Notizen aus der Provinz

Wer braucht den endgültigen Hauptstadtroman, wenn es einen Provinzroman wie diesen gibt? Mit „Grenzgang“ hat Stephan Thome ein starkes Stück Lektüre vorgelegt, angesiedelt in Deutschland, wo es richtig Gegend ist. Von Markus Terharn

Das bei Suhrkamp erschienene Erzähldebüt des 1972 geborenen Hessen hat im Herbst nur knapp den Deutschen Buchpreis verfehlt, doch den Nerv von Kritik und Publikum getroffen – so auch jetzt in der Frankfurter Romanfabrik.

Den Titel leiht sich Thome von einer alle sieben Jahre in seinem Heimatort Biedenkopf (im Buch Bergenstadt) gefeierten Tradition. Deren Eignung als Rahmen für die Geschichte hat der promovierte Philosoph gut erkannt. Vor allem aber geht es um zwei Menschen in der Lebensmitte, in einer Umbruchsituation: Thomas Weidmann, als akademisch gescheiterter Historiker im Schuldienst gelandet; und Kerstin Werner, alleinerziehende Mutter eines schwierigen Sohnes.

Wie Thome die Charaktere glaubhaft macht, verrät hohe Kunstfertigkeit. Fast beiläufig treibt er die Handlung voran, lässt Thomas einen Stein ins Institutsfenster werfen oder Kerstin mit ihrer unternehmungslustigen Nachbarin widerwillig zu einem Swingerclub in die Wetterau fahren. In erster Linie legt er jedoch Gedanken und Empfindungen seiner Protagonisten bloß, in einer Art Bewusstseinsstrom. Erstaunlich wirkt das Einfühlungsvermögen in die Psyche seiner weiblichen Hauptfigur, subtil fällt sein Humor aus.

Eine reife literarische Leistung ist das, und im Gespräch räumt Thome wenig überraschend ein, dass er vor dieser Veröffentlichung andere Texte geschrieben hat. Leider liest er lediglich eine Stunde. Gern hätte man dem unaufgeregten Vortrag seiner angenehmen Stimme länger zugehört! Aber, auch da ganz Profi: Thome bricht ab, ehe die Damen das Pärchenlokal erreichen. Wir lesen’s nach ...

Quelle: op-online.de

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