Im Frankfurter Papageno-Theater

Orpheus als Held wider Willen

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Hadern im Hades: Jörg Schäfer und Hans-Dieter Maienschein

Frankfurt - Was hat Offenbach mit der Unterwelt zu tun? Zweierlei: Zum einen war es Jacques Offenbach, der 1858 die griechische Sage um den begnadeten Sänger Orpheus und sein Weib Eurydike in Musik kleidete und daraus ein kunterbuntes, herrlich humorvolles Operettenabenteuer namens „Orpheus in der Unterwelt“ zauberte. Von Maren Cornils 

Zum anderen spielt in der vom Papageno Musiktheater im Frankfurter Palmengarten aufgeführten Fassung von Maximilian Ponader ein Medium aus der Main-Stadt eine nicht ganz unwichtige Rolle – die „Offenbach-Post“, die hier, verkörpert von Mezzosopran Cornelia Haslbauer, als öffentliche Meinung daherkommt und den armen Orpheus (Jörg Schäfer, Tenor) mächtig in die Pflicht nimmt. Der nämlich, in Offenbachs Helden-Persiflage nicht etwa Sänger sondern ein eitler Musiklehrer, will so gar nicht in den Hades hinabsteigen und seine Holde zurückerobern, sondern schäkert lieber mit seinen jungen Elevinnen.

Sein Weib Eurydike (Anja Stader, Sopran) hat es ebenfalls faustdick hinter den Ohren: Wenn sie sich nicht gerade streitlustig auf die Schwächen ihres Göttergatten stürzt, flirtet sie fleißig mit Aristeus (Sven Marko Schmidt). Der Flirt kostet sie das Leben, denn hinter dem Schnulzen-Barden mit blonder Perücke verbirgt sich Pluto, Gott der Unterwelt. Orpheus kommt das Ableben seiner Gattin zwar ganz Recht, doch er hat nicht mit der öffentlichen Meinung gerechnet. Sie zwingt ihn dazu, sich zwecks Rettung seines guten Rufes auf den Weg in den Hades zu machen, um seine Frau zurückzufordern. Das wiederum ruft die launischen Olymp-Bewohner, allen voran Göttervater Jupiter (Hans-Dieter Maienschein), auf den Plan, die sich munter in Orpheus‘ Schicksal einmischen.

Offenbachs beschwingte Operette

Boris Grappe inszeniert Offenbachs beschwingte Operette als poppig bunte, beinahe karnevalistische Sagen-Persiflage, in der Orpheus und Eurydike ein modernes, einander überdrüssiges Ehepaar geben, Merkur als Radkurier zwischen Olymp und Erde hin- und hereilt und Pluto als wild gewordener Höllenfürst in Biker-Jacke und mit Springerstiefeln sowie je einem Punk-Groupie im Arm daherkommt. Ihnen allen stehlen jedoch Hans-Dieter Maienschein und Renate Maienschein als Götterpaar Jupiter und Juno die Schau. Wenn Renate Maienschein als eifersüchtige Wächterin der Ehe mit ihren monströs ausgestopften Brüsten – sie sind Teil eines schillernden Kostüms und lassen Doppel-D-Größen wie Dolly Buster oder Pamela Anderson alt aussehen – wackelt oder Jupiter dem olympischen Ehejoch als Fliege getarnt entflieht, um Eurydike zu umschwärmen, dann ist der Saal hörbar amüsiert.

Weitere Aufführungen am 12. und 19. Juli, jeweils 19.30 Uhr im Palmengarten. Karten gibt es unter Tel.: 069/1340400.

Zwar bewahrt Grappe das Gerüst der Operette, lässt sein gut aufgelegtes Ensemble immer wieder klassische Arien anstimmen oder beim finalen Höllen-Cancan noch einmal stimmliche Brillanz beweisen. Er peppt das Stück aber auch immer wieder mit witzigen Ideen auf. Da darf Aristeus in Heino-Manier und bayerischem Trachtenlook Schlager schmettern, in den Hades geht es per Fahrstuhl, der göttliche Nektar wird an der Ambrosia-Tanke gezapft und Orpheus wird durch Boulevard-nahe Schlagzeilen à la „Skandal um den Star-Musiker“ gezwungen, sich für das Leben seiner Ehefrau einzusetzen.

Mag die Kulisse auch eher spartanisch sein, Kostüme und Spielfreude entschädigen dafür allemal. „Orpheus in der Unterwelt“ kommt als turbulente, poppig bunte und wunderbar (selbst-)ironische Operette daher, in der die Darsteller – nicht alle haben freilich in den Gesangspassagen das Kaliber von Anja Stader und Cornelia Haslbauer – mit spürbarem Spaß agieren und mit pointierten Texten für jede Menge Lacher sorgen. Operette ganz unklassisch, ein kurzweiliges Vergnügen selbst für diejenigen, die diesem Genre ansonsten nicht allzu viel abgewinnen können.

Quelle: op-online.de

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