Ein Interview über Interviews mit Hauke Hückstädt

Wer nicht redet, existiert nicht

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Hauke Hückstädt leitet das Frankfurter Literaturhaus.

Frankfurt - Interviews mit Schriftstellern erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Goethe-Universität Frankfurt und die Georg-August-Universität Göttingen haben im Literaturhaus Frankfurt eine öffentliche Tagung zum Thema organisiert. Von Sandra Trauner

Titel: „Echt inszeniert“, die heute beginnt. Dazu ein Interview mit Hauke Hückstädt, dem Leiter des Literaturhauses.

Welche Bedeutung haben Interviews für den Literaturbetrieb?

Hückstädt: Sie sind enorm wichtig geworden. Zugespitzt gesagt: Ein Autor, der heutzutage nicht redet, existiert nicht.

Sind Schriftsteller gute Gesprächspartner?

Sie sind nicht immer dankbare Gesprächspartner. Schriftsteller sind Selbstgesprächler. Beim Schreiben haben sie lange, lange mit sich selbst gesprochen, allenfalls sprechen sie mit ihren Figuren. Wenn das Buch dann fertig ist, sind sie an eine Gesprächsform wie ein Interview nicht mehr gewöhnt.

Wie bringt man einen maulfaulen Autor zum Reden?

Indem man mit ihm über das spricht, was einen selbst wirklich interessiert. Echtes Interesse wird auch einen Autor nie kalt lassen. Und indem man mit ihm über das spricht, was seine Arbeit ausmacht und keine tagespolitischen Fragen stellt.

Beim Lesen hat man ja häufig den Eindruck, alle Journalisten stellen die gleichen Fragen. Wie kann man das durchbrechen?

Durch Eigensinn. Uns fehlt überhaupt Eigensinn im Kulturbetrieb. Alle haben Angst, Fehler zu machen und alle glauben zu wissen, was andere interessiert. Dabei kann man gerade durch Abseitigkeiten viel zum Vorschein bringen.

„Sehnsucht, doch mal richtig verstanden zu werden“

Wie reagieren Autoren, wenn Fragen außergewöhnlich sind?

Dankbar! Gute Autoren können sich allzu gut selbst zuhören und mögen es nicht, wenn sie sich wiederholen.

Der Leser will ja den Schriftsteller kennenlernen. Ist ein Interview dafür ein gutes Vehikel?

Es ist der schnellste Weg, etwas über einen Autor zu erfahren. Wir haben in den Autor schon hineingeschaut, ohne das Buch gelesen zu haben.

Wie viel ist dran an der herrlichen Interview-Satire „Das Wetter vor 15 Jahren“ von Wolf Haas?

Das gibt es nicht so selten, dass Schriftsteller die Form des Interviews reflektieren. Wenn Autoren so etwas machen, ist das zum einen eine satirische Auseinandersetzung mit dem Immergleichen. Andererseits ist es auch die Sehnsucht, doch mal bitte richtig verstanden zu werden - einmal die richtigen Fragen zu bekommen.

dpa

Quelle: op-online.de

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