Nimm doch den Degen entgegen

Wer glaubt, dort gäbe es nur Mineralwasser, muss sich sagen lassen: Gerolstein wird am Hintertaunus verteidigt! Oder am Hibiskus? Jedenfalls nicht am Hindukusch. Intervention im Schurkenstaat, um humanitäre Katastrophe zu verhindern – Michael Quast versucht, Jacques Offenbachs Operette „Die Großherzogin von Gerolstein“ für die Gegenwart zu retten. Von Markus Terharn

Es ist nicht das stärkste der fünf Stücke, die seine Fliegende Volksbühne in die Oper Frankfurt bringt. Lag doch 1867, im Jahr der Pariser Uraufführung, die deutsche Kleinstaaterei bereits in den letzten Zügen, herrschte auch in Frankreich kein absolutistischer Monarch mehr. Offenbachs Zeitgenossen waren dennoch klug genug, in der Persiflage auf Spießertum, Eitelkeit und Günstlingswirtschaft Züge ihrer Gesellschaft zu erkennen. Heutiges Publikum lässt sich da gern helfen. Mit Autor Rainer Dachselt leistet Quast in Sachen Aktualisierung Zwerchfellerschütterndes. Und von Rhodri Britton am Flügel feinfühlig fundamentiert, verkörpert er das Großherzogtum ganz im Alleingang.

Am überzeugendsten gelingen dem singenden Schauspieler die Karikaturen der Hofschranzen. Der großmäulige General Bumm mit dem Frauenproblem, der vertrottelte Prinz Paul zu Schorf und Schwärenstein, der listige Diplomat Baron Grog und der unfähige Minister Baron Pück bilden ein tolles Quartett, selbst im dicksten Durcheinander trennscharf zu unterscheiden.

Gut gerät Quast auch der „emotionale Faktor“, den er mit der Großherzogin einbringt. Die verguckt sich in den schmucken Schützen Fritz, den sie zum General ernennt, der eine Schlacht gewinnt und umgehend degradiert wird. Ihm und seiner geliebten Wanda verleiht Quast Volkes Stimme.

Die Musik tönt martialisch, mit Trommelwirbel und Tröte. Lustvoll wird die Gerolsteiner Hymne intoniert, „Du gibst uns Wurscht und Weck und Wein“, inbrünstig eine alte Wunderwaffe gereckt: „Nimm doch den Degen, den Degen entgegen!“ In diesen Passagen hat auch der Komponist inspiriert gearbeitet. Trotz zweieinhalb Stunden Dauer war es erneut ein Riesenspaß.

Quelle: op-online.de

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