Otto in der Frankfurter Jahrhunderthalle

Urvater aller Comedians

Frankfurt - Böse Zungen behaupten ja, Otto habe nur deshalb seine jahrelange Bühnenabstinenz beendet, weil er nach seiner Scheidung das Geld brauche. Fakt ist: Der kalauernde Ostfriese ist zurück, und tourt derzeit mit „Geboren, um zu blödeln“ durch deutsche Hallen. Von Maren Cornils

An Ostern war die Jahrhunderthalle an der Reihe, und hier zeigte sich: Es gibt noch sehr, sehr viele treue Otto-Fans, und die gehen keineswegs stramm auf die 50 oder 60 zu, sondern sind zum Teil überraschend jung. Schräg wie der blonde Blödel-Barde ist auch der Show-Beginn: Punkt acht Uhr geht das Licht aus und das Publikum darf sieben Minuten lang Tickermeldungen lesen, die auf einer großen Leinwand einlaufen. Gesucht wird unter anderem ein Kfz-Halter mit dem Kennzeichen OF-OH-487684565345343434 – sein Kennzeichen versperrt die Ausfahrt. Das Publikum amüsiert sich königlich, bis der Meister die Bühne betritt.

Rein äußerlich ist Otto ganz der Alte – ob in Jogginghosen oder showtauglichem Paillettenblazer. Nach einem vertrauten Holladiho werden die Zuschauer aus „dem Rodgau und dem Wetterau“ begrüßt, und ein wild grimassierender Komiker beweist, dass er sich vor der Show bestens mit den regionalen Besonderheiten seiner Spielstätte vertraut gemacht hat.

Im Verlauf eines sehr wechselvollen und keineswegs immer amüsanten Abends lernen die Zuschauer dann, was ein ABBA-Gesicht ist („Der Körper ist ja noch okay, aber das Gesicht…“). Sie erfahren, warum Otto Alkohol nur noch an Wochentagen mit „g“ und mittwochs konsumiert, dass er wieder Single ist und dass er es nach einem Coiffeur-Besuch mit Frisuren à la Gottschalk und Cindy von Marzahn versucht hat. Wirklich witzig ist das alles zwar nicht, das Publikum aber hängt an den Lippen des Komikers und macht gutgelaunt jeden Blödsinn mit. Da wird zu Songs wie „Aber bitte mit Sahne“, „Du gehörst zu mir“ oder „Marmor, Stein und Eisen bricht“ mitgesungen und -geklatscht, dass man sich eher in einer Schlager-Sause auf Malle wähnt. Immerhin: Stimmlich und musikalisch hat der Ostfriese noch immer einiges auf dem Kasten hat, und so heizt er dem laut applaudierenden Saal schließlich mit Billy Joels „We didn’t start the fire“, das hier als alkoholisches Abc daherkommt, ordentlich ein.

Wer hat's gesagt? Das große Zitate-Quiz

Wer hat's gesagt? Das große Zitate-Quiz

„Geboren, um zu blödeln“ präsentiert Otto, wie man ihn kennt. Der mittlerweile 66-Jährige, Urvater aller Comedians, beherrscht zwar noch immer seine einzigartige Mimik und Gestik und zaubert auch so mühelos einen Kalauer nach dem anderen aus dem Hut - für wahre Heiterkeitsstürme aber reicht das eher nicht. Im Gegenteil: Sein Brachial-Humor wirkt mitunter antiquiert und liegt auch mal unterhalb der Peinlichkeitsgrenze. Eigentlich schade, denn von dem feinen Wortwitz, mit dem Otto früher zu glänzen pflegte und der ihn zum König der Pointe machte, ist hier wenig zu spüren. Seine Fans stört das nicht – für viele ist die Show eine nostalgische Zeitreise.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Archivbild: dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare