Raffael-Porträt von Papst Julius II

Original oder werkstattgepflegt

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Dieses Porträt von Papst Julius II. wird Raffael und seiner Werkstatt zugeschrieben.

Frankfurt - Kurz vor seinem Tod gab Papst Julius II. ein Porträt in Auftrag - bei keinem geringeren als bei Raffael. Das Bild wurde zum Prototyp des Papst-Porträts. Blöderweise gibt es verschiedene Fassungen. Von Sandra Trauner

Welches ist das Original, welches eine Kopie, welches aus der Werkstatt? Im Jahr 2010 kaufte das Frankfurter Städel-Museum ein Porträt von Papst Julius II. Seit der Renovierung des Hauses hängt es unter den Alten Meistern als Werk von „Raffael und Werkstatt“. Mit dieser Zuschreibung sind nicht alle Fachleute einverstanden. Im vergangenen Jahr entbrannte eine hitzige Diskussion in den deutschen Feuilletons über den Stellenwert dieses Bildes.

Auslöser war ein Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“, in dem „namhafte Renaissance-Experten“ behaupten, das Bild sei „nicht der Rede wert“, der Ankauf „ein Skandal“, das Städel riskiere seine Glaubwürdigkeit. Ein Jahr danach präsentiert das Museum nun seine Argumente: In einer Mini-Ausstellung hängt die Frankfurter Fassung neben der aus den Uffizien in Florenz. Die wichtigste Fassung aus der National Gallery in London ist nur als Reproduktion zu sehen - das Gemälde sei „aus konservatorischen Gründen nicht reisefähig“, hieß es gestern zur Begründung.

Neben einer späteren Version von Tizian sind vor allem Infrarot- und Röntgen-Aufnahmen der Städel-Neuerwerbung zu sehen. Dadurch werden die Vorzeichnungen unter dem Gemälde und die verschiedenen Farbschichten sichtbar. Jochen Sander leitet im Städel die Sammlung Alte Meister, er hat seinerzeit den Ankauf befürwortet und nun die Schau kuratiert. Für ihn beweist der Blick in die tieferen Schichten, dass zumindest Teile von Raffael (1483-1520) eigener Hand sind.

Wo in der Endfassung Eicheln den Thron zieren, sind in der Unterzeichnung als Alternative Rechtecke zu sehen; auch die Ringe an der Hand von Julius II. (1443-1513) wurden am Ende nicht so ausgeführt wie vorgezeichnet. Sander ist sicher: „Die Masse der kreativen Veränderungen verbietet die simple Erklärung der Kopie.“

Echtheit untermauern

Um die These der - zumindest teilweisen - Echtheit zu untermauern, bot das Städel bei der Vorbesichtigung keinen geringeren auf als Jürg Meyer zur Capellen, den Autor des Raffael-Werkverzeichnisses. „Die Infrarot-Aufnahme zeigt eine unglaublich sichere Darstellung des Gesichts. Ich bin der Auffassung, dass das nur auf Raffael zurückgehen kann“, sagte er am Donnerstag. „Alle anderen Teile des Bildes sind ausgesprochen linkisch ausgeführt.“

Das Londoner Bild sei das eigentliche Original, glaubt er. Der Papst habe wohl selbst Kopien in Auftrag gegeben, etwa für Kirchen oder Verwandte. Ob sie von Raffael selbst gemalt wurden oder von Schülern, habe die Menschen damals gar nicht interessiert: „Alles, was aus seiner Werkstatt kam, war Raffael - das muss man sich klar machen.“ Dazu komme, dass Raffael „völlig unsystematisch“ gearbeitet habe. „Das macht die Einschätzung extrem schwierig.“

Die Kabinettausstellung „Raffael und das Porträt Julius II.“ ist bis 2. Februar 2014 im Städel in Frankfurt zu sehen. Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa und So 10 bis 19 Uhr, Do und Fr 10 bis 21 Uhr. Der Katalog kostet 24,90 Euro.

Das Ringen um solche Fragen ist so alt wie die Kunstgeschichte - und es wird nie enden. Der Begründer des Städel-Museums, Johann David Passavant (1787-1861), hielt zum Beispiel die Tizian-Variante für original Raffael. Die Frankfurter Version hat eine lange Reise hinter sich - von Rom über Paris und New York bis Wien, wo es auf einer Auktion angeboten wurde. Das Städel habe das Bild „deutlich unter Marktwert“ gekauft, hatte Städel-Direktor Max Hollein gesagt, als er 2011 die „sensationelle Neuerwerbung“ der Presse vorstellte.

Ein Jahr später musste er den Ankauf gegen teils scharfe Kritik verteidigen. Mit Ausstellung und Katalog wollen Hollein und Sander nun „den Diskurs auf einer sachlichen Ebene verorten“. Dass sich die Experten schnell einig werden, ist nicht zu erwarten: „Wir sind uns im Klaren, dass die Diskussion munter weitergehen wird.“ dpa

Quelle: op-online.de

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