Paar in der Krise

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Pimpinone (Yuriy Tsiple) liebt Vespetta (Anna Ryberg).

Gerade hat er das letzte Glas Rotwein geleert, fährt den Computer herunter, baut im Büro das Schlafsofa auf. Später erfahren wir, dass es um die Beziehung des Therapeuten schlecht bestellt ist. Von Axel Zibulski

Weil er tagsüber Paare therapiert, scheint er von Ehekrisen sogar zu träumen: Mit der getragenen Streicher-Elegie von Edward Elgar wiegt er sich in den Schlaf, und wir sehen das erste von drei Zwischenspielen Georg Philipp Telemanns namens „Pimpinone oder Die ungleiche Heirat“.  Studiobühne nennt die Oper Frankfurt ihren Spielort im Bockenheimer Depot. Das Publikum der „drei lustigen Zwischenspiele“ wird zum Voyeur: Auf einer Handlungsebene sieht es Telemanns reichenPimpinone mit seiner Braut Vespetta, vor und zwischen deren Liebeshändeln den heutigen Therapeuten. Das Spiel auf mehreren Ebenen ist historisch legitim – in der Barockzeit dienten Telemanns kurze Episoden als Einlagen für abendfüllende Opern, losgelöst von der Handlung des Hauptwerks.

In seiner Inszenierung verquickt der junge Fabian von Matt geschickt barocke und moderne Ebene: Pimpinone und Vespetta sind Klienten des Paartherapeuten (Jörg Schäfer), der sie meist ihrem Schicksal überlässt. Sie singen sich Arien zu, deren labiler seelischer Gehalt nicht schlecht aufgehoben ist. Anfangs könnten sie eine Imagination des schlafenden Therapeuten sein, am Ende haben sie das ausgetragen, wozu er selbst nicht fähig scheint – sich auseinanderzusetzen mit sich und eine gute Stunde lang Telemanns spritzige, eingängige, gefällige Arien zu singen.

Weitere Vorstellungen heute sowie am 19. Juni

Vokal ist das eine enorme Herausforderung für die jungen Solisten. Anna Ryberg ist eine geschmeidige, silbrig und wendig singende Vespetta und Bass Yuriy Tsiple, Mitglied des Opernstudios, ein leicht und agil klingender Pimpinone. Die Musik ertönt distanziert hinter einem Bilderrahmen auf der Rückseite. Dort haben Mitglieder des Museumsorchesters Platz genommen und spielen unter Leitung des Solorepetitors Karsten Januschke erst Elgars spätromantische Traum-Elegie weich und gediegen, dann Telemanns Zwischenspiele kernig, würzig und frisch. „Ich bleibe stumm“, singt Pimpinone am Ende – das ist der Therapeut da schon lange ...

Quelle: op-online.de

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