Aktuelle Kunst und betagte Kultobjekte

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Stelen aus Äthiopien in den renovierten Ausstellungsräumen

Frankfurt - „Feldforschung ist eine Reflexion darüber, wer du bist und woher du kommst“, definiert die nigerianische Künstlerin Otobong Nkanga ihre Reise zu afrikanischen Kultobjekten und Waffen im wieder eröffneten Frankfurter Museum der Weltkulturen. Von Reinhold Gries

Bayrles Auto-Falle

Viele Waffen und Kultgeräte, die sie als eine von sieben „Artists in Residence“ künstlerisch verarbeitet hat, waren auch ihr abhanden gekommen: „Die jungen Leute in Afrika lernen nichts über diese Objekte. Ich will sie zurückholen, Erzählungen über diese Artefakte vermitteln und sie in Erinnerung bringen“.
An Plakaten und gewebten Textilarbeiten ist ihr das in Synthese aus westafrikanischen Fancy Prints und ostafrikanischen Kangas spektakulär gelungen. Auch in ihren Assemblagen zu massivem Metallschmuck, furchterregenden Wurfeisen und westafrikanischen Feldhacken davor.

Eine direkte Beziehung zu Afrika hat auch der ehemalige Offenbacher Werkkunstschüler und Frankfurter Städel-Professor Thomas Bayrle, denn sein Vater Alf Bayrle war in den 1930er Jahren als offizieller Maler und Fotograf auf Expeditionen dabei. Erstmals werden die damals nach Frankfurt gebrachten phallischen Steinstelen und Holzpfosten mit den wundervollen Zeichnungen und Fotografien zusammengeführt, die Alf Bayrle 1934 in Äthiopien festhielt.
Thomas Bayrle befasste sich dazu mit fein gewebten Fischreusen aus Indonesien und Neuguinea und ließ sich davon zur Skulptur „Falle für dumme Autos“ anregen, gefertigt aus gewebten Kartonstreifen in Form einer überdimensionierten Handtasche. Die Frau des Frankfurter Künstlers, Helke Bayrle, hat mit Städel-Schülerin Sunah Choi das Video „Von Hand“ produziert. Ohne Ton zeigt es in ruhigen Aufnahmen figurative Details von 130 Weltkulturen-Objekten des Museums.

Raumgreifenden Wandillustrationen

Persönliche Klärung versuchen auch Simon Poppers Räume. Er hat sich vor allem mit historischen Museums-Inventarkarten befasst, deren Originale im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Die vorzüglichen Zeichnungen und Aquarellen der weit ins 19. Jahrhundert zurückgehenden Karten deutet er in raumgreifenden Wandillustrationen neu aus.

„Objekt Atlas – Feldforschung im Museum“ bis 16. September im Museum der Weltkulturen Frankfurt, Schaumainkai 29-34.Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr

Der Mythos lebt auch in Antje Majewskis Öl- und Acrylgemälden auf Holz und Leinwand. In meditativer Weise nähert sich ihre Malerei formalen wie spirituellen Welten zeremonieller Steine aus Neuguinea und Kanada. In den Räumen daneben zieht Marc Camille Chaimowicz´ Installation „The Frankfurt Suite“ die Blicke auf sich. Ausgesuchten Hüten, Nackenstützen und Gürteln aus Afrika stellt er sechzehn mit Schablondruck und Stoff ornamentierte Holzpaneele gegenüber, basierend auf floralen Elementen indonesischer wie samoanischer Volkskunst. Deren Blumensprache reflektiert er auch in Assemblagen zum Amazonas und einem Tisch mit Samoa-Kränzen.

Quelle: op-online.de

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