Optimist im Dienst der Kunst

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Hauptfiguren in der „Komödie“: Daniel Große Boymann, Daniela Dett, Intendant Claus Helmer und Charles Elkins.

Frankfurt - Zehn Jahre ist es her, dass Prof. Claus Helmer die Frankfurter Komödie neu auferstehen ließ. Dabei hatte es gar nicht gut ausgesehen für das Theaterhaus: Konkurs des Schneider-Immobilienimperiums, Besitzerwechsel, Bruch des Mietvertrages, und dann auch noch der Abriss aus baulichen Gründen. Von Franziska Ehrhardt

Doch Direktor Helmer, grenzenloser Optimist, wollte sich nicht geschlagen geben. Obwohl er mit dem kränkelnden Fritz-Rémond-Theater alle Hände voll zu tun hatte, durfte er die Komödie als „sein erstes Kind“, wie er selbst sagt, nicht im Stich lassen.

Mit viel Mut zum Risiko und einem dicken Batzen Eigenmitteln gelang ihm der Neubau des Theaters. „Man muss verrückt sein, um so etwas zu machen. Aber mein Leben ist das Theater“, gesteht er. Und es hat sich gelohnt, denn die Komödie kann seit ihrer Wiedereröffnung im Oktober 1999 auf eine äußerst erfolgreiche Zeit zurückblicken. Dieses Jubiläum feiert das Theater nun mit Claus Helmers eigener Inszenierung des Musical-Klassikers „Irma La Douce“ aus der Feder von Alexandre Breffort und Marguerite Monnot.

Die Liebesgeschichte spielt im Milieu des Pariser Vergnügungsviertels in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts. Der mittellose Jurastudent Nestor verliebt sich in das Freudenmädchen Irma . Es gelingt ihm, ihren Zuhälter Hypolite auszuschalten, um selbst an dessen Stelle zu treten. Doch seine Eifersucht macht ihm zu schaffen, deshalb verkleidet er sich als Freier und zahlt seiner Irma so viel, dass sie nicht mehr auf andere Kunden angewiesen ist. Irma beginnt mit ihrem Freier zu prahlen, weshalb Nestor sein Doppelspiel aufgeben will und seine Verkleidung in die Seine wirft. Als Irmas zahlungskräftiger Kunde ausbleibt, wird Nestor des Mordes verdächtigt …

Theater als „Psychiater des Volkes“

Das Musical ist nicht das erste Mal auf der Bühne des Frankfurter Theaters zu sehen: Bereits 1975 führte Komödienchef Helmer Regie, damals übernahm er außerdem die Doppelrolle als Freund und Freier an der Seite von Christiane Rücker in der Titelrolle. 126 Vorstellungen standen damals auf dem Spielplan, stets vor ausverkauftem Haus. Über drei Jahrzehnte später also eine neue Auflage, die dem damaligen Erfolg mit Sicherheit in nichts nachstehen wird. Die Österreicherin Daniela Dett als Irma macht deren Beinamen „La Douce“ („die Süße“) charmant und stimmgewaltig alle Ehre, der Erzähler Bob (Charles Elkins) leitet gekonnt durch die Handlung, und Daniel Große Boymann in der Doppelrolle als verliebter Student überzeugt nicht minder. Die Kostüme sind genauso liebevoll gestaltet wie das fantasievolle Bühnenbild, an dem gut fünf Wochen gearbeitet wurde.

Für Claus Helmer ist das Theater nicht hauptsächlich eine intellektuelle Angelegenheit, sondern ein „Psychiater des Volkes“ – es soll das Publikum dazu bringen, den Alltag zu vergessen. Die mitreißende „Irma La Douce“ jedenfalls, gelungen inszeniert und choreografiert, auf unterhaltsamem musikalischen Niveau, scheint ein absoluter Therapieerfolg zu werden – Premiere ist morgen Abend.

Quelle: op-online.de

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