„Die Zukunft Münsters“

Großes Thema zieht nur wenige zur Bürgerversammlung

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Nur 50 Zuhörer interessierten sich am Donnerstagabend in der Kulturhalle für Münsters Ortsentwicklung und verloren sich etwas im Saal.

Münster - Von der Gemeinde propagiert als „Thema für die Zukunft Münsters“ kamen dennoch nur 50 Zuhörer zur Bürgerversammlung über die geplante Ortsentwicklung ihrer Kommune. Von Jens Dörr

„Aktivierung von Flächenpotenzialen für eine Siedlungsentwicklung nach innen – Beteiligung und Mobilisierung durch Visualisierung“: Was als Projektname einer Forschung von TU Darmstadt und Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung (IGD) tauglich sein mag und dort mit „AktVIS“ abgekürzt wird, ist es als Titel, mit dem die breite Bevölkerung für ein Thema interessiert werden soll, mitnichten. „Ortsentwicklung“ könnte man es plastischer nennen. Was die Gemeinde Münster mit den Projektpartnern und dem ebenfalls mitwirkenden Regionalmanagement des Landkreises Darmstadt-Dieburg zumindest auf der Bürgerversammlung am Donnerstagabend in der Kulturhalle auch tat.

Für die Veranstaltung geworben worden war vorab aber mit dem sperrigeren Namen. Vielleicht ein Grund dafür, dass sich vor der Bühne nur 50 Zuhörer mit dem wichtigen Thema befassen wollten. „AktVIS“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung komplett finanziert und ist auf zwei Jahre angelegt. Das Forschungsprojekt soll eine Vorstufe für die künftige Entwicklung Münsters darstellen, wie es auch eine Untersuchung des Kreises tut, der seine 23 Städte und Gemeinden in der Vergangenheit dazu anstieß, seine Leerstände, Baulücken und Umnutzungs- sowie Sanierungspotenziale zu erheben. Im März wurde die zweijährige „AktVIS“-Phase in Münster offiziell mit einem Workshop und einer Präsentation für die Presse gestartet.

Die Bürgerversammlung sollte nun jedem die Gelegenheit bieten, sich näher auf das Thema einzulassen. „Es ist das Thema für die Zukunft Münsters“, sagte Gerald Frank schon vor der Versammlung und legte die Betonung auf das Wort „das“. Dorte Meyer-Marquart, die Vertreterin des Regionalmanagements Ortsentwicklung, sieht es als große und historische Chance für ganz Münster, nicht nur für den alten Ortskern Münsters rund um Hintergasse, Dammstraße und Austraße, wo viele nicht mehr zeitgemäße Immobilien stehen und langfristig eine Verödung droht.

Gemeinsam mit den Bürgern sollen Potenziale in Ortsgebieten mit derzeit noch schlechter Prognose entdeckt und visualisiert werden. Bei der Erhebung der Daten helfen Karten des Amts für Bodenmanagement; sie werden zusammengetragen, ergänzt und strukturiert vom Institut für Geodäsie der Technischen Universität. In einem weiteren Schritt soll das Fraunhofer IGD durch Computerprogramme und über einen Multitouch-Tisch den Bürgern vor Augen führen, was es optisch beispielsweise konkret bedeuten würde, wenn das alte Haus nebenan durch einen Neubau ersetzt würde. Vertreter des TUD-Instituts für Arbeits- und Ingenieurspsychologie begleiten die Forschung ebenfalls, sie sollen später etwa mit Immobilieneigentümern ins Gespräch kommen.

Bilder: Fest in der Kulturhalle

Vor allem aber soll sich der inzwischen angelaufenen Forschung die Aufnahme Münsters in das Bund-Land-Förderprogramm „Stadtumbau in Hessen“ anschließen. Wird Münster aufgenommen, könnten über den Zeitraum von zehn Jahren hinweg nicht nur Maßnahmen in der Ortskern-Entwicklung mit bis zu zwei Dritteln an Fördermitteln massiv finanziell unterstützt werden, sondern darüber hinaus auch eine „grüne Achse“ in der Gemeinde. Sie könnte eine Verbindung vom Friedhof über den Rathaus-Platz bis hin zum Bahnhof schaffen. Die Umgestaltung des Rathaus-Platzes wäre dabei die zentrale, aber nicht die einzige Maßnahme. „Unter das Förderprogramm fallen viele Projekte, die wir sowieso vorhaben“, betonte Frank, dass Münster nur gewinnen könne.

Dazu zählte er auch die Neugestaltung der Darmstädter Straße, für die ansonsten – wie auch für den Rathaus-Platz – keine solche Förderung zu erwarten wäre. Hinzu käme die finanzielle Unterstützung bei „blauen“ Infrastrukturmaßnahmen, die eine Fortsetzung der Gersprenz-Renaturierung beinhalten würden. Auch das ehemalige Elima-Gelände neben dem Frankenbach-Areal geriete städtebaulich in den Fokus. Eine Entscheidung, ob Münster in das Programm aufgenommen wird, sollte ursprünglich bis spätestens Sommer fallen. Am Donnerstag war der Bürgermeister diesbezüglich nicht mehr so optimistisch, geht aber von einer Entscheidung auf jeden Fall noch in diesem Jahr aus. Sehr positiv gestimmt ist er hingegen, dass Münster zu den etwa 20 Gemeinden unter 60 Bewerbern zählen wird, die in diesem Jahr in das Programm aufgenommen werden.

Quelle: op-online.de

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