„Schwebende Ahnungen“

Vom Zufälligen in einer traumartigen Welt

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„Schwebende Ahnungen“ beim BOK. Hans-Jürgen Herrmann

Offenbach - Verstreute Worte schweben auf dem Papier als könnten sie ihren festen Platz noch nicht recht finden. Eine Naht säumt den Text von Matthias Peinelt, als kitte sie das Brüchige seiner Arbeit. Von Christina Lenz

Die Ausstellung des Künstlers zusammen mit Petra Maria Mühl in den Räumen des Bundes Offenbacher Künstler (BOK) versetzt den Besucher schnell in einen Schwebezustand, der sich mit Intensität aufdrängt. Den Ausstellungstitel „Schwebende Ahnungen“ haben die Künstler in einem längeren Prozess gemeinsam gefunden: „Der Titel beschreibt sehr gut, wie ich arbeite. Ich lasse vieles auf mich zukommen und bringe den Zufall mit ins Spiel“, sagt Peinelt. Neben den Wortkompositionen hat der Künstler farbenfroh leuchtende Zeichnungen und Puppen ausgestellt, die wie ein Theaterensemble an der Wand hängen.

Fasziniert vom Barock

Das Dramatische, das seine Arbeiten auszeichnet, könnte aus der Faszination des Künstlers am Barock stammen. Peinelt liebt Opern aus dieser Zeit und lässt sich von der Musik gerne beim Arbeiten inspirieren. Theaterstücke von Molière oder Shakespeare, in denen Witz und Grausamkeit, Lebenslust und Todessehnsucht nah beieinander liegen, bilden einen wichtigen Teil seiner imaginären Welt. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich die Spuren von Gewalt und Leid, die der Künstler an seinen Figuren haften lässt. Eine Puppe mit farbenfrohem Indianerschmuck auf dem Kopf ist von einem Nagel am Hals durchbohrt, an dessen Ende ein Dollarschein klebt. Erst nach längerem Betrachten wirkt das leuchtende Rot an der Puppe wie getrocknetes Blut.

Die Gestalten, die Peinelt entstehen lässt, sind Zwitterwesen, die mit weiblichen Kostümen, Stöckelschuhen und männlichem Geschlechtsteilen ausgestattet sind. „Puppen sind ja eigentlich geschlechtslos. Umso spannender fand ich es, das Geschlechtliche mit ins Spiel zu bringen“, kommentiert der Künstler seine Werke. Die Figuren wirken wie zusammengeflickt aus verschiedenen Zeiten und Welten, schwebend zwischen Mensch und Tier, halb Engel, halb Monster, so als hätten sie ihre verschiedenen Rollen auf dem Theater nie ganz abgelegt. Die Liebhaberei für Puppen hegt der Künstler schon seit seiner Kindheit. Seitdem hat er auch den Traum, die Handpuppen endlich in einem echten Puppenspiel zum Leben zu erwecken.

Das Flüchtige dominiert

Die Arbeiten der Künstlerin Petra Maria Mühl kommen aus der Medienwelt, wo das Flüchtige dominiert: ihre Collagen und Fotografien wirken federleicht und tragen doch den Wust der digitalen Bilderwelt in sich. Motive aus Fernsehen und Netz hat die Künstlerin gesammelt und in ihren Collagen übereinander geblendet, so dass sich verschiedene Raum- und Zeitebenen verschachteln. Ihre Arbeiten verweigern sich klaren Konturen und definitiven Bildaussagen. Sie zeigen eine traumartige Welt, in denen die mediale Flüchtigkeit einen Halt findet: „Ein bisschen will ich den nomadisierenden Bilderströmen im weltweiten Netz einen festen Ort verschaffen“, sagt Mühl. Auf großformatigen Alu-Dibond-Platten hat die Künstlerin verschiedene Bereiche der digitalen Welt abgebildet, das unscharfe Bild einer Finanzbörse hängt neben einem verschwommenen Porträt des Papstes. Die Bilder wirken wie Schnappschüsse aus einer schnelllebigen Medienwelt, in der so geschwind neue Bilder produziert werden wie kein Mensch schauen oder denken kann. Manchmal blitzt auch die Natur durch diese technisierte Welt. Auf einer bedruckten Folie zeichnen sich Schmetterlingskonturen ab, es wirkt, als leuchte das Sommerlicht auf der transparenten Oberfläche. „Alles mag kommen, vieles vergehen“ - diese Worte aus einem Text von Matthias Peinelt drücken aus, was diese Ausstellung sehenswert macht.

Die Schau ist noch bis 30. Juni jeweils mittwochs von 17 bis 20 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr in der Galerie Salon 13 BOK, Kaiserstr. 13, in Offenbach zu sehen. Weitere Informationen hier.

Quelle: op-online.de

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