Nach dem Fortschritt

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Kontinuität und Wachstum: Seit Oliver Reese das Schauspiel leitet, hat sich die Zahl der Abonnenten nahezu verdoppelt.

Frankfurt - Zur Goethe-Woche und zum Start in die Theatersaison 2012/13 bringt das Schauspiel Frankfurt einen „Faust“-Reigen auf die Bühne. Von Carsten Müller

Im Mittelpunkt Stefan Puchers und Benedikt von Peters Neudeutungen der beiden Teile der Fortschrittstragödie, die fünf Wochen lang en suite zu sehen sein werden, wie Intendant Oliver Reese anlässlich der Spielplan-Vorstellung im Haus am Willy-Brandt-Platz ankündigte, das in der laufenden Spielzeit eine Auslastung von 86,3 Prozent erreichte.

Flankiert wird der Goethe-Schwerpunkt von Elfriede Jelineks Sekundärdrama „Faust In and Out“, als Nachtstück inszeniert von Burg-Schauspielerin Julia von Sell, dem Puppentheater „Doktor Faustus“ von Christopher Marlowe (Regie: Moritz Sostmann) sowie einem umfangreichen Begleitprogramm für Schüler und unter anderem der Gesprächsreihe „Nach dem Fortschritt“.

Aber auch Dramen Faustischen Zuschnitts stehen auf dem Programm, etwa Zuckmayers „Teufels General“ (Regie: Christoph Mehler), Bulgakows „Der Meister und Margarita“ (Regie: Markus Bothe, Musik: Get Well Soon). Die Folgen der Krise seziert David Mamets „Hanglage Meerblick“ (Regie: Robert Schuster), in dem sich Immobilienmakler einen existenziellen Wettkampf liefern. Identitätsklau ist das Thema in Patricia Highsmiths „Der talentierte Mr. Ripley“ in der Deutung von Bastian Kraft. Ödön von Horvaths „Karimir und Karoline“ (Regie: Christoph Mehler) hinterfragt die Liebe in Krisenzeiten. Büchners „Woyzeck“-Fragment nimmt sich Christopher Rüping zur Brust, einer der jungen Regisseure, die Reese in Frankfurt groß machen will. Ebenfalls in Gießen studierte das Regie-Duo Auftrag/Lorey, das in „Bouncing in Bavaria“ Erinnerung mit theatralen Mitteln erforscht. Die gefeierte Regisseurin Andrea Breth gibt mit Shakespeares „Othello“ ihr Frankfurt-Debüt, Andreas Kriegenburg besorgt Regie und Bühne zu Tschechows „Die Möwe“, Michael Thalheimer inszeniert Falladas „Kleiner Mann, was nun“.

Insgesamt zwölf Uraufführungen

Zu den insgesamt zwölf Uraufführungen gehört Dennis Kellys „Die Opferung“ (Regie: Christoph Mehler), das die Vergeblichkeit moralischen Handelns beschreibt. Den Zwang zur Selbstverwirklichung untersucht „X-Freunde“ von Felicia Zeller in der Regie von Bettina Bruinier. Oliver Kluck und Kevin Rittberger schreiben zurzeit noch an politisch grundierten Texten, die in Frankfurt uraufgeführt werden. Moritz Rinke meldet sich nach sieben Jahren Pause mit der Komödie „Wir lieben und wissen nichts“ zurück, die Frankfurt-Bezüge hat und von Oliver Reese inszeniert wird.

Da das Bockenheimer Depot umgebaut wird, bringt Florian Fiedler Judith Schalanskys „Der Hals Der Giraffe“ im Senckenberg-Museum zur Uraufführung. Bernhard Mikeska sucht für sein neues Projekt „Marilyn“ noch nach einem Ort.

Junges Publikum soll Otfried Preußlers „Krabat“ (Regie Karin Drechsel) locken. Mit den „Swing Kids“ der NS-Zeit befasst sich das Projekt des Jugendclubs, der die Geschichte einer nicht vollständig angepassten Jugend auch in Frankfurt mit Zeitzeugen und Dokumenten aufarbeiten will. Auch in Marieluise Fleißers „Fegefeuer in Ingolstadt“ (Regie Constanze Becker) geht es um Außenseiter Zu Ehren des Frankfurter Satirikers F. K. Waechter bringt Lily Sykes das Familienstück „Kiebich und Dutz“ auf die Bühne. Die Box bleibt Plattform für den Regienachwuchs und Projekte zu aktuellen Themen.

Das um Lisa Stiegler (Schauspiel-Studio), Vincent Glander (Schauspielhaus Wien) und Nico Holonics (Münchner Kammerspiele) ergänzte Ensemble stemmt neben den etwa 30 Premieren ebensoviele Wiederaufnahmen bei insgesamt rund 700 Aufführungen.

Quelle: op-online.de

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