Norwegischer Bassbariton singt im „Rheingold“

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Die zentrale Partie in Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ hat Terje Stensvold schon in Stockholm und Wien gesungen. Frankfurts Opernpublikum hat ihn bereits in neun Produktionen erlebt.

Frankfurt - Stattliche Größe hat der nordische Göttervater in Frankfurt: Aus Norwegen stammt Terje Stensvold, der den Wotan in der Neuinszenierung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Von Klaus Ackermann

Regie führt die an der Oper durch „Tannhäuser“ auffällige Bulgarin Vera Nemirova. Die musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, auch Dirigent der „Meistersinger“ in Bayreuth. Premiere des „Rheingolds“, Vorabend des Bühnenfestspiels, ist am Sonntag um 18 Uhr. Augenklappe und Speer sind die Insignien von Wagners Götter-Chef. In Frankfurt ist noch unklar, ob es eine Piratenbinde ist oder ob Terje Stensvolds Auge einfach schwarz geschminkt wird. Einzig offene Frage einer Inszenierung, die zwar in abstrakter Ausstattung über die Bühne geht – vier Ringe stehen wie Himmelkörper im Raum –, aber kaum revolutionären Zuschnitt hat, wie der norwegische Wotan vorsichtig abwägt.

Für den bereits rollenerfahrenen Stens vold, der nach neun Opernproduktionen in Frankfurt gleichsam seinen zweiten Wohnsitz hat, ist der Wotan des „Rheingolds“ noch ein junger, unerfahrener Gott, der zwar sein Auge geopfert hat, um Weisheit zu erlangen, aber erst einmal lernen muss, mit seiner Macht umzugehen. Das wird sich ändern – bis zur finalen Götterdämmerung. Stensvold hat die Partie schon in Stockholm und in Wien gesungen, doch es gebe immer wieder neue charakterliche Facetten zu entdecken.

Mit Weigle ist der Norweger nicht erst seit dem Jochanaan eng vertraut, den er in „Salome“ von Richard Strauss verkörpert hat. Daher weist er jeden Verdacht zurück, dass die bei Wagner immer strammen orchestralen Klangfluten das Solistenensemble wegspülen könnten. Gerade an der Balance sei heftig gearbeitet worden. Und „wir kommen durch“, versichert der vorzüglich deutsch sprechende und singende Bassbariton. Weil Weigle „ein Ohr für Sänger“ hat.

Drei Kinder und fünf Enkel hat das Ehepaar

Auf das internationale Solisten-Karussell ist der aus musikalischem Elternhaus stammende Norweger spät aufgesprungen – nach 27-jähriger Sängerpflicht als tragende Stimme an der Norske Opera in Oslo, wo er 1972 nach Erfolgen als Beethoven-, Wagner- und Strauss-Solist seine Bestimmung fand und als Sänger des Jahres ausgezeichnet wurde. Ob Covent Garden in London, Mailänder Scala oder Hamburgische Staatsoper: Terje Stensvold ist auch als Verdi-Sänger willkommen. Demnächst singt er in Oslo den Dr. Schön in Alban Bergs „Lulu“; Regie führt Stefan Herheim, der den Bayreuther „Parsifal“ inszeniert hat.

Es hat mit seiner robusten Konstitution zu tun. Seit 1972 sei er nicht mehr so krank gewesen, dass er nicht einigermaßen hätte singen können, sagt Stensvold – für Opernstars ein Weltrekord. Schwimmen und Laufen war früher sein Programm. Heute spaziert er gern mit Ehefrau durch den Günthersburgpark. Beide schätzen Bornheim, wo sie stets bei Stensvolds hiesigen Engagements leben. Drei Kinder und fünf Enkel hat das Ehepaar. Wobei der älteste Sohn – ebenfalls Bassbariton – in die Fußstapfen des Vaters getreten ist. Schuberts Lieder hat Havald Stensvold ins Norwegische übertragen.

Vater Terje hat übrigens den norwegischen Sankt-Olavs-Orden erhalten, was mit einer Audienz bei König Harald V. verbunden war. Beide haben sich prächtig unterhalten – über Skisport, vor allem Skispringen, eine typisch norwegische Leidenschaft.

Quelle: op-online.de

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