Zusätzlicher Gegner war Wind

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Nach dem Schwimmen: Ab auf drei harte Runden auf dem Rennrad. 

Münster - Ja, auch beim Triathlon gibt es gelbe und rote Karten. Und auch in dieser Sportart diskutieren jene, die sie erhalten, gerne mit solchen, die sie aussprechen. Von Jens Dörr

Dem hervorragenden Team des VfL Münster, der Jahr für Jahr den Moret-Triathlon ausrichtet, war es zu verdanken, dass sich die Auseinandersetzungen bei der 27. Auflage am Samstag trotz sieben Disqualifikationen und noch mehr Verwarnungen in Grenzen hielten.

Ein Beispiel aus der Wechselzone vom Schwimmen zum Radfahren: Ein Athlet war aus der heftig umwehten Kiesgrube (Hardt-See) vor den westlichen Toren Babenhausens gestiegen und legte in der Zone nahe des Ufers seine Badekappe ab. Nun hätte er barfuß rund 100 Meter weiterlaufen müssen bis zur nächsten Zone, wo sein Rennrad deponiert war. Tat er auch – hatte dabei aber bereits seinen Helm in der Hand, den er in der Schwimmzone platziert und dort mitgenommen hatte.

„Der Helm muss am Rad hängen“, machte ihm ein Wettkampfrichter der VfL deutlich, als der Athlet zu seinem Gefährt wollte. Die Folge: gelbe Karte – und keine Chance, diese gegen den konsequenten Unparteiischen wegzudiskutieren. Schließlich sahen die Regeln des Moret-Triathlons es so vor. Wenn der Zeitgewinn durch das Übertreten der Regel auch nur ein marginaler ist.

Das Beispiel aber zeigt: Nicht nur an der Spitze kämpften die Triathleten am Samstag um jede Sekunde. Und das trotz der fünf, sechs Stunden, die die meisten Dreikämpfer für die 2000 Meter Schwimmen im See, die 91 Kilometer auf dem Rad und die mehr als 21 Kilometer auf der Laufstrecke benötigten. Schließlich ging es für die meisten der 294 startenden Männer und die 42 Frauen (gemeldet hatten insgesamt 400 Athleten, die aber nicht alle antraten) nicht um den Gesamtsieg, wohl aber um persönliche Ziele: neue individuelle Bestzeit, schnellster Starter des eigenen Teams – oder schlicht ums „Finishen“, also ums Durchkommen.

Das war am Samstag nicht nur wegen der anspruchsvollen Radstrecke und der halben „Ironman“-Distanz als solcher eine Herausforderung: Heftige Windböen machten den Start im Wasser ungemütlich und das Radfahren – gefühlt hat man da schließlich immer Gegenwind – unangenehm. Ohne Lüftchen lässt sich der Rhythmus schließlich besser finden.

Jede Sekunde beim Wechseln zählt: Claudia Fiebig-Keller vom TV Hergershausen wurde drittschnellste Frau.

Als sich die Teilnehmer im Dezember für den „27. Moret-Triathlon“ des VfL Münster anmeldeten und die 400 Startplätze in wenigen Tagen ausverkauft waren, ahntensie noch nichts von der geänderten Radstrecke, die manche als schwierigsten in der Geschichte des Wettbewerbs bewerteten. Nach Konflikten mit lokalen Veranstaltungen und Auflagen der Genehmigungsbehörden galt es, dreimal einen Rundkurs über Klein-Umstadt, Mosbach und Mömlingen zu absolvieren, das Erklimmen des „Binselbergs“ inklusive. 1300 Höhenmeter kamen so zusammen – auch ohne die „Moret“, den eigentlich „Mainzer Berg“ genannten Dieburger Hausbuckel.

All diese Herausforderungen überstand ein Altmeister am besten: Frank Vytrisal vom Software AG Team aus Darmstadt lief als Erster ins Ziel am Sportgelände des TSV Altheim ein. Er benötigte 4:38:08 Stunden und lag damit knapp zwei Minuten vor seinem Teamkollegen Dieter Metz. Das Duo – 45 (Vytrisal) und 44 (Metz) Jahre alt – ließ die anderen, meist jüngeren Konkurrenten damit deutlich hinter sich. Vytrisal profitierte insbesondere von seinen starken Leistungen im Wasser und auf dem Rad. Auf der Laufstrecke nahm ihm Metz, der den abschließenden Halbmarathon in 1:20:54 Stunden absolvierte, satte acht Minuten ab und machte das Duell noch einmal spannend.

Bei den Frauen war Susan Dietrich – ebenfalls antretend für das Software AG Team – eine Klasse für sich: Sie blieb in 4:57:46 Stunden unter der 300-Minuten-Grenze und hatte auf die Zweitplatzierte (Simone Bremicker aus Frankfurt) unglaubliche 35 Minuten Vorsprung. Noch bemerkenswerter: Im Gesamteinlauf wurde Dietrich Zehnte, war also auch schneller als fast alle Männer. Zwei Kilometer im See schwamm sie in starken 30:39 Minuten.

Mit Claudia Fiebig-Keller vom TV Hergershausen stand derweil auch eine Athletin aus der Region auf dem Treppchen: Sie wurde Drittschnellste aller Frauen, kam nach 5:39:09 Stunden ins Ziel. Auf dem Rad war sie sogar schneller unterwegs als die Zweite Bremicker. Heike Hechler vom TV Hergershausen wurde 15. unter allen Frauen (6:12:44 Stunden). Susanne Müller (6:54:02 Stunden) vom TV Groß-Zimmern trotzte ebenfalls den anspruchsvollen Bedingungen unter blieb unter der Sieben-Stunden-Marke.

Bei den Männern holte der Dieburger Sascha Christiansen, der für den TV Groß-Zimmern an Triathlon-Wettkämpfen teilnimmt, einen starken Platz 15. Sein Schwimmen bezeichnete er selbst hernach als „schlecht“, stieg „nur“ als 111. aus dem Wasser. Durch ein gutes Ergebnis auf dem Rad und ein überragendes beim Laufen (mit 1:33:18 Stunden lieferte Christiansen hierbei die elftbeste Zeit) kämpfte er sich nach vorne.

Roland Trippel (5:12:56 Stunden) wurde als 24. bester Mann des TV Hergershausen. Ingo Raschert (5:53:40 Stunden) erreichte für den TV Groß-Zimmern Platz 132 und war damit auch noch in der ersten Hälfte zu finden. Karl-Heinz Rosskopf lieferte für Gastgeber VfL Münster das beste Ergebnis ab, wurde in 5:54:56 Stunden 136.

Weitere Ergebnisse von Athleten aus der Region: 150. Roger Lösch (SV Altstadt Dieburg, 6:00:15 Stunden), 172. Dirk Tramberend (VSF Altheim, 6:09:55 Stunden), 179. Wolfgang Bleier (TV Hergershausen, 6:11:47 Stunden), 196. Kurt Kreher (VfL Münster, 6:17:43 Stunden), 216. Jochen Sachs (TV Schaafheim, 6:29:54 Stunden), 217. (Klaus Lambert (TV Groß-Zimmern, 6:30:53 Stunden), 219. Stefan Böttcher (SV Altstadt Dieburg, 6:32:54 Stunden), 242. Sascha Metzler (SV Altstadt Dieburg, 6:50:07 Stunden), 249. Alfons Kirschstein (TV Dieburg, 6:57:42 Stunden).

Quelle: op-online.de

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