Jahresrückblick: Zwei Kommunen, ein Problem - Bürgerhallen

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Die Kultur- und Versammlungsstätten in Münster und Eppertshausen kosten die Gemeinschaft viel Geld.

Münster/Eppertshausen - Nachbargemeinden inmitten des Rhein-Main-Gebietes schätzen ihre Bedeutung im großen Verbund ziemlich realistisch ein. Von Thomas Meier

Die politisch Verantwortlichen in Münster und Eppertshausen erkannten bereits im Vorjahr, dass man gemeinsam stärker ist, und nutzten diese Erkenntnis im abgelaufenen Jahr konsequent zum Wohle der Bürger in beiden Kommunen. Nicht nur mit der gemeinsamen Gewerbemeile im Mai unterstrichen Münster und Eppertshausen eindrucksvoll die gemeinschaftliche Schlagkraft auf dem Gewerbesektor.

Intern wird der nutzbringende Zusammenschluss gesucht und umgesetzt, wo er nur möglich ist. Mittlerweile sind die Verwaltungen und politischen Gremien derart kooperativ, dass bei einem Fehlbedarf an Erziehern gar einer für beide Gemeinden eingestellt wird, wenn es sich denn anbietet.

Thomas Meier

Bei soviel Gemeinsinn fällt auch ein gemeinschaftliches Problemfeld ins Auge, dass die Kommunen jedoch jede für sich allein angehen und lösen mussten. Sowohl in Münster wie auch in Eppertshausen drehte sich 2010 nicht alles, aber sehr viel um „die Hall’“. An der Kulturhalle in Münster war wirklich viel „im Eimer“, wie unsere Zeitung trefflich zu titeln wusste, als Mitte des Jahres noch das Regenwasser, das durchs marode Dach eindrang, in Plastikeimern auf dem Parkett im Foyer aufgefangen werden musste. Und in Eppertshausen ist es die Bürgerhalle, deren Bau beschlossen und angegangen wurde. Das 4,5 Millionen Euro-Projekt wird auch im kommenden Jahr noch für etliche Schlagzeilen sorgen.

Die neue Bürgerhalle wird eine Nutzfläche von 1400 Quadratmetern haben. Der große Saal weist 495 Quadratmeter Fläche auf und bietet rund 400 Stühlen Platz. Dazu kommt die Bühne mit 130 und ein kleinerer Saal mit 175 Quadratmetern. Die Kosten liegen bei vier Millionen Euro für den Bau plus 500 000 Euro für Ausstattung und Bühne.

Eigens Bürgerhallen-Kommission gegründet

Durch einen riesigen Wust an Akten hatten sich zunächst die Politiker Eppertshausens, dann die Verwaltungsleute zu arbeiten. Eigens eine Bürgerhallen-Kommission wurde deshalb gegründet, bestehend aus Politikern, Verwaltungsfachleuten und Bürgern (zumeist Vereinsfunktionäre). Die Ausschreibungen für den Rohbau erforderten hohen Aufwand, da ein Teil des Geldes für den Bau der Bürgerhalle aus den Bundesmitteln des Konjunkturpaketes stammt. Einige Auflagen und Vorgaben waren und sind noch zu stemmen, muss doch das Gebäude bis 31. Dezember 2011 fertiggestellt sein.

So dominierte der Hallenbau auch den Haushalt der Gemeinde in diesem Jahr. 1,8 Millionen Euro sind hierfür festgeschrieben, im kommenden Jahr nochmals zwei Millionen Euro und 2012 schließlich muss die Kommune nochmals 563.000 Euro in die Hand nehmen.

Bislang läuft alles wie am Schnürchen. Am 21. August war Spatenstich und zum Jahresende kann der Bürgermeister vor zwar nur sehr wenigen Besuchern, aber immerhin mit stolzgeschwellter Brust verkünden: „Wir liegen voll im Zeit- und Kostenplan.“

Baumängel, Ermittlungen, Schwindel

Hat Eppertshausen sich gerade einmal um zwei Hallen zu sorgen (die neue und die alte Mehrzweckhalle, die abgerissen wird, wenn die neue bezugsfertig ist), so treiben Münsters Bürgermeister gleich viel mehr Hallenbauwerke die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Altheimer Sport- und Mehrzweckhalle bereitete in diesem Jahr zwar kaum Kummer, da ihre Sanierung in den letzten Zügen lag, doch war absehbar, dass die mit dem Kreis gemeinsam betriebene Gersprenzhalle viel teurer wird, als noch 2009 prognostiziert. Und Sorgenkind Nummer eins sollte das Jahr über die „Gute Stube“ Münsters sein, die Kulturhalle am Abtenauer Platz.

