Neue Chorschule in Offenbach

Sängerkreis trotzt dem Trend

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Offenbach - Vizechorleiter sind der Rückhalt im Gesangverein. Wenn der etatmäßige Dirigent verhindert ist, stehen sie bereit. Doch immer weniger Chorsänger wollen die verantwortungsvolle Tätigkeit übernehmen. Von Carsten Müller 

Zu spüren bekam dies auch der Sängerkreis Offenbach, der entsprechende Lehrgänge anbietet. Um die nachlassende Nachfrage anzukurbeln und den heutigen Bedürfnissen von Chorsängern nachzukommen, hat der Sängerkreis eine Chorschule ins Leben gerufen, die separate Lehrgänge in Dirigieren, Stimmbildung und Notenkunde anbietet. Das sind zwar Inhalte der Vizechorleiterausbildung, dienen aber nicht zwingend der Ausübung dieses Amts. „Wir reagieren damit auf eine sich verändernde Chorszene“, erläutert Kreischorleiterin Andrea Hermes-Neumann die Zielrichtung der Chorschule, die sie als Ergänzung zu den Angeboten des Hessischen Sängerbundes versteht. „Wer seine Kenntnisse weiter vertiefen möchte, geht zur Chorleiterschule nach Frankfurt.“

Das Amt des Vizechorleiters ist eng mit der Tradition von Männerchören verbunden. Die Funktion entstand aus der Notwendigkeit, dass Dirigenten nicht permanent verfügbar waren und ihre Einsätze zudem Geld kosteten. Doch viele Chöre hätten sich diesbezüglich zur Ruhe gesetzt, erzählt Andrea Hermes-Neumann. „Man war sich selbst genug.“ Und persönlich eine solche Verpflichtung einzugehen, sei heute weit weniger selbstverständlich als früher. Dieser Trend habe Strukturen ins Wanken gebracht. „Wir wollten uns damit nicht abfinden, deshalb haben wir die Chorschule ins Leben gerufen.“

Viele Chorsänger, die sich für Stimmbildung oder das Dirigieren interessieren, wollen sich nicht sofort auf ein solches Ehrenamt festlegen lassen. „Wir haben uns überlegt, wie wir diesen Sängern entgegenkommen können.“ Daher biete man einzelne Komponenten der Vizechorleiterausbildung getrennt an. Zwei Kurse für Stimmbildung mit Ilka Bauersachs und Dirk Eisermann etwa richten sich direkt an Erzieherinnen (mit Singanleitung) und ambitionierte Sänger. Bernhard Seelbach bietet „Singen nach Noten“ an, Andrea Hermes-Neumann und Martin Trageser luden zum Dirigier-Workshop.

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Das Programm hat einige Vorteile. Es vermittelt Inhalte der Vizechorleiterausbildung intensiver als bisher und baut Schwellenängste ab. Nicht zuletzt kann es Interesse an der Position wecken: Schließlich kann sich Vizechorleiter nennen, wer zwei der Kurse absolviert hat. Viele Chorsänger bilden sich gern weiter, aus unterschiedlichen Motiven. So bewarben sich für den Dirigier-Workshop sowohl ambitionierter Nachwuchs als auch Chorsänger, die das Dirigieren nur für sich selbst ausprobieren wollten. „Seinen Willen der Gruppe aufzuzwingen war für viele die größte Überraschung“, plaudert Hermes-Neumann aus dem Nähkästchen.

Der Sängerkreis kooperiert in Sachen Chorschule mit den Musikschulen in Dietzenbach und Neu-Isenburg, die ihre Räume zur Verfügung stellen. Im Gegenzug werden deren Honorarkräfte werden zu den Kursen eingeladen, „Wir werden in Zukunft weitere Musikschulen ins Boot holen“, kündigte Hermes-Neumann an.

Quelle: op-online.de

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