betroffen“, so das Resümee des Vereinsvorstands anlässlich der Jahreshauptversammlung. In den vergangenen fünf Jahren war die Zuflucht „Frauenhaus“ jährlich bis zu 92 Prozent ausgebucht. Misshandelte, gedemütigte und traumatisierte Frauen und Kinder suchten hier bis zu einem Jahr Schutz, Beratung, seelischen Beistand und therapeutische Hilfe – 74 Prozent der Betroffenen waren unter 40 Jahren. Im Vorjahr erblickte ein kleiner Erdenbürger im Frauenhaus das Licht der Welt. Viele Opfer blieben nur wenige Tage, um anschließend in eine eigene Wohnung (26 Prozent), zu Verwandten (neun Prozent) oder in andere Frauenhäuser (14 Prozent) überzusiedeln. 28 Prozent der Frauen kehrten in ihr gewaltgeprägtes Leben zurück. Trotz aller Probleme und betrüblicher Schicksale gab es auch „Highlights“. Durch zahlreiche Spenden konnte der lang ersehnte Vereinsbus vor drei Wochen angeschafft werden. Inzwischen wird weiter gespart, denn ein Geräte- und Spielzeugschuppen für das Frauenhaus ist notwendig.

Personell verringerte sich die Vorstandstruppe um eine Mitstreiterin. Angelika Dahms, Ulla Kurz und Karin Löffler wurden für zwei weitere Jahre an die Spitze des Vereins gewählt, Karin Steffens schied aus. Für ihr langjähriges Engagement wurde Angelika Dahms liebevoll gewürdigt: Sie ist eine Mitstreiterin der ersten Stunde und setzt sich seit 25 Jahren für misshandelte Frauen ein.

Das Frauenhaus steht Hilfe suchenden Frauen und Kindern montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr offen, 06071-33033. Das Spendenkonto des Vereins ist bei der Sparkasse Dieburg, BLZ 50852651, Kontonummer 33 032 830.

Quelle: op-online.de

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