Hanauer Grimm-Festspiele

Füchse auf dem Seil

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Im Kampf mit den Menschen: Der Zwergenkönig (Karsten Kenzel) im Hanauer Musical „Schneeweißchen und Rosenrot“.

Hanau - Füchse, Hasen und Raben, die als singende Handpuppen auf der Wäscheleine tanzen. Taugt sowas fürs Musical, zumal auf großer Freilichtbühne? Es taugt. Von Christian Spindler

Und es ist der originellste Regieeinfall im Musical „Schneeweißchen und Rosenrot“, mit dem nun die 29. Brüder-Grimm-Märchenfestspiele im Hanauer Amphitheater eröffnet wurden.

Eine Inszenierung (Buch: Dieter Gring, Regie: Marc Urquhart) die etliche Stärken, aber auch deutliche Schwächen hat. Zu den starken Szenen gehört neben den köstlichen Handpuppen-Einlagen eine lustige Tango-Choreografie und vor allem das Gesangssolo von Hartmut Schröder als gebrochenem König. Das ist wahrhaft anrührend. Und da sind die herrlichen Kostüme (Ulla Röhrs), seit langem ein Markenzeichen des Festivals.

Das Märchen von den beiden bezaubernden Schwestern Schneeweißchen (Jessica Rühle) und Rosenrot (Carina Böhmer), die den bösen Zwerg mit seinem eingeklemmten Bart aus misslichen Lagen befreien, wurde von Dieter Gring erweitert. Es gibt nicht nur einen zum Bären verwandelten Prinzen (Matthias Graf); auch dessen Bruder (Robert Schmelcher) wird verwandelt: in einen Adler. Und der garstige Zwerg Albin (stark: Alexander Martin) ist Teil eines ganzen Unterwelt-Zwergenreichs mit einem üblen Herrscher (Karsten Kenzel), der mit dem gierigen Menschenkönig in einem erbitterten Kampf liegt. Es geht, man ahnt es, um Macht, Gold, Geld. Am Ende siegt freilich das Gute. Gefühle statt Mammon. Wir sind schließlich im Märchen.

„Schneeweißchen und Rosenrot“ kommt meist spannend daher, bisweilen heiter, stellenweise ergreifend. Aber es gibt Längen und Brüche. Das liegt auch an den Kompositionen von Friedrich Rau, der erstmals ein großes Werk abgeliefert hat - und offenbar zuviel wollte. Die Melodien, zu denen Edith Jeske feine Texte geschrieben hat, haben zu oft narrativen Charakter. Man wünschte sich manches auskomponiert und auch mal Songs, die für sich stehen.

Mag das Thema von „Schneeweißchen und Rosenrot“ musikalisch eingängig sein - eine Melodie, die man auch auf dem Nachhauseweg noch im Ohr hat, sucht man vergebens. Außerdem wirkt das Ende des Märchens zerfasert, zumal sich die Läuterung des bösen Albin allzu abrupt vollzieht, um wirklich zu überzeugen.

Durchweg Lob verdienen die gesanglichen Leistungen der 13 Darsteller, die auf einer Bühne (Haitgen M. Böker) agieren, die selten bei den Hanauer Festspielen so stark stilisiert war.

Kurzum: „Schneeweißchen und Rosenrot“ ist gute Unterhaltung, großen Glanz versprüht das Festspiel-Musical aber nicht.

Die Brüder-Grimm-Märchenfestspiele dauern bis 21. Juli. Die weiteren Stücke: „Tischlein deck dich“ (ab 25. Mai), „König Drosselbart“ (ab 7. Juni) und Swanhwita (ab 21. Juni).

Quelle: op-online.de

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