Novizen aus der Provinz

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Immer nur lächeln und Unschuld heucheln: Die Provinzler zeigen den Pariser Polizisten die Zähne.

Wenn der, sagen wir, Bergsträßer nach Frankfurt fährt, will er etwas erledigen – ob Einkaufsbummel, Restaurantbesuch, Arztbehandlung oder Eheanbahnung. Er kann aber auch was erleben: Nepp, falsche Verdächtigungen, Ärger mit der Polizei und unerfreuliche Überraschungen. Von Markus Terharn

So ergeht es jedenfalls den  Provinzlern in der Komödie „Das Sparschwein“ von Eugène Labiche, die das Premierenpublikum dieser zweiten Inszenierung bei den Festspielen Heppenheim begeistert hat.

Ob der Wiedererkennungseffekt dazu beiträgt? Immerhin sind es recht liebenswerte Typen, die der Franzose 1864 in die Bühnenwelt entlassen hat, einfache Menschen mit all ihren Schwächen. Das gibt Regisseur Martin Gelzer Gelegenheit, mit seinem gut aufgelegten Ensemble an netten Charakterstudien zu feilen.

Im Mittelpunkt steht Walter Renneisen. Sein Champbourcy, Feuerwehrkommandant und Stifter einer Spritze („Es ist nicht meine Schuld, wenn es hier nicht brennt“), ist ein Genuss. Um keine Ausflucht verlegen, mit Schnäuzer von chaplinesker Anmutung, ist er im Grund der Genasführte. Merkt er doch nicht, dass die Idee, den Inhalt des ein Jahr lang gefüllten Sparschweins in Paris auf den Kopf zu hauen, nicht von ihm stammt.

Die Hauptstadt ist Ziel der Sehnsucht für zwei weitere Bewohner des Kaffs La Ferté-sous-Jouarre. Seine Schwester Léonida, von Gudrun Gabriel als verzweifelt Heiratswillige mit losem Mundwerk verkörpert, entpuppt sich – wenig überraschend – als jene unbekannte Inserentin von Kontaktanzeigen, auf welche sich endlich jemand gemeldet hat. Und Champbourcys Tochter Blanche, von Anna Kretschmer als lebenslustige Blonde gegeben, will dort Aussteuer erwerben. Hat sich doch etwas angebahnt zwischen ihr und dem Notar Félix, als der Benedikt Selzner durch steife Korrektheit auffällt.

Der verpasst allerdings den Zug. Nicht so der Apotheker Cordenbois, bei Fred Strittmatter ein eitler Dickwanst, der sich in der Metropole ein Korsett besorgt, um unbeholfen auf Freiersfüßen zu wackeln. Die Ausflügler vervollständigt der trampelige Bauer Colladan, Andreas Torwesten mit schlichter Diktion und plumpen Manieren, der sich erst mal eine Hacke zulegt.

Auf dem Spielplan bis zum 6. September

Mit dieser und mit einigen anderen Requisiten lässt sich vor Intendant Thomas Richters wandelbarer Kulisse und in Monika Seidls sprechenden Kostümen mächtig Situationskomik erzeugen. Von der allgemeinen Spielfreude angesteckt, mimt Regisseur Gelzer einen korrekten Kriminalassistenten mit einem kleinen Geheimnis. Und er gewährt Christopher Krieg Freiraum, als aasig-arroganter Kellner und schwul-charmanter Heiratsvermittler zwei typische Frankfurter, pardon, Pariser auf die Bretter zu stellen ...

Quelle: op-online.de

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