Nachhall einer Tanz-Epoche

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Szene aus „Puzzle“

Mainz - „Related“ heißt der erste Ballettabend des neuen Leiters der Mainzer Staatstheater-Compagnie, Pascal Touzeau, dessen im Großen Haus uraufgeführtes „Puzzle“ zum Finale die gesamte neue Balletttruppe des Hauses vorstellt und die Zeit seines gefeierten Vorgängers Martin Schläpfer zu überwinden versucht. Von Eberhard Mittwich

Einzelne Tänzer, einheitlich schwarz gekleidet, tauchen hin und wieder in eine Art von Unterwelt ein, indem sie auf der Bühne an mehreren Stellen versinken und nach oben gefahren werden oder in den leeren Orchestergraben über eine Treppe absteigen und von dort wieder die Bühne betreten. All das zum Konzert für Violincello und Orchester des lettischen Komponisten Peteris Vask, vom Band gespielt, und beendet durch den herunterfahrenden Beleuchtungshimmel, unter dem sich die letzten oberirdisch verbliebenen Tänzer wegducken.

William Forsythe kann wohl als der Ziehvater der neuen Mainzer Truppe gelten. Nicht nur dass Pascal Touzeau fast ein Jahrzehnt bei ihm getanzt hat, Forsythe hat auch offenkundig den Tanzstil der Kompanie geprägt. Es erscheint somit folgerichtig, dass sein früherer Tänzer Jacopo Godani in Mainz als künstlerischer Mitarbeiter wirkt und sich mit einer eigenen nicht besonders überzeugenden Kreation „Aura – Anarchist Unit Related to Art“ zur Musik von „48nord“ vorstellen durfte, die den vermeintlichen Widerspruch zwischen klassischem und modernen Tanz jedenfalls nicht auflösen kann.

So sollte „Quintett“, das erste Stück des Eröffnungsprogramms, vom Meister Forsythe in seiner Frankfurter Zeit aus Anlass des Todes seiner Frau choreografiert und ausgestattet als Klassiker der Moderne die neue Mainzer Ära einleiten. Fünf Tänzer, zwei Frauen und drei Männer, tanzen auf einer nur durch einen voluminösen Projektor und mit einer Hintergrundwand ausgestatteten Bühne zur repetitiven Musik von Gavin Bryars in einer nie abreißenden Kette von Duetten, Trios und Soli, bis eine Himmelsprojektion das Ende des Stücks (und des irdischen Daseins?) einleitet.

Sicher war diese wunderbare Reminiszenz an eine große Epoche der Tanzkunst im Rhein-Main-Raum ergreifend, auch wenn sie von den heutigen Tänzern nur erahnt und technisch nachgespielt werden kann. Ob sie zukunftweisend war, müssen die nächsten Premieren zeigen.

Weitere Aufführungen am 30. November sowie am 2., 4., 21. und 22. Dezember

Quelle: op-online.de

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