Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte

Offenbacher Sturm und Drang

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Dominique Chapuis hat das Bildnis der Lili Schönemann mit Goethe-Text überblendet.

Offenbach - Südhessische Künstler wandeln im Haus der Stadtgeschichte auf Romantik-Pfaden. Die Ausstellung ist noch bis 1. Juni geöffnet. Von Reinhold Gries 

Offenbach könnte sich glücklich schätzen, wenn es immer so wohlwollend gesehen würde wie in der Ausstellung des BBK Südhessen im Haus der Stadtgeschichte. Zehn Künstler aus Darmstadt, Rodgau, Hergershausen, Reinheim und Rheinhessen verorten die Themenschau zum Hugenottenstädtchen in der Zeit von Sturm und Drang und der Romantik, in der sich der junge Goethe mit der geliebten Lili Schönemann neben Musikverleger André sowie Dichterin Sophie von La Roche und Enkelin Bettina Brentano am Main tummelten. Verknüpft war die goldene Zeit auch mit neuer Wirtschaftskraft und schönen Villen der d´Orvilles und Bernards.

Vor solchem Hintergrund ziehen die Künstler ihre Register. Dominique Chapuis, im burgundischen Dijon geboren, nahm das berühmte Lili-Porträt, das als Kopie bei ihr zuhause hing - ihr Ehemann ist d´Orville-Nachfahre - und ließ es fotographisch und computergesteuert verblassen, um es mit Goethes Liebestexten zu überblenden. „Qu´est ce qui résiste au temps?“ - die Frage ihrer Lili-Serie nach dem Gang der Zeiten und der Liebe hätten zu d´Orvilles Zeiten Offenbachs oft französisch sprechende Bürgerschaft verstanden.

Den Weg des Frankfurter Großbürgersprosses Goethe nach Offenbach geht der gebürtige Frankfurter Max Müller nach, in dicht beschrifteten hölzernen Schriftrollen und Malereignissen auf schwarzweißen Offenbach-Fotos. Sätze aus Goethes „Aus meinem Leben - Dichtung und Wahrheit“ liest man jedoch vor Zäunen und Stacheldraht, Passagen wie das „Schöne, für die damalige Zeit prächtige Gebäude“ und „trat man am Morgen in aller Frühe aus dem Haus, so fand man sich in der frischen Luft“ vor Wohnblocks und Gittern lassen tief in Frankfurter Gefühlswelten blicken…

Tabakblätter in fast mystischer Gestalt

Liebevoller wirkt die Idee der gebürtigen Steiermärkerin Regina Basaran, Offenbacher Erde an verschiedenen Stellen der Stadt zu sammeln, zu waschen und zu sieben und dann in Teebeutel zu füllen, gefaltet aus hiesigen Stadtplänen. Wie die Aufgüsse wohl schmecken mögen?

Francisca Hausch hat sich mit anderen Offenbacher Genüssen befasst, dem Schnupftabak der Gebrüder Bernard. Im beleuchteten Holzkasten gewinnen ihre verhüllten Tabakblätter fast mystische Gestalt, die sich im Filigranwerk der Bildkästen fortsetzt.

Zwischen Lyrischem und Gestischem bewegen sich Elisabeth Klings Maltableaus wie „Bewahrung der Zartheit“ und „Unsichtbarer Horizont“ und auch ihre filigran gedruckten „Intagliotypien“. Feine Metaphorik auch bei Sonja Schilling, Offenbachs Aufbruch mit aus Ton geformten und Aquarellfarbe bemalten Schuhskulpturen darstellen.

Griffiger gehen einige BBK-Männer zu Werke: Lothar Steckenreiter fügt diverse Offenbacher Produkte, Objekte und Funde gemeinsam mit Goethes Farbenlehre in einen Grundrahmen von zwei Meter Höhe. Metallkünstler Joachim Harbut schmiedet in den Eisenplastiken „In eine neue Zeit“ und „Ich stelle die soziale Frage“ viele rostige Eisenteile und Metallabfälle zum industriellen Panoptikum. Auch Christian Peukerts Decollagen zu „Schnupfe Bernard“ reißen alte Offenbacher Tiefenschichten auf. Da kommt man kaum umhin, auch mal tieftraurig zu werden…

„D´Orville, Goethe, Bernard“ vom 4. Mai bis 1. Juni im Offenbacher Haus der Stadtgeschichte, Herrnstraße 6. Geöffnet: Dienstag, Donnerstag und Freitag 10-17 Uhr, Mittwoch 14-19 Uhr, Samstag und Sonntag 11-16 Uhr

Quelle: op-online.de

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