Muskelmann aus der Antike

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Herakles entdeckt den feigen König Eurystheus im Tonfass auf einem griechischen Gefäß des 5. Jahrhunderts vor Christus .

Der muskelbepackte Herakles – römisch Herkules – ist der am häufigsten dargestellte Held der Antike: von kräftiger Gestalt, mit Keule und Löwenfell, Vorbild an Durchsetzungswillen, Ausdauer und Kraft. Ein Superstar. Von Reinhold Gries

Doch die Sehnsucht nach dem starken Mann vernebelt die Schattenseiten, nachzulesen von Homer über Dürrenmatt bis Walter Jens, zu studieren in einer fein arrangierten Schau im Aschaffenburger Pompejanum. Staatliche Antikensammlung und Glyptothek haben dazu aus München Originale geschickt.

Empfangen von einer Kopie des Herakles-Kolossalkopfs von 320 nach Christus und der bogenschießenden Ganzkörperskulptur des Aphaia-Tempels in Ägina, geht es ins Cubiculum. Dort werden Abenteuer des von Göttervater Zeus mit Menschenfrau Alkmene gezeugten Wunderwesens in griechischen Vasenmalereien, römischen und etruskischen Bronzefiguren und alten Münzen aufgeblättert, fast wie in im Comic. Es beginnt mit der sieben Tage dauernden Geburt von Baby Herakles, in der Wiege die von Göttermutter Hera geschickten Schlangen erwürgend. Der Kraftüberschuss zeitigt in der Pubertät schlimme Folgen, als er seinen Lehrer Linos erschlägt, da er sich zu Unrecht getadelt fühlt ...

Für die Kehrseite, Wahnsinn und Frevel, hatte Hera gesorgt. Diese treiben ihn dazu, seine mit Prinzessin Megara gezeugten Kinder zur ermorden. Herakles verliert jegliches Heimatrecht und wird vom Orakel von Delphi verdammt, König Eurystheus zu dienen. Dieser denkt sich mit sadistischer Fantasie zwölf lebensgefährliche Aufträge aus, um den Konkurrenten loszuwerden. Aber Herakles möchte in den Götterhimmel aufgenommen werden und geht die Bewährungsproben forsch an: Ein ziselierter Bronzespiegel zeigt, wie er den Löwen von Nemea mit bloßen Händen erwürgt; eine Bronzespange erzählt, wie er die vielköpfige Hydra tötet und eine Riesenkrabbe zertritt.

Dann schultert er einen Eber und trägt ihn zum Palast des Eurystheus. Eine Vase aus dem 5. Jahrhundert vor Christus zeigt die witzige Szene, bei der sich der über Herakles’ Kraft entsetzte König im Tonfass versteckt. Dann sieht man Supermann bei der Jagd nach der Hirschkuh, der Ausrottung schrecklicher Sumpfvögel, der Ausmistung des verschmutzten Augiasstalls, der Bändigung des Kretischen Stiers, im Kampf mit kriegerischen Amazonen.

„Herakles – Herkules“ im Pompejanum Aschaffenburg, bis 11. Oktober Dienstag bis Sonntag, 9 bis 18 Uhr

Herakles erlöst die Menschen von dem, was die Zivilisation gefährdet. Kampf mit Höllenhund Kerberos und Gewinn der Hesperiden-Äpfel bleiben nutzlos. Der auf Ton gemalte Ägypterkönig Busiris, den Herkules erschlägt, um ihn an Menschenopfern zu hindern, hat nie existiert. Ob er einen Riesen erdrückt, den angeketteten Prometheus befreit, am Trojanischen Krieg teilnimmt oder mit Apoll streitet: Man darf den Mythos nicht zu eng sehen. Immerhin, nach Liebesabenteuern und Kampf gegen Giganten bleibt die Weltordnung gewahrt, der Held fährt in den Olymp auf.

Quelle: op-online.de

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