Offenbacher Galerie

Junge Kunst blickt auf Wesentliches

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Mitten ins Bewusstsein zielt die Malerei von Young in Son.

Offenbach - Auch abseits der etablierten Hochschulen gedeihen künstlerische Talente. So wie die von Benjamin Burkard (Jahrgang 1986) und Dominik Schmitt (Jahrgang 1983).  Von Carsten Müller

Beide studieren Kunst für das Lehramt an Realschulen in Landau, ihre Positionen wirken aber derart elaboriert, als seien sie an einer Kunsthochschule eingeschrieben.

Zu sehen sind sie in der Ausstellung „Young Painters“ der Offenbacher Galerie Thomas Hühsam, die gemeinsam mit der Merkel Collection ausgerichtet wird. Dort sind auch Werke des aus Korea stammenden Young in Son (Jahrgang 1980), einem Städelschüler aus der Klasse von Christa Näher, zu sehen.

Naturalistische Porträts

Benjamin Burkard vereint Menschen und Maschinen.

Youngs Thema sind Porträts, die er naturalistisch mit Öl, Pastell, Wasserfarben oder dem Zeichenstift auf Papier und Leinwand bringt. In der Offenbacher Galerie hat er eine ganze Wand mit verschiedenen Kleinformaten in dezenter Farbigkeit oder Schwarzweiß collagiert. Sie wirken wie aus einem spontanen Impuls entstanden, zeigen aber einen ausgereiften Künstler, der Wesentliches erfasst und seinen Objekten erbarmungslos naherückt, ihnen in die Seele blickt. Ihre kindlichen Gesichtsausdrücke sind vielsagend. Sie schauen traurig, trotzig, wütend oder entschlossen aus menschenleerer Landschaft. Manche Bilder sind unscharf maskiert, Mützen, Kleidung und Frisuren variieren, rufen Assoziationen hervor, selten aber so konkret wie der kindliche Hitler-Verschnitt.

Wie in Youngs Arbeiten Figur und Natur farbliche Symbiosen eingehen, verschmelzen Benjamin Burkards Malereien und Zeichnungen Menschen und Maschinen zu hybriden Wesen. Zahnräder, Schienen und Schwellen, Rotoren und Kessel zählen zum Inventar seiner Werke, in denen sich figürliche Konturen aus expressiven, kreisförmig bewegten Farbnebeln herausschälen. Meist sind es düstere Szenerien in Braun- und Schwarztönen, selten lichtet sich diese mystisch anmutende Welt auf in helles Blau oder kräftiges Rot. Burkards Kuriositätenkabinett mag plakativ erscheinen, hat aber einen ganz eigenen Reiz.

Mischwesen bewölkern silbrigen Kosmos

„Young Artists“ noch bis 16. März in der Galerie Thomas Hühsam, Frankfurter Straße 61, Offenbach. Geöffnet nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 069 810044.

Auch Dominik Schmitts silbrig getönter Kosmos ist von Mischwesen bevölkert, die auf verschiedensten Formaten erscheinen, sogar als Skulptur wie der pechschwarzen Montage aus Hechtkopf und Perlhuhnkörper oder dem der Ecke liegenden „Wachhasen“ mit Krallen aus Einweggabeln. Auf den Leinwänden fusionieren Eulen und Fische, Menschen und Schafe.

Schmitts Visionen,die er in Mischtechnik auf die Leinwand bringt, erinnern an die grausam-satirischen Werke eines Hieronymus Bosch. Das kunsthistorische Zitat gipfelt im Großformat „Die Heilung“, eine makabre Abendmahlsszene, in deren Mittelpunkt der seiner Innereien beraubte Künstler steht. Verzückt blickt er gen Himmel, während es sich die Menagerie am Tisch schmecken lässt. Wohl bekomm’s ...

Quelle: op-online.de

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