Weitere Renaturierungen sind in Münster in Planung

Zurück zur Natur am Gersprenzlauf

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Die Renaturierung der Gersprenz in Münster, wie hier am Ortsausgang Richtung Eppertshausen, wird fortgesetzt.

Münster - Ein heißer Sommer hat der Gersprenz 2016 schwer zu schaffen gemacht, weil viel Wasser entnommen wurde – doch alles in allem geht es dem Fluss gut, betont der Wasserverband Gersprenzgebiet.

Bürgermeister Gerald Frank will weitere Maßnahmen zur Renaturierung des Flusses vorantreiben, damit sich das Ökosystem vom Raubbau des Menschen erholen kann. Viele schätzen an Münster die zentrale, aber dennoch grüne Lage mitten im Rhein-Main-Gebiet. Zu der schönen Umgebung trägt auch die Gersprenz bei: Der im Odenwald entspringende und bei Stockstadt in den Main mündende Fluss schlängelt sich auch durch Münster, über weite Teile davon durch unberührte Natur, etwa das Naturschutzgebiet Hergershäuser Wiesen. In jüngster Zeit sorgen sich einige Bürger um die Gersprenz, wie kürzlich ein Bericht in unserer Zeitung zeigte. Darin äußerten Vertreter von Angelvereinen aus Münster, Hergershausen und Groß-Zimmern Bedenken, dass der niedrige Wasserstand und Sedimentablagerungen im Flussbett den Fischbestand gefährdeten.

„Ich nehme die Sorgen sehr ernst und freue mich über das Engagement, denn es beweist, wie wichtig die Gersprenz den Bürgern ist. Auch mir liegt sie sehr am Herzen“, sagt Frank. Bei einem Treffen mit Heinrich Hess, Geschäftsführer des Wasserverbandes Gersprenzgebiet, hat er den aktuellen „Gesundheitszustand“ des Flusses unter die Lupe genommen. Die erfreuliche Nachricht zuerst: Alles in allem geht es der Gersprenz gut. „Die Wasserqualität liegt insgesamt zwischen 1 und 2“, betont Hess, wobei 1 die beste Note darstellt. Seit den 80er Jahren habe sich die Qualität damit stetig verbessert.

Wesentlich dazu beigetragen haben technische Verbesserungen der Kläranlagen: Das geklärte Wasser, das in den Fluss geleitet wird, ist heute viel sauberer als noch vor Jahrzehnten. „Der nächste Schritt wird die Reinigungsstufe 4 sein, die auch Arzneimittelrückstände aus dem Wasser filtert. Das ist das Ziel“, schildert Hess. Ablagerungen von Schlamm und Sedimenten im Flussbett bilden sich vor allem vor Wehr- oder Stauanlagen – wie in Münster etwa bei der Langsmühle – weil sie die natürliche Fließgeschwindigkeit der Gersprenz einschränken. „Wenn sich das Wasser staut, steht es, und dann kommt es zu Ablagerungen“, schildert Hess.

Für Bürgermeister Gerald Frank ist es daher oberste Priorität, die Renaturierung der Gersprenz weiter voranzutreiben. „Es wurde über Jahrzehnte hinweg Raubbau an der Natur betrieben. Darum forcieren wir diese längst überfälligen Korrekturen.“ Getan hat sich schon einiges.

Zuletzt hat der Bau von Fischtreppen dazu geführt, dass Fische die Gersprenz einfacher durchwandern können. Das brauchen die Tiere dringend: Barben zum Beispiel, die in der Gersprenz vielfach vorkommen, wandern rund 300 Kilometer flussauf- und abwärts, um zu laichen. Vom Menschen geschaffene Barrieren schränkten sie bisher stark ein. Fischtreppen geben der Gersprenz dieses wichtige Stück Ursprünglichkeit zurück und vernetzen bisher voneinander abgetrennte Flussbereiche miteinander – das bedeutet Freiheit für die Fische.

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Europaweit gültige Gesetze schreiben solche Schritte zur Renaturierung mittlerweile sogar vor. Das Land Hessen finanziert einen wesentlichen Teil der Kosten von Fischtreppen mit dem Förderprogramm Gewässerentwicklung und Hochwasser-Schutz. Äste und Totholz im Wasser sind übrigens auch Teil der Renaturierung und durchaus gewollt, denn das Holz dient Fischen als Nahrungsquelle.

Der niedrige Wasserstand der Gersprenz hat mit dem heißen Sommer zu tun, schildert Hess. Landwirte und Privatleute haben für die Bewässerung von Feldern und Gärten eine Menge Wasser entnommen – was prinzipiell nicht verboten ist, sofern dadurch kein ökologischer Schaden entsteht. Laut Hess war die Wasserentnahme im Sommer teilweise jedoch dramatisch hoch: „Wir konnten das am Pegel in Harreshausen messen.“ Um dieses Problem in heißen Sommern zu lösen, müsste die Untere Wasserbehörde des Landkreises die private Wasserentnahme bei anhaltender Trockenheit und sinkendem Wasserstand zeitweise verbieten.

Mit einer Vertiefung des Flussbetts – wie von den Anglern angeregt – könne man einem niedrigen Wasserstand und Schlammablagerungen nicht vorbeugen, schildert Hess. Viel wichtiger sei es, den Weg der Renaturierung weiterzugehen. Denn ein natürlicher Lauf ohne menschengemachte Barrieren sei die beste Gesundheitskur für einen Fluss. Die positiven Auswirkungen von Renaturierungsmaßnahmen sind auch im Hochwasser-Risikomanagement mit der Studie zum 100-jährigen Hochwasser deutlich geworden. Demnach ist die Bedrohung durch Hochwasser aufgrund der Renaturierung der letzten Jahre stark zurückgegangen. „Sozusagen eine Win-Win-Situation für Natur und Mensch“, sagt Bürgermeister Gerald Frank. (tm)

Quelle: op-online.de

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