„Nah und Fern im Gegenüber“

Grafik baut Brücken

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Aoi Kono Hubers malerische Flächen vereinen Einflüsse ihres Ehemannes Max Huber und ihres Vaters Takashi Kono.

Offenbach - Die befreundeten Grafikdesigner Takashi Kono (1906-1999) und Max Huber (1919-1992) pflegten das Erbe des Bauhauses und des Konstruktivismus aus fernöstlicher wie europäischer Sicht. Da ist es ein Glücksfall, dass Aoi Kono Huber beider Nachlass im „m. a. x. museo“ in Chiasso wie in sich selbst zusammenführt. Von Reinhold Gries

Denn die 1936 in Tokio geborene Grafikerin, Malerin und Buchkünstlerin ist sowohl Konos Tochter als auch Hubers Ehefrau. Gut lassen sich im Klingspor-Museum die Einflüsse beider Vorbilder in ihren Arbeiten wiederfinden, die solches Erbe virtuos weiterentwickelt hat.

Der Zürcher Max Huber war herausragender Protagonist der schweizerischen wie italienischen Grafikszene, Jahrzehnte lehrte und arbeitete er in Mailand. Legendär wurden seine dynamisch minimalistischen, von Bauhaus-Ideen geprägten Sportplakate der Nachkriegszeit wie das in rasant gekurvten Vektoren gestaltete zu den 500 Meilen in Monza von 1948, das in Monza-Werbung von 1957 bis 1972 gegenständlichere Fortsetzung fand. Huber-Klassiker sind auch Radrenn-Poster und „Borsalino“-Hutreklame mit stilisierten Federn als Musterbeispiele für die Leichtigkeit der Fünfziger. Als Jazz-Ikonen gelten Huber-Covers zum Magazin „jazztime“, das Anfang der 50er leider nur wenige Auflagen erlebte. In Italien beeindruckte Hubers neuartige Mischung aus Optical-Art, Futurismus und funktionaler Typographie auch beim Verpackungsjournal „Imballagio“ Mitte der 60er, in die Entwicklung zu stellen zwischen dem Zürcher Magazin „Du“, dem Milaneser Journal „Tempo presente“ und Kultmagazinen wie „aut aut“ oder „il Caffé“. Vorbildhaft auch Hubers einprägsame Buchumschläge zu politischen Sachbüchern.

Der Hubers fern und nah

Cover von Takashi Kono

Takashi Konos Grafik ist der Hubers fern und nah. Auch er hat berühmte Sportplakate entworfen wie das zu den Olympischen Winterspielen in Sapporo 1972. Andere Großformate sind beseelt von minimalistischer Tradition der Edo-Zeit. Das ist für ihn kein Widerspruch zur Offenheit für europäisches Design. Da ist schwer zu sagen, was an Konos Theaterplakat „Picnic“ (1958) mehr europäisch oder japanisch ist, anders als bei eher westlichen Plakaten zu „Figaros Hochzeit“ oder Stig Lindberg. Konos Werbezeitschriften aus den 30ern jedenfalls wissen um europäisches Art Deco. . Beim literarischen Monatsmagazin „Roningyo“ aus den 30ern nimmt Kono die 50er Jahre-Ästhetik Europas vorweg, in Covers des Magazins „Nippon“ überbrückt er Gegensätze zwischen Kimono-Kultur und europäischer Raumauffassung in fast surrealen Bildformeln. Dabei wirkt Konos Kombinatorik von Schriftzeichen, vereinzeltem Gegenstand und Naturform oft lyrisch.

Derlei Innerlichkeit und Ruhe im Flächigen klingen in Kinderbüchern und Leporellos seiner Tochter nach. Es sieht so aus, als hätte Aoi Kono den spielerischen Umgang mit rechten und spitzen Winkeln, Kreis und Segment sowie gut gesetzten Diagonalen vom Vater wie vom Ehemann geerbt und gelernt. Kono Huber aber öffnet subtil dem Linearen die schönen Flächen, so dass gestreifte oder farbig kontrastierende Schwebkörper malerisches Eigenleben gewinnen. Sensible Schichtungen wirken duftig, ohne strengen Bezug zum Format des Japanpapiers zu verlieren. Dass Kono Huber Vorväter der Dada-Kunst wie des Weimarer und Dessauer Bauhaus zitiert wie überspielt, sieht man an ihren Blättern und Büchern wie an ihrem großen Webteppich.

„Nah und Fern im Gegenüber. Takashi Kono, Max Huber, Aoi Kono“ bis 8. September im Offenbacher Klingspor-Museum. Geöffnet: Dienstag, Donnerstag und Freitag 10-17 Uhr, Mittwoch 14-19 Uhr, Samstag und Sonntag 11-16 Uhr.

Quelle: op-online.de

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