Museum für Moderne Kunst

Aus eins mach drei

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Tischgesellschaft: Commerz Real-Vorstand Roland Holschuh, der Geschäftsführer von Tishman Speyer Deutschland, Florian Reiff, Kulturdezernent Felix Semmelroth, Museumsdirektorin Susanne Gaensheimer und der Mäzen Stefan Quandt (v.l.n.r.) stehen im MMK2 hinter dem Werk „Tischgesellschaft“ von Katharina Fritsch.

Frankfurt - Das Frankfurter Museum für Moderne Kunst (MMK) hat künftig drei Standorte. Das neue Haus kostet die Stadt keinen Cent: Ausschließlich private Geldgeber finanzieren das „MMK 2“ im Bankenviertel. Von Eugen El

Die Freude ist an diesem Donnerstagvormittag allen Beteiligten anzusehen. Susanne Gaensheimer, Direktorin des Museums für Moderne Kunst (MMK), bekommt nun fast 2000 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche für die famose Sammlung ihres Museums. Felix Semmelroth (CDU) kann sich als Kulturdezernent der Stadt Frankfurt darüber freuen, dass das MMK 2, die neue Dependance des MMK im zwischen Bahnhofsviertel und Bankenviertel gelegenen Taunusturm, komplett aus privaten Mitteln finanziert wird. Der Unternehmer Stefan Quandt, die Ernst Max von Grunelius-Stiftung, die Helaba, die DekaBank sowie weitere Geldgeber stellen den Betrieb des MMK 2 über einen Zeitraum von zehn Jahren sicher. Schließlich freuen sich die Vertreter des Immobilienentwicklers Tishman Speyer und der Commerzbank-Tochter Commerz Real über den hochkarätigen, wenn auch „eigensinnigen“ Mieter. Die beiden Firmen stellen dem Museum die Räume im Taunusturm für 15 Jahre miet- und nebenkostenfrei zur Verfügung.

Das Projekt MMK 2 ist ein Wagnis. Nicht nur ist ein solches Engagement der Privatwirtschaft in der Kulturfinanzierung deutschlandweit ziemlich einzigartig. Bedenkt man, wie sehr die Städte im Kulturbereich sparen, könnte man gar von einem möglichen Zukunftsmodell sprechen. Auch mit der Nutzung einer ursprünglich für Büros geplanten Hochhausetage betritt das MMK Neuland. Die Decken der im zweiten Obergeschoss des Taunusturms angesiedelten Räume sind ausreichend hoch, da Technik und Klimaanlage in die Seitenwände eingebaut wurde. Direktes Neonlicht und offenliegende Rohbauwände sorgen für eine raue Anmutung der Ausstellungsräume.

Dass im MMK 2 auch Kunst gezeigt wird, tritt angesichts der spektakulären städtebaulichen und kulturpolitischen Dimension des Projekts fast in den Hintergrund. Die neue MMK-Dependance wird ausschließlich aus der Museumssammlung bestückte Wechselausstellungen zeigen. Den Auftakt macht „Boom She Boom“, eine Präsentation weiblicher Positionen aus der MMK-Sammlung. Die kuratorische Entscheidung, nur Werke von Frauen auszustellen, mag auf den ersten Blick willkürlich erscheinen. Dennoch ist es erstaunlich zu sehen, welche künstlerische Kraft und Vielfalt Künstlerinnen in den letzten Jahrzehnten entfalten konnten.

„Boom She Boom“ versammelt alle denkbaren Medien von Malerei, Bildhauerei, über Fotografie und Video, bis hin zu Installation und Performance. Klassiker der Sammlung sind ebenso anzutreffen wie junge Neuzugänge. So meint man beim Betreten des Museums, einen Warhol-Siebdruck vor sich zu haben, um dann erst festzustellen, dass es sich dabei um ein Werk der 2014 verstorbenen, radikalen Konzeptkünstlerin Elaine Sturtevant handelt. Neu in der Sammlung ist eine Installation der Städelabsolventin Anne Imhof, die sich zur Zeit als Musikerin und Performancekünstlerin einen Namen macht.

Einigen bei früheren MMK-Ausstellungen vertretenen Positionen begegnet man ebenfalls, so zum Beispiel der in Frankfurt lebenden Künstlerin Andrea Büttner oder der US-amerikanischen Fotografin Taryn Simon. Überhaupt nimmt die Fotografie einen wichtigen Teil in der Präsentation ein. Besonders eindrücklich sind dabei die Reportagen der dieses Jahr in Afghanistan ermordeten Fotojournalistin Anja Niedringhaus. Es sind dramatische Dokumente der Kriege in Irak und Afghanistan.

Man kann sich kaum vorstellen, dass Frauen im Kunstbetrieb von nicht allzu langer Zeit noch systematisch benachteiligt wurden. Nun gehört Künstlerinnen, so der frühere MMK-Direktor Jean-Christophe Ammann, das 21. Jahrhundert. Insofern setzt Susanne Gaensheimer mit der ersten Ausstellung im MMK 2 ein Zeichen. Die neue Dependance ihres Museums könnte sich in vielerlei Hinsicht als zukunftsweisend herausstellen.

An diesem Sonntag, 19. Oktober, lädt das MMK 2, Taunustor 1, von 14 bis 18 Uhr zum „Open House“. Der Eintritt in alle drei MMK-Standorte ist an diesem Nachmittag frei. Die Schau „Boom She Boom“ ist bis 14. Juni 2015 zu sehen.

Quelle: op-online.de

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