Opernstadl im Zweistromland

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Juan Orozco und Katrin Gerstenberger

Darmstadt - Bitte nicht mit den Sandalen ins offene Feuer treten, könnte ein wohlmeinender Regie-Hinweis ans Bühnenpersonal gewesen sein. Beim Rutschen auf den Knien immer schön das Kostüm nachzuziehen ein anderer. Von Axel Zibulski

Wesentliches hingegen scheint dem 25-jährigen Regisseur Lothar Krause für seinen Darmstädter „Nabucco“ nicht eingefallen zu sein. Alt schaut die Inszenierung von Verdis früher Oper um den Krieg zwischen Babyloniern und Judäern aus, mit ihrer unkreativ bis pauschal ausfallenden Bildhaftigkeit. Baals Rache scheint allen Protagonisten in die Glieder gefahren zu sein, auf dass sie häufig die Arme in die Luft recken.

Nächste Vorstellungen 29. Januar sowie 18. und 24. Februar. Karten: 06151/2811600

Der Gefangenenchor lässt von der schrägen Rampe die Beine baumeln – Opernstadl im Zweistromland. Mehr noch: Vor der großen Freitreppe mit Säulen, Schrein und Kuttenfest (Ausstattung: Dirk Hofacker) schienen alle Protagonisten vergessen zu müssen, dass sie Handelnde eines Dramas sind; zu Schablonen werden sie: Wenn Abigaille Nabuccos Macht an sich gerissen hat, glotzt sie uns nebst Diener vom Thron so starr an wie vom Cover eines Tourismuskatalogs.

Das alles ist Opernmuseum der unangenehmsten Art, weil der Regie keine im Ansatz glaubhaft motivierte Behandlung der Personen eingefallen ist. Immerhin verliert einer (Nabucco) mit der Macht die Geistesfrische, eine andere (Abigaille) erfährt von ihrer Abstammung von einer Sklavin, zwischen der babylonischen Königstochter Fenena und dem Judäer Ismaele gibt es eine geneidete Liebe über Fronten. Selbst im konventionellen Rahmen könnten daraus Funken schlagen. Doch nichts davon, weil sich das Geschehen in beiläufigem Kolorieren verliert.

Auch musikalisch ist nicht sorgfältig gearbeitet

Gesten statt Geist, Kutten statt Können, Plakativität statt Psychologie – das schlägt sich mehr oder weniger unangenehm auf die Darsteller nieder. Als Nabucco bietet Juan Orozco groben Kraftgesang der unkultivierten Art, mit kaum sauberer Intonation, schmierigem Legato, trockener und offener Stimmführung, wie sie auch John In Eichen als Zaccaria nicht vermeiden kann. Die besseren fallen in Unscheinbarkeit, Katrin Gerstenberger als kaum herausgeforderte Zentralgestalt Abigaille, Erica Brookhyser als lyrisch neutrale Fenena, neben der Tenor Joel Montero ein auch vokal uncharakterisierter Ismaele bleibt.

Denn auch musikalisch ist offenbar nicht sorgfältig gearbeitet worden: Der Chor findet spät einigermaßen synchrone Linien mit dem Staatsorchester, das unter der Leitung von Gastdirigent Matteo Beltrami seine Aufgabe sauber, aber lediglich im Rhythmischen mit hinreichender Differenzierung verwaltet.

Quelle: op-online.de

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