Panorama-Lounge im Capitol

Wo Nesseln brennen und Lichtnelken aufblühen

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Offenbach - Das zarte Pflänzlein der Offenbacher Kultur trieb bunte Blüten. Bei der Panorama-Lounge im Capitol, Motto „Grün-Phonie“, sprossen „Helden des Vorgartens“. Von Markus Terharn

So war die viersätzige Auftragsarbeit betitelt, der die Neue Philharmonie Frankfurt mit Steven Lloyd-Gonzalez am Pult zu stark umjubelter Uraufführung verhalf. Die englische Bezeichnung „Plants on Stage“ war wörtlich zu verstehen: Tatsächlich waren Rose und Brennnessel auf der Bühne zugegen, während sich Rote Lichtnelke, da zurzeit nicht blühend, und Saguaro-Kaktus, weil zu groß, von Artverwandten vertreten lassen mussten. Alles andere als gefällig kam Patrik Bishays Brennnessel daher, deren dissonante Reibungen akustischen Juckreiz verursachten. Der Nelke hatte Graham Waterhouse ein virtuoses Klarinettensolo zugedacht, das bei Orchestermitglied Stefan Bartmann in besten flinken Fingern war. Herrlich, nicht ohne Dornen, entfaltete sich bei Jens Troester die Rose in schmelzender Melodik. Zum Abschluss entführte Frank Heckel in die mexikanische Wüste, wo er schwelgerischen Sonnenaufgang in temperamentvoller Fiesta gipfeln ließ.

Mit bewährtem Beethoven

Bis auf Waterhouse nahmen alle Komponisten ihren Beifall persönlich entgegen. Er schloss Loimi Brautmann und Ivan Robles Mendoza ein. Die kreativen Köpfe von der Hochschule für Gestaltung unterlegten die Klänge in Manier von Videojockeys mit bewegten Bildern. Das gibt’s so nur in Offenbach! Eingebettet war der Novitätenblock in Vertrautes. Aus Edvard Griegs sehr populärer „Peer-Gynt-Suite“ erklangen „Morgenstimmung“, das aus einer Bierreklame bekannte Lied Solveigs und die düstere, in die Filmmusik eingegangene „Halle des Bergkönigs“. Eine originäre Hollywood-Partitur, „The Green Island“ aus John Williams’ Tonspur zu „Jurassic Park“, beendete den ersten Teil triumphal.

Nach der Pause, mit bewährtem Beethoven, zeigten die Philharmoniker, welche Talente in ihnen stecken. Von Ralph Philipp Ziegler gewohnt geistreich und witzig anmoderiert, präsentierte die sechste Sinfonie Aspekte des naturnahen Lebens und die Empfindungen, die sie beim Betrachter/Zuhörer auslösen. Auf sattem Streicherteppich erhielten vor allem Oboe und Flöte, aber auch Klarinette, Fagott und Horn so manche Gelegenheit zu glänzen. Das ohrenfällige Trio Nachtigall/Wachtel/Kuckuck machte viel Spaß, das Gewitter fast Angst. Die Freude der Landleute nach dem Sturm teilte das Publikum vollauf.

Lena Meyer-Landrut im Capitol Offenbach

Lena Meyer-Landrut im Capitol Offenbach

Quelle: op-online.de

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