„B3 Biennale des bewegten Bildes“

Offenbach schmiedet Allianzen

Bernd Kracke, Präsident der Hochschule für Gestaltung, hat mit seinem Team binnen eines Jahres ein hochkarätiges Festival-Programm auf die Beine gestellt.

Offenbach - Wenn am nächsten Mittwoch die erste Ausgabe der „B3 Biennale des bewegten Bildes“ im Frankfurter Kunstverein eröffnet wird, ist das für die Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) ein ganz besonderer Augenblick. Von Carsten Müller

Nur ein Jahr hatte das HfG-Team um Präsident Bernd Kracke Zeit, das Großereignis aus dem Boden zu stampfen. Das international ausgerichtete Festival steht vom 30. Oktober bis 3. November unter dem Motto „Expanded Narration - Das neue Erzählen“ und widmet sich den vielfältigen Erscheinungsformen des bewegten Bildes – vom Computerspiel über Fernsehserien und Kinofilme bis zu bildender Kunst, Theater und Performance.

Eine sogenannte Kick-Off-Veranstaltung in der Frankfurter Naxoshalle gab im vergangenen Dezember schon einen Vorgeschmack auf die breit angelegte „Allianz des bewegten Bildes“. Kunst und Kultur, Film und Fernsehen, Kreativwirtschaft und Wissenschaft sollen in Vortrag, Workshop, Screening und Expertengespräch miteinander in Dialog treten. Konzerte und Ausstellungen die Öffentlichkeit einbeziehen.

„Lara Croft“-Schöpferin Rhianna Pratchett referiert.

„Die Tagesveranstaltung diente der Themenfindung und dazu, inhaltliche Kerne herauszuarbeiten“, erläutert HfG-Präsident Bernd Kracke im Gespräch mit unserer Zeitung. Freilich war bereits ein Grundkonzept zu erkennen, und es schälte sich bereits das übergreifende Thema der vom Land Hessen, der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien, der Stadt Frankfurt und der Frankfurter Wirtschaftsförderung getragenen Biennale heraus. Danach begann für die Organisatoren die heiße Phase: Über 100 Gäste und 20 Orte waren in ein intensives fünftägiges Programm zu integrieren.

Der genreübergreifende Blick auf mediale Erzähltechniken teilt sich auf drei Säulen auf: Die Offenbacher Hochschule setzt in der Rubrik „Festival“ inhaltliche Schwerpunkte zu den Themen Fernsehserien, Games, Projektionstechniken, transmediales Erzählen, Kino sowie Videokunst mit hochkarätigen Gästen. Rhianna Pratchett, Entwicklerin der „Lara Croft“-Computerspiele, referiert am Freitag (11 Uhr) im Frankfurter Kunstverein, der international renommierte Theaterzauberer Robert Wilson am Samstag (18 Uhr) in der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Der französisch-amerikanische Medienkünstler Michael Auder zeigt im Portikus seine Werke, steht aber zugleich als Vortragender auf dem Programm.

Mehr als zwanzig Museen aus Frankfurt und der Region, Ausstellungshäuser und Galerien sind am „Parcours“ beteiligt und zeigen zum Teil speziell für die Biennale kuratierte Ausstellungen, etwa das Deutsche Filmmuseum („Fassbinder Jetzt.“), das Museum Wiesbaden (Performance-Filme von Rebecca Horn), der Frankfurter Kunstverein (Videokunst) oder die Weißfrauenkirche (360-Grad-Projektionstechnik „Fulldome@B3“).

Den „Campus“ betreut die Hessische Film- und Medienakademie zusammen mit den 13 hessischen Hochschulen. Es geht um Dialog, Vernetzung und Erfahrungsaustausch zwischen Branchenprofis und kreativem Nachwuchs. Von der Reklamefilmwerkstatt über das Drehbuchschreiben bis zur Filmfinanzierung reicht das Angebot für Studierende. Renommierte Gäste haben sich auch in diesem Festival-Segment angesagt, beispielsweise US-Multimedia-Pionierin Laurie Anderson, die ihre Arbeit in einer Masterclass vorstellt, bevor sie am Sonntag im Frankfurter Gibson-Club ein Konzert gibt.

Andersons Engagement steht idealtypisch für den übergreifenden Ansatz der Biennale. „Verglichen mit dem eDIT Filmmaker’s Festival ist die B3 Biennale viel komplexer strukturiert“, sagt Bernd Kracke. Allein schon durch die Beteiligung der hessischen Hochschulen und vieler Frankfurter Museen habe die Biennale Zugang zu weltweiten Netzwerken. Die Perspektive ist für den HfG-Präsidenten klar: „Wir wollen auf internationalem Niveau mitspielen.“

US-Künstlerin Laurie Anderson konzertiert.

Das war auch lange Zeit Absicht des „eDIT Filmmaker’s Festival“, das als Leistungsschau der Post Production mit Schwerpunkt Spielfilme sogar Gäste aus Hollywood begrüßen konnte. „Sie ist aber von der Zeit überholt worden“, sagt Kracke mit Blick auf die von Land und Stadt finanzierte und dann relativ schnörkellos zu Grabe getragene Veranstaltung.

In diese Bresche ist die Offenbacher HfG gesprungen. Mit Erfolg, wenn man das fast 200 Seiten starke Programm betrachtet. „Als Kunsthochschule des Landes sind wir sehr breit aufgestellt mit besonderer inhaltlicher Kompetenz im medialen Kontext“, sagt Kracke. Auch diese Bandbreite spiegelt sich im B3-Programm, das von einem Video-App-Wettbewerb sowie einem Nachwuchswettbewerb begleitet wird.

Der Startschuss fällt am Mittwoch, 30. Oktober, um 10 Uhr mit der Eröffnung des B3 Campus Marktes in den Römerhallen. Dort stellen sich nicht nur die hessischen Hochschulen mit ihren Studiengängen vor, sondern auch Unternehmen der Medienbranche als potentielle Arbeitgeber. Und für alle, die eigene Wege gehen wollen, gibt es Start-up-Hilfe in Kooperation mit der Crowdfunding-Plattform StartNext.

Gewinnspiel:

Wir verlosen fünfmal zwei Tagespässe für einen Veranstaltungstag nach Wahl. Um teilzunehmen, schicken Sie heute (25. Oktober) bis 14 Uhr eine E-Mail an gewinnspiel@op-online.de  und dabei die AboPlus-Nummer nennen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

„Wir haben nicht nur Studierende im Blick, sondern wollen auch Schüler für den Medienbereich interessieren“, so Kracke. Dass die Festival-Macher perspektivisch über die Biennale hinausblicken, versteht sich von selbst. Es soll nicht bei einem fünftägigen Feuerwerk bleiben, dafür sorgen allein die „Parcours“-Beiträge.

Doch jetzt gilt die Aufmerksamkeit der Festival-Premiere. „Das ganze Team freut sich auf ein vielschichtiges und hochgradig attraktives Programm“, sagt Kracke, der hofft, dass die Auftritte „vieler toller Persönlichkeiten“ vom Publikum entsprechend frequentiert werden.

„B3 Biennale des bewegten Bildes“ vom 30. Oktober bis zum 3. November in Frankfurt. Halbtagespass: 10 Euro (8 Euro ermäßigt), Tagespass 15 Euro (12 Euro ermäßigt), Wochenendpass 25 Euro (18 Euro), Festivalpass 50 Euro (30 Euro ermäßigt). Weitere Infos gibt es auf der Homepage.

Quelle: op-online.de

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