Nicht ungebrochen heiter

Manch einer der Verse gehört zum Bestand. Wie es sich nun einmal so verhält bei einem Dichter, der noch zu Lebzeiten in den Status des Klassikers erhoben worden ist. Von Stefan Michalzik

Der 2006 verstorbene Robert Gernhardt war klug genug, die Eigenhuld ironisch abzufedern: Dem prominentesten Protagonisten der Neuen Frankfurter Satireschule lag nichts Menschliches fern, Grundlage seines meist so federleicht anmutenden, stets von stilsicherem Formwillen getragenen Humors.

57 Szenen in wenig mehr als einer Stunde lässt die von Martina Elbert inszenierte Revue „Robert! Weil die Welt uns Gernhardt!“ im Frankfurter Autoren-Theater der Brotfabrik vorüberziehen. Doch man lässt sich durchaus Zeit. Schon unter dem Einlass steht die 84-jährige Hertha Georg mit Vinyl-Stereokoffer und Kopfhörern wartend an ihrer Kanzel und reckt den Blick in gelassener Erwartung nachtröpfelnder Zuschauer der Eingangstür zu. Das DJ-Pult aus Waschmaschinentrommeln (Bühne: Angela Seelmann) würde den coolsten Tanzboden schmücken.

Greise D-Jane extrem beweglich

Aus einem Wetterhäuschen tritt ein Paar hervor. Cornelia Niemann und Walter Jauernicht verstricken sich in einen Dissens der Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse. Das jüngste Mitglied des von Sabine Henry sommerfroh eingekleideten Quartetts, Janina Zschernig, tapert altersgebeugt herein, derweil sich die greise DJane als enorm beweglich präsentiert. Aus dem Off meldet sich bisweilen – fast gottgleich – des Dichters Stimme.

Drei Campingstühle auf einem Kunstrasengeviert markieren die Instanzen Ich, Es und Über-Ich. Wohlgeordnet geht es kunterbunt quer durch Gernhardts Werk, von frühen satirischen Kolumnen über das einzige Theaterstück „Die Toscana-Therapie“ bis zum späten Band „Lichte Gedichte“.

Es sind durchaus simple, gleichwohl effektsichere szenische Arrangements mit fein austarierter Lichtdramaturgie, durch die Martina Elbert das Ensemble schickt. Die Spielweise ist eine kabarettistische, die krachlederne Überzeichnung wird ungeachtet eines markant deutlichen Strichs klug gemieden. Komisch ist dieser Abend, nicht aber ungebrochen heiter. Wie es das Wesen von Komik der höheren Art nun einmal ist.

Quelle: op-online.de

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