Museum für Angewandte Kunst vor dem Neuanfang

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Der Richard-Meier-Bau des Museums für Angewandte Kunst Frankfurt wird nun auch innen grundlegend saniert.

Frankfurt - Design spiegelt die fortwährende Veränderung der Welt. Diese Veränderung vollzieht sich immer rasanter, was letztlich auch ein auf Design und Angewandte Kunst spezialisiertes Museum zur Veränderung zwingt. Von Christian Riethmüller

Das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt hat seit dem 1. August dieses Jahres in Matthias Wagner K einen neuen Direktor, und unter dessen Führung wird das Haus am Museumsufer nun einer grundlegenden Neukonzeption unterzogen.

Wie Wagner K und der Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) am Donnerstag mitteilten, werden nach der weitgehend abgeschlossenen Sanierung der Außenfassade des markanten Museumsgebäudes nun auch die Innenräume des neomodernen, 1985 nach Plänen des amerikanischen Stararchitekten Richard Meier errichteten Museums saniert. Deshalb wird das Museum vom 3. Dezember bis zu seiner Neueröffnung am 26. April 2013 geschlossen.

Zum ursprünglichen Zustand zurück 

In dieser Zeit soll das Haus in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden - also in jenen lichtdurchfluteten und von Sichtachsen durchzogenen Bau mit der für Meier-Bauten typischen begehbaren Rampe. Da die Erfahrung in den vergangenen 27 Jahren gezeigt hatte, dass nahezu 70 Prozent des gewaltigen Sammlungsbstands von rund 65.000 Objekten lichtempfindlich sind, waren in den Innenräumen zahlreiche Einbauten sowie an den Fenstern Folien angebracht worden.

In Zusammenarbeit mit dem Architekten Thibaut de Ruyter hat das Museum nun ein neues Raum- und Präsentationskonzept entwickelt, das auf Vitrinen und Einbauten verzichtet und dafür mit einem flexiblen Wandsystem arbeitet. Die Hohlwände können beliebig ein- und ausgebaut werden und dienen mit variablen Öffnungen gleichzeitig auch als Vitrinen und Lichtschutz für die empfindlichen Objekte der Sammlung.

Wiedereröffnung mit zwölf sogenannten Themenmodulen

Diese Sammlung soll nach der Wiedereröffnung in zwölf sogenannten Themenmodulen präsentiert werden. Diese folgen nicht mehr gängigen Einteilungen nach Stilepochen, Sammlungsgebieten oder geographischer Herkunft. Unter Begriffen wie „Frankfurt“, „Ort“, „Jahr“, Herstellung“, „Wohnen“, oder „Mode/Körper“ will Wagner K den „Exponaten ihre Geschichte(n) entlocken“ und „ein radikale Abkehr von einer Fetischisierung der Objekte.“ Das neue Konzept der temporären Einheiten ermögliche außerdem eine stärkere Fluktuation der Objekte. So könne ein größerer Teil der Sammlung gezeigt werden.

Matthias Wagner K, Chef des Museums für Angewandte Kunst.

Mindestens fünf der Themenmodule sollen zur Wiedereröffnung im Frühjahr fertig sein. Auch ein Museumsshop soll dann wieder zum Angebot des Hauses gehören, ebenso wie ein Bistro auf der zweiten Ebene. Die Dachterrasse mit Skyline-Blick soll nach dem Konzept „Urban Gardening“ begrünt und das dort gezogenen Gemüse im Bistro zubereitet werden. Während der Sanierungszeit wird das Museum zu zwei Gelegenheiten geöffnet. An Silvester wird in den Räumen eine große Party gefeiert und in den letzten beiden Wochen des Februar können Besucher das Gebäude in seinem Originalzustand erleben - ohne Umbauten, ohne Verkleidungen - und ohne Ausstellungsstücke. Die werden in Auswahl ab Ende April in vier zeitgleich beginnenden Schauen präsentiert.

Quelle: op-online.de

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