Schräger Humor über den Wolken

+
Eine Flugbegleiterin, wie sie nicht im Buche steht: Die Australierin Caroline Reid macht als Pam Ann Furore.

Sie ist laut. Sie ist schrill. Sie ist ordinär – und hat gerade deshalb Kultstatus: Pam Ann, die dralle australische Flugbegleiterin mit dem anzüglichen Humor und dem losen Mundwerk. Von Maren Cornils

Gleich zweimal füllte sie am Wochenende in Offenbach die Hallen – am Freitag zunächst die Stadthalle, am Samstag dann das Capitol. Gekommen waren vor allem junge Fans, darunter viele Airliner. Denn Pam Ann hat Kultcharakter, und das nicht erst, seit die schräge Kunstfigur, die sogar Madonna oder Elton John zu ihren Fans zählt, über eine eigene „App“ verfügt und zu den Top-Ten-Videos auf auf Youtube gehört.

In „You F’ Coffee“ macht Pam Ann – zur Freude ihres restlos begeisterten Publikums – dort weiter, wo sie mit „Come fly with me“ aufgehört hat: Als auftoupierte, den Swinging Sixties entsprungene Mischung aus Domina und Sirene zieht die Künstlerin mit dem bürgerlichen Name Caroline Reid über alles her, was zwei Flügel oder zwei Beine hat. Billigflieger „Jet Blue“ bekommt dabei ebenso sein Fett weg wie die irische Spar-Airline „Ryanair“, und auch der traditionsreiche deutsche Ferienflieger „Condor“ wird von Pam Ann hemmungslos verspottet.

Mit ihren Fans hat die Australierin ebenso wenig Erbarmen. Mehr als eine halbe Stunde lang defiliert sie durch die ersten Reihen, schäkert mit den männlichen Zuschauern, lästert, was das Zeug hält und flucht dabei, dass die Wände wackeln. Kaum ein Satz, der ohne Schimpfwort auskommt, und so besteht mancher Gag der Stewardess fast ausschließlich aus einer endlos langen Tirade, in der sogar das Wort „Short haul“ eine ganz neue Bedeutung bekommt. Ihr Publikum, das über mehr als solide Englischkenntnisse verfügen muss, um der schrillen Künstlerin zu folgen, schreckt das indes nicht ab. Im Gegenteil: Es hängt geradezu an den Lippen der überdrehten Entertainerin, die an Dame Edna in ihren besten Zeiten erinnert.

Mit Deutsch gibt sich Pam Ann indes nicht lange ab. „Blasen, blasen, schnell, schnell“ – darauf beschränkt sich ihr Wortschatz für das Gastland, was sie nicht daran hindert, sich ungeniert über deutschen Ordnungssinn und andere, typisch teutonische Eigenschaften lustig zu machen. Ein Schicksal, das jede Nationalität teilt, die Pam Ann vor das gut gefüllte Dekolltee und die künstlich bewimperten Augen gerät. Absoluter Höhepunkt des Abends sind daher auch die Auftritte von Pam Anns internationalen Alter Egos Lily (Singapore Airlines), Mona (British Airways) und Vanity (Virgin Atlantic Airways), in denen die Entertainerin ungeniert die Schlampe gibt und arabische Terroristen durch den Kakao zieht.

„You F’ Coffee“ ist nichts für Zartbesaitete, Freunde tiefsinnigen Kabaretts oder Zuschauer mit mäßigen Englisch-Kenntnissen, dafür aber ein Mordsspaß für alle Globetrotter, Facebook-Nutzer sowie Branchenkenner. So mancher Frequent Flyer dürfte sich bei Pam Anns Persiflagen mehr oder minder unfreiwillig an eigene Erfahrungen mit dem Flugpersonal erinnert fühlen. „You F’ Coffee“ ist temporeich, überraschend spontan – und genau dann wirklich witzig –, jedoch für alle, die keine Muttersprachler sind, schon allein aufgrund von Pam Anns maschinengewehrartigem Redetempo auch nicht ganz unanstrengend.

Quelle: op-online.de

Kommentare