Rund elf Millionen Euro ließ sich die Gemeinde den äußerlich schmucken Bau vor knapp 16 Jahren kosten, doch schon nach fünf Jahren Betriebszeit war an vielen Stellen nicht nur der Lack ab. Erste dunkle Wolken zogen auf, als zur Jahrtausendwende ein Schwindel aufflog und staatsanwaltliche Ermittlungen ergaben, das schon bei der Auftragsvergabe nicht alles rechtens war.

Es schloss sich ein fast ein Jahrzehnt währender Rechtsstreit an, der erst jetzt im September ein Ende finden sollte.

Gerichtsstreit endet mit Vergleich

Immer wollten die Verantwortlichen Münsters einen Ausgleich für die durch Pfusch am Bau entstandenen Schäden, heraus kam nie etwas, zürnte Bürgermeister Blank noch Mitte des Jahres. Über die Jahre waren Dutzende von Sachverständigen und Prüfern durch die Kulturhalle gezogen für Expertisen und Gutachten. Münster berief sich noch Mitte des Jahres wieder auf die Architektenhaftung, doch war der nicht greifbar und seine Versicherung hartleibig.

Mitte September verkündete dann ein plötzlich um Jahre jünger wirkender Bürgermeister Blank: Der Gerichtsstreit um Mängel an der Kulturhalle ist durch einen Vergleich beendet. Der entspannte Gesichtsausdruck hatte einen aktuellen Grund: Das erwirkte Geld von der Versicherung des verklagten Architekten, immerhin noch 153 000 Euro, war zum Zeitpunkt der Nachrichtenübermittlung bereits auf dem Gemeindekonto eingegangen.

Bürgermeister Blank hatte den Rechtsstreit praktisch vom Vorgänger bei Amtsübernahme geerbt. Und er hat von diesem Erbe auch nach dem Vergleich noch heute und im kommenden Jahr etwas, denn das überwiesene Geld reicht nicht zur Schadensabdeckung. Die Gemeinde war bereits vor zwei Jahren von mindestens 163 000 Euro ausgegangen die notwendig seien, alle Schäden zu beheben. Zuvor stand schon einmal eine Bruttosumme von 197 000 Euro im Raum. Was der betrügerische Pfusch am Bau die Gemeinde letztendlich gekostet haben wird, ist wohl niemals auf Heller und Pfennig zu ermitteln. Zu lange währte der Prozess, zu sehr vermischen sich die Folge- mit den ursächlichen Schäden. Sicher ist: Die Zeche zahlt der Bürger.

Noble Versammlungsstätten sind Luxus

Bleibt ein hoffnungsvoller Ausblick auf die Hallengeschicke in beiden Kommunen für 2011. Auf dass die Kulturhalle in Münster endlich die Sanierung erfährt, die ihr (auch im Sinne des Wert-erhalts) gebührt; und auf dass die neue Bürgerhalle in Eppertshausen für die gedachten Gelder das wird, was sich alle Beteiligten wünschen: eine schöne neue „Gute Stube“.

In beiden Gemeinden sollten sich die Bürger klar darüber sein, dass solch noble Versammlungsstätten einen Luxus darstellen, der bezahlt werden will. Ein Blick in die weitere Nachbarschaft zeigt, was Stadthallen für Belastungen im Stadtsäckel darstellen, ob in Groß-Umstadt oder gar Dieburg mit seiner neuen, schon lange vor Bezug an Zusatzkosten explodierenden Stadthalle. So wird das Hallenproblem auch in Münster und Eppertshausen nur ein ewiglich fortzuschreibendes bleiben. Mal etwas teurer, mal etwas weniger teuer...

Quelle: op-online.de

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