Gebabbel ums runde Leder

Wenn Henni Nachtsheim kommt, ist der Saal ausverkauft und die Stimmung lange vor Beginn der Veranstaltung bestens. Der frühere Rodgau-Monotones-Sänger und „Badesalz“-Komiker war beim Besuch in der Frankfurter „Käs“ freilich weder in Sachen Musik, noch als Comedian unterwegs. Von Maren Cornils

Mit „Den Schal enger schnallen und in die Ohren spucken“ versucht sich Nachtsheim mit einer Lesung. Nur, dass seine Lesung „garantiert ohne Lesen“ auskommt, denn mit Letzterem hat „Henni“ schlechte Erfahrungen gemacht, seit er sich erst mit einer Gute-Nacht-Geschichte zum Gespött Siebenjähriger machte, um dann auf dem Frankfurter Passamt für Erheiterung zu sorgen.

Um Fußball soll sich an diesem Abend alles drehen, Fachkenntnisse sind aber, das ist Nachtsheim wichtig, keine Voraussetzung. Und so erfährt das Publikum alles, aber auch wirklich alles überein Spiel der Frankfurter Eintracht gegen den VfB Stuttgart im Jahr 1973, wobei Nachtsheim nicht einmal davor zurückschreckt, minutenlang mit Leichenbittermiene das Durchschnittsalter der Bratwurstverkäufer an diesem Tag zu analysieren.

Von der schwerhörigen Großmutter über den Besuch eines fußballaffinen Engels bis hin zu Uwe Seelers „Hattrick“-Spot – es gibt kein Thema, das Nachtsheim nicht zu einem längeren pointenreichen Monolog bewegen würde, wobei er seine Zuschauer immer wieder mit überraschenden Be- und Erkenntnissen amüsiert. Warum Gott ein Hesse sein muss, wieso Nachtsheim bis heute Probleme mit dem Begriff „Rubbellos“ hat, was Uwe Seeler mit Hitchcocks „Die Vögel“ verbindet und warum das Altern für Profikiller ein besonderes Problem darstellt.

Auch wenn Nachtsheim beweist, dass er es solo genauso auf dem Kasten hat wie in Gesellschaft von Gerd Knebel, so ist der langjährige Freund und Wegbegleiter immer gegenwärtig. Für die Zuschauer ist diese „Lesung ohne Lesen“ in entspannter Wohnzimmeratmosphäre ein echter Glücksgriff: Obwohl es nie direkt um Fußball, indirekt aber immer um das runde Leder geht, kommt selbst bei Nicht-Fußballern keine Sekunde Langeweile auf. Ein kabarettistischer Volltreffer!

Quelle: op-online.de

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