Erfolgs-Musical „Cats“

Webbers Katzen in freier Wildbahn

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Ein Gedichtband von T.S. Eliot lieferte die Vorlage für Andrew Lloyd Webbers Musical, das zu den bekanntesten der Welt zählt.

Frankfurt/München - Auf diese gelben Augen war ich ein ganzes Schuljahr neidisch. Ende der 1980er Jahre in der zweiten Klasse. Meine Freundin Kirsten kam an einem Montag mit diesem überragenden schwarzen T-Shirt mit gelben Katzenaugen auf dem Rücken zurück. Von Kathrin Rosendorff

„Das ist von ‚Cats’. Da war ich mit meinem Papa in Hamburg. Wenn ich groß bin, werde ich als singende Katze arbeiten“, sagte sie entschlossen. Dann krächzte sie mit dem Gesangstalent unserer Fußball-Nationalmannschaft das bekannteste Lied des Kult-Musicals „Memory“, das Angelika Milster in Deutschland berühmt machte und das der kanadische Popstar Michael Bublé bei „Wetten, dass. . . ?“ auf Deutsch zu singen versuchte. Klang zwar eher Spanisch, aber egal.

Kirsten erzählte eine Woche lang von singenden und tanzenden Katzen in hautengen Bodys, die sich auch gern aneinander kuschelten. „Jede sieht anders aus. Und jede hat eine andere Geschichte. Sie treffen sich immer auf dem Schrottplatz. Aber die eine ist immer ganz traurig, weil die anderen sie nicht dabei haben wollen. Am Ende darf sie in den Katzenhimmel.“

Geschichte von „Cats“

Und damit hatte sie fast schon die ganze Geschichte von „Cats“, dem weltweiten Erfolgsmusical von Andrew Lloyd Webber, zusammengefasst. Jetzt sind die Katzen wieder da. Auf Deutschland-Tour. Vom 7. April bis 9. Mai gastiert das Stück in Frankfurt. Das Besondere: Zum ersten Mal kann man das Musical im Zelt und auf einer Rundbühne sehen. Das gab es seit der Londoner Originalproduktion von 1981 nicht mehr. Fünf Tage dauert der Aufbau, 65 Lastwagen transportieren die nötige Technik, Bühne und Darsteller.

„Bis zu 1750 Leute passen ins Zelt. Und egal, wo man sitzt, man ist nie mehr als 25 Meter weg von der Bühne“, erzählt Stage Manager Juan Escandell vor der Aufführung in München. „Choreografie, Lieder, Kostüme und Perücken. Alles ist gleich geblieben. Das macht auch das Erfolgsgeheimnis aus“, betont er. Aber dieses Mittendrin-Gefühl kann auch Schreckmomente zur Folge zu haben. „Manchmal gibt es laute Schreie im Saal, weil eine Katze plötzlich und unerwartet hinter einem Zuschauer auftaucht“, sagt Escandell und lacht. Das Orchester sitzt hingegen fernab in einem Container. „Die Musiker auf der Bühne passen nicht in die Katzenwelt.“

Anekdoten und Mythen

Für den Spanier ist es schon die vierte „Cats“-Produktion, die er verantwortet. Entsprechend viele Anekdoten und Mythen hat er parat. So sollen Komponist Webber und Regisseur Trevor Nunn im Pub bei „etwas zu viel Bier“ zusammengesessen haben, als sie darüber nachdachten aus T.S. Eliots Gedichtband „Old Possum’s Book of Practical Cats“ (1939) ein Musical zu machen. „Auf Zigarettenschachteln haben sie die Idee niedergekritzelt.“

Mittlerweile tanzen sich die ersten Katzen-Darsteller, die alle auf Deutsch singen, noch ungeschminkt und in flauschigen Ugg-Boots auf der leicht schrägen Bühne ein. „Für den Musical-Nachwuchs ist ‚Cats’ immer noch das Ding. Von 1 000 Bewerbern schaffen es aber gerade mal sechs“, so der Stage Manager. Denn „Cats“ sei eines der schwierigsten Musical-Stücke. „Die Darsteller stehen eigentlich dauernd auf der Bühne. Also müssen sie so fit sein wie ein Profifußballer und haben leider auch ebenso so viele Verletzungen.“ Bänderrisse seien nicht selten. „Aber wenn sie sich während des Stücks verletzen, versuchen sie noch bis zur Treppe zurück zu tanzen. Damit nicht die Stimmung für die Zuschauer verdorben wird.“ Die Tänze sind eine Mischung aus Jazz und Ballett und fast akrobatisch. Die Katzenmenschen verbiegen sich oder schlagen Rad, so dass man sich zwischendrin fühlt wie bei einer Turn-Weltmeisterschaft. „Die schwierigste Rolle ist die von Mr. Mistoffelees. Vier Minuten lang dreht er eine Pirouette nach der anderen.“

Darsteller müssen mehrere Rollen beherrschen

Die Darsteller müssen mehrere Rollen beherrschen. „Manche können sogar drei bis vier Hauptrollen spielen.“ Und jede Katze muss aus Zeitgründen lernen sich selbst zu schminken. „Das dauert anderthalb Stunden. Eine Ersatz-Katze muss sich sogar in zehn Minuten schminken können.“ Für Darsteller Shane Dickson ist das kein Problem. Er erklärt nach der Vorstellung, worum es bei „Cats“ eigentlich geht. „Es ist ein sehr sinnliches Stück. Unsere Choreografin hat uns immer gesagt: Die Zuschauer sollen aus dem Stück gehen und dann so inspiriert sein, dass sie den besten Sex ihres Lebens haben.“

„Cats“ gastiert vom 7. April bis 9. Mai auf der Mainzer Landstraße/Ecke Güterplatz. Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Quelle: op-online.de

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