Muskelkater der Mundwinkel

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Die Comedians Rick Kavanian (links) und Michael Mittermeier posieren beim Deutschen Comedy Preis 2009 in Köln.

Es ist eine bunte Truppe, die Rick Kavanian nach „Ipanema“ begleitet: Freund Dimitri, der Silben verdrehende Zeitgenosse aus Hellas („Ich bin ein sehr sorgfürlicher Mensch, aber wer ist diese fremdwilde Frau?“), Motorrad-Fan und Kirchenabgesandter Girgl, ein sächsischer Tierpfleger, Captain Klinsmann, Vater Kavanian und die Klitschko-Brüder. Von Maren Cornils

Sie heben im neuen Bühnenprogramm, zweimal in der ausverkauften Frankfurter „Käs“, in Richtung Zuckerhut ab. Und mit ihnen die Zuschauer, die von der ersten Minute an mitlachen. Der Komiker, der mit seinem ersten Soloprogramm „Kosmopolit“ auch ohne Michael „Bully“ Herbig große Säle zum Toben brachte, zeigt, dass er die besten Gags spontan aus dem Ärmel schüttelt. Von seinem Talent, jeden Dialekt oder Akzent so wiederzugeben, dass sich das Publikum vor Lachen windet, zu schweigen.

So treten ein britischer Translator, ein indischer Taxifahrer, ein Wiener Skandalexperte und Botox-Spezialist Dr. Kawa shishi auf. Letzterem gelingt es, seinen Darsteller völlig aus dem Konzept zu bringen: Vier Anläufe braucht der, bis er sich gefangen hat; einer von vielen Momenten, in denen der Münchener beweist, dass Kabarett am meisten Spaß macht, wenn derjenige, der auf der Bühne steht, selbst Lust hat und locker mit dem Publikum improvisiert: „Wenn die Pointe fehlt, frag die Gäste!“ Und das fast drei Stunden lang!

Beeindruckende Ein-Mann-Schau

Gesungen wird auch an dem unterhaltsamen Abend. Wladimir und Vitali geben den Bratmaxe-Song zum Besten. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zeigt, wie man seiner Angebeteten ein Ständchen bringt. Puff Daddy und Fifty Cent demonstrieren, wie die SPD mit coolem Hip-Hop eine neue Zielgruppe erobern könnte: „SPD Is The Place To Be. SPD Is You And Me!“ Dazwischen erfahren die Zuhörer, wo genau Macadamia liegt, was ein Hon-Passagier ist („Hauptsache ohne Niveau“), wozu sich ein Gummihandschuh zweckentfremden lässt, warum man „Iberia“ prima als Schimpfwort missbrauchen kann und wie sich eine Katze mit Tourette-Syndrom anhört.

„Ipanema“ ist eine beeindruckende Ein-Mann-Schau im XXL-Format, bei der ein bestens aufgelegter Kavanian ohne Ermüdungserscheinungen Persönlichkeiten aus Politik und Showgeschäft aus dem Hut zaubert und trotz steter Rollenwechsel nie den Überblick verliert. Ein unangestrengter Spaß, den das Publikum mit mächtigem Muskelkater in den Mundwinkeln verlässt!

Quelle: op-online.de

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