Panorama der Jahrhundertwende

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Otto Modersohns Blick auf Würzburgs „Veste Marienberg“ (1924).

Wertheim - Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die deutsche Kunstszene geprägt von Vereinigungen, die ebenso französische Impulse von Impressionisten und Pleinairmalern aufnahm wie Ideen von Cezanne und Van Gogh. Von Reinhold Gries

Das war auch bei der 1898 gegründeten, damalige Kunst prägender „Berliner Secession“ um Max Liebermann so, wo sich malerisches Streben nach mehr Licht und Farbe mit Rousseaus „Zurück zur Natur“ vereinte. In Wertheims Museen bringt man das nun an zwei Hauptvertretern wie deren Umfeld zusammen: am langjährigen Secessions-Präsidenten Liebermann (1847-1935) und dem norddeutschen Landschaftsmaler Otto Modersohn (1865-1943), lang in Worpswede und Fischerhude wirkendes Gründungsmitglied.

„Otto Modersohn und Max Liebermann“, „Berliner Secession II“ bis 1. November im Hofgartenschloss Wertheim. Geöffnet: Mittwoch bis Samstag 14-17 Uhr, Sonntag 12-18 Uhr; Dauerausstellung „Auf den Spuren Modersohns“ im Grafschaftsmuseum. Geöffnet: Dienstag bis Samstag 10-12 Uhr 14.30-16.30, Sonntag 14-17 Uhr

Das aus Wolfgang Schullers Sammlung und Fischerhudes Modersohn-Museum gespeiste Malpanorama der Jahrhundertwende beginnt im Hofgartenschloss. Dort reicht das vielfältige Spektrum von Liebermanns „Netzeflickerinnnen“ und „Spaziergänger im Tiergarten“ über Max Slevogts „Tänzerin Marietta“ und Lovis Corinths „Raub der Töchter des Leukippos“ bis zu Lesser Urys „Unter den Linden“ und Fritz Klimschs Plastiken. An Malern wie Walter Leistikow zeigt man, wie die Berliner Künstler vom Jugendstil zu neuen Ufern aufbrachen.

Otto Modersohn „ Paula Modersohn-Becker mit Elsbeth“

Die neu eröffnete Sonderausstellung „Otto Modersohn und Max Liebermann – eine Begegnung“ lenkt den Blick vom Berliner Impressionismus zu Modersohns norddeutscher Version. Der naturverbundene Künstler, eigentlich aus Soest stammend, setzt das zunächst in Worpsweder Gemälden wie „Moorbrücke“, „Worpsweder Bauernkate“ oder „Fünf Birken im Moor“ atmosphärisch dicht um. Von Ursprünglichkeitssehnsucht künden Malstudien zu Paula und Elsbeth Modersohn oder das 1904 gemalte „Moormädchen neben Birkenstamm“. Modersohns Credo lautet: „Ein Gemälde muß gefühlt, atmosphärisch, wahrhaft intim sein.“ Dazu durchdringt der zwischen Worpswede, seiner Frau in Paris und Berlin Pendelnde „Stoffe“ seiner Malerei neu, wählt ungewöhnliche Ausschnitte und feinstimmiges Kolorit. Ölbilder offenbaren experimentelle Erkundungen malerischer Mittel zwischen Impression, Expression und abstrakter Setzung.

Zehn Gehminuten entfernt vom Hofgarten, in der Altstadt, überrascht die neu eröffnete Modersohn-Galerie des Grafschaftsmuseums mit dem wenig bekannten „süddeutschen“ Modersohn, der auf sieben längeren Reisen zwischen 1916 und 1927 sein Repertoire erweiterte. Landschaftsbilder zur Wertheimer oder Würzburger Region zeigen im Stil Cezannes gefügte und im Sfumato Renoirs schimmernde Farbgewebe, oft leuchtender als früher und auf Nessel aufgetragen. Modersohns Spätwerk, ergänzt durch qualitätsvolle Arbeiten der mainfränkischen Künstlerkolonie, bewegt sich zwischen schlichter Vereinfachung und Farbreduzierung und französisch-eleganten Malteppichen.

Quelle: op-online.de

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