Zwist um Ordnung in Freizeitzentren

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Sie hatten noch gut Lachen, grillte die Gruppe Ukrainer in Münsters Freizeitzentrum doch noch nach den alten Regeln.

Münster - Folgt die Gemeindevertretersitzung kommenden Montag der Empfehlung des Haupt- und Finanzausschusses, dürfen keine privaten Grills mehr mit in die beiden Freizeitzentren genommen werden. Von Thomas Meier

Die große Freiluft-Braterei geschieht dann einzig auf den gemeindeeigenen Grillstationen. Vor dem sehr knappen Beschluss, dem fünf Unionsmitglieder zustimmten und den die vier Stimmberechtigten von SPD und ALMA ablehnten, entspann sich eine kontroverse Diskussion, die auch rund ein Dutzend Zuhörer verfolgte.

Bürgermeister Walter Blank erinnerte an die Beweggründe, die Satzung über die Ordnung der gemeindeeigenen Freizeitzentren zu ändern. Immer mehr auswärtige Nutzer belegten die Plätze und hinterließen sie oftmals in unakzeptablem Zustand, wurde in vorigen Gemeindevertretersitzungen geklagt (wir berichteten). An manchen Wochenenden erinnerten die Freizeitzentren, insbesondere der Platz in Altheim, an fernöstliche Heiratsmärkte. Für solch Massenansturm seien auch die Toilettenanlagen nicht ausreichend, hieß es.

„Die bisher in der Satzung verankerte Möglichkeit, auf bestimmten Flächen mit eigenen Grills ohne Genehmigung der Gemeinde zu grillen, hat sich in der Praxis nicht bewährt“, lautet es jetzt in der Begründung zur Satzungsänderung. Zu viele Ortsfremde aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet hätten dies dazu genutzt, „großflächig aufzutreten“. Das habe Konflikte mit denjenigen gegeben, die sich ihr Grill-Picknick hätten zuvor genehmigen lassen.

Künftig nur noch an fest installierten Grills grillen

Mit der neuen Ordnung soll künftig Grillen nur noch an den ausgewiesenen Flächen an den fest installierten Grills möglich sein. In Münsters Zentrum gibt es drei solcher Stationen, in Altheim vier. Um auf die neue Situation hinzuweisen, soll auch die Information darüber aktualisiert und angepasst werden. Denn wenn die neue Satzung verabschiedet ist, wolle die Verwaltung für die kommende Saison 2012 auch gleich zu Beginn mit Kontrollen auf die Einhaltung der Neuerungen dringen, sagte Blank.

Elke Müller machte für die SPD im Ausschuss klar, dass ihrer Partei eine generelle Untersagung privater Grills zu weit gehe. Die vorhandenen Kochstellen reichten einfach nicht aus. Wer zuvor ein Grillen im Freizeitzentrum anmelde, solle auch mit privatem Equipment anrücken dürfen. Unterbinden müsse man freilich unangemeldete Brutzler, die sonst wieder schnell zu überfüllten Plätzen und den ungewollten Negativauswüchsen führten.

Dieser Argumentation folgte auch Sozialdemokratin Hülya Lehr, die auch für den Ausländerbeirat sprach. „Es gibt in Münster rund 1 500 Mitbürger, die dem Islam angehören. Viele von ihnen würden auch gern grillen, können aber aus religiösen Gründen die Gemeinde-Stationen nicht nutzen.“ Denn wenn einmal Schweinefleisch auf einem fest installierten Rost gelegen habe, sei der nicht mehr koscher. Beim Mitbringen eigener Grillanlagen hätten Moslems hingegen keine solcher Probleme.

Der Argumentation schloss sich auch die Alternative Liste Münster und Altheim (ALMA) inhaltlich an. Man wolle den Besuch der Freizeitzentren schließlich nicht völlig eindämmen, sondern die Nutzung in geregelte Bahnen lenken, befand Dr. Karlheinz Schaub. Er fragte auch rhetorisch, nach welchen Kriterien man überhaupt die Zahl der Nutzer einzudämmen gedächte.

Appell an „gesunden Menschenverstand“

„Die Leute sollen sich an die Spielregeln halten“, befanden gleich mehrere Redner der Union. Und wenn sich eben alle dran halten müssten, dass es nur drei (oder vier) Grillstationen gebe, dann reduziere sich auch der Andrang von ganz allein. Erna Roßkopf erinnerte daran, dass Münsters Steuerzahler schließlich die Freizeitzentren finanzierten, und appellierte im Ausschuss an den „gesunden Menschenverstand“.

Letzterem wollte Rainer Bulang von der SPD mehr Platz einräumen. Es gehe bei den beklagten Missständen in den Freizeitzentren längst nicht nur ums Grillen oder eine schwer verständliche Ausschilderung der Benutzungsordnung: „Ein Hauptproblem besteht in Altheim beispielsweise im wilden Parken.“ Komme der Ordnungshüter etwa um 15 Uhr an einem schönen Samstagnachmittag an diesen Treff, habe er kaum mehr die Chance, im Gewühl die 30 bis 40 Autolenker ausfindig zu machen, die falsch auf angrenzenden Feld-, Wald- und Wiesenwegen parkten. „Insgesamt muss Ordnung geschaffen werden“, befand der Sozialdemokrat, dem die Satzungsänderung in der vorliegenden Art zu unausgegoren schien, das Problem in den Griff zu bekommen.

Quelle: op-online.de

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