Musik aus einer Zeitenwende

Eine musikhistorische Zeitenwende stand hinter dem Orgelkonzert mit Olaf Joksch in der Offenbacher Kirche St. Paul. Einige von Bachs Schülern gehörten zu den Vertretern des „neuen Gusto“, die ihre Werke in der Leipziger Presse annoncierten. Man bezog sich zwar auf den Lehrmeister, bekundete indes zugleich die Abwendung von dem als „Papiermusik“ gegeißelten Kontrapunkt.

Zu den führenden Vertretern der Vorklassik gehörte der sich für ein Gleichgewicht von Logik und Empfindung einsetzende Bach-Sohn Carl Philip Emanuel. Seine Sonate in A-Dur lässt das Ideal eines homophonen, melodiebetonten Satzes und ein vom Klavier bestimmtes Denken erkennen. Ein ausgesprochener Klavierkomponist war der mit einer Fantasie in g-Moll vertretene Johann Gottfried Müthel. Bachs letzter Schüler stand in seinen unruhigen, verschatteten Kompositionen dem Sturm und Drang nahe. Die Werke des Dresdner Kreuzkantors Gottfried August Homilius muten im Vergleich bachnäher an.

Einen Sonderfall stellt in diesem Zusammenhang das Werk von Bachs über neun Jahre hinweg eng verbundenem Lieblingsschüler Johann Ludwig Krebs dar. Stücke wie die um das Jahr 1763 beendeten sechs Sanata da camera sind der neuen Kompositionsweise zuzuordnen. Sein Orgelwerk freilich ist noch mehr der Polyphonie zugewandt.

Für Johann Sebastian Bach selbst war die Orgel zeitlebens das zentrale Instrument. Das Kleine harmonische Labyrinth BWV 591 und das Pedal-Exercitium BWV 598 sind Belege eines formal denkenden experimentellen Geistes, der den Rahmen eines sakralen Zusammenhangs sprengte. Konzeptionell wie auch in der zupackend lebendigen, historische Erkenntnisse berücksichtigenden Spielweise war dieses Konzert bezwingend famos. S. MICHALZIK

Quelle: op-online.de

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