Schweizer Gruppe „BuchundForm“ im Offenbacher Klingspor-Museum

Papierne Sinnlichkeit

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Edwin Heim bringt Papier zur Blüte. - Fotos: Gries

Offenbach - „In einem schönen Bildband oder einer Gedichtsammlung zu blättern, das Papier zu fühlen und zu riechen, ist ein Genuss, der viele Sinne anspricht – so etwas können die neuen Medien nicht“, sagt Kunstbuchbinder Edwin Heim. Von Reinhold Gries

Hoffentlich trifft der Kopf der Schweizer Kreativgruppe „BuchundForm“ mit solch einer Wahrheit nicht auf taube Ohren. Gerade entsprechend konditionierte junge Leute würde man am liebsten an die Hand nehmen und ins Offenbacher Klingspor-Museum führen, wo die Sinnlichkeit handgeschöpfter Papiere, das Skulpturale von Leporello-Objekten, das Sperrige von Pappen oder das Fragile von Faltarbeiten in der Ausstellung „WasserFalten“ zu begreifen sind.

In Streifen geschnitten, kunstvoll gefaltet, sorgfältig geklebt

Wer es mit Oregami versucht hat, der Papierfaltkunst aus Japan, der weiß Arbeiten zu schätzen, wie sie jetzt von Heim, Ceno Ruepp, Hansruedi Zoller oder der Bremer Gastkünstlerin Lore Hübotter und ihrem Ehemann Klaus Hübotter ausgestellt sind: in schmale Streifen geschnitten, kunstvoll gefaltet, liebevoll gebogen, sorgfältig geklebt, behutsam zusammengesteckt oder aufgefaltet wie Blüten auf einem Metallstängel. Mit meist stehenden Leporello-Objekten sollte man freilich so fürsorglich umgehen wie ihr Namensgeber, der Diener des Don Juan, der ohne gefaltete Endlos-Liste den Überblick über die Eroberungen seines Dienstherrn verloren hätte.

Erinnert an zarte Windsegel

Leporellos mit zart aufgedruckter Lyrik oder schön fotografierten und gezeichneten Wasserblau-Ansichten sind keine Bücher im üblichen Sinne. Was der Offenbacher Ausstellungsmacher Jürgen Blümmel aufgebaut hat, erinnert an Paravents oder Stellschirme, an zarte Windsegel oder transparente Guckkästen. Auch in einer Kladde findet man vielfältig das dargestellt, was Schweizer im Übermaß haben: Seen, Flüsse, Bäche und Gletscher. „Wasser ist eigentlich unfassbar, ohne Form und Farbe, aber gleichzeitig magisch. Es ist unser Element“, meint Heim dazu.

Spieltrieb wird angesprochen

Gebunden ist Wasser ja bereits in fast jeder Art von Papier. Besonders wasserreich sind dann handgeschöpfte Blätter, die wie eine Ziehharmonika zusammengedrückt und auseinandergezogen werden, um nach Gebrauch von Steinplatten als Buchstütze gehalten werden. So klar wie sauberes Wasser erscheinen transparente Folien mit blau gefärbten Wellenrändern in Wandobjekten aus Plexiglas. Der menschliche Spieltrieb wird nicht nur beim Stäbchenspiel mit Pergament angesprochen, das in feine Holzbohrungen gesteckt wird.

Versteckte Botschaften

Die Kunst des Faltens: Im Offenbacher Museum werden Leporellos zu endlos scheinenden Skulpturen.

Das Hantieren und Betrachten weckt Freude am Lesen und Zusammensuchen kunstvoll aufgedruckter oder versteckter Wörter und Sätze. Da geht’s um Wassergedichte, um Rätsel, aber auch um Goethes „Zauberlehrling“ oder Aldo Polazzeschis „Der kranke Brunnen“. „Tischgebet“, „Elbe im August 2012“,

„Benvenuto in Italia“ – Klaus Hübotters kommentierende Wandtexte weisen auf den Wasserbezug, den auch Gedichtbände mit gleichem Text offenbaren, dem die Kunstbuchbinder vier Variationen gegeben haben. Auch da ist unübersehbar: Wasser lässt sich falten – und steht für Emotionen: „Eine heiße Träne schmelzt 1000 Berge Eis.“ Es berührt, wenn man so etwas in der Hand hält.

‹„WasserFalten“ vom 27. Januar bis 5. Mai im Klingspor-Museum Offenbach. Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag und Freitag 10-17 Uhr, Mittwoch 14-19 Uhr, Samstag und Sonntag 11-16 Uhr

Quelle: op-online.de

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