Von Papst bis Popo-Implantat

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„Fröhliche Priester“

Frankfurt - Wenn im „schönsten Museum der Welt“ ein „Superstar der komischen Kunst“ ausstellt, dürfte kein Auge trocken bleiben: Heute beginnt die Ausstellung „Haderer“ im Caricatura-Museum Frankfurt. Von Veronika Szeherova

Das deutsche Publikum kennt den bekennenden Oberösterreicher Gerhard Haderer vor allem durch seine wöchentlichen Einstiegs-Cartoons im „Stern“ und seine Karikaturen im Satiremagazin „Titanic“. Wie kein anderer trifft er den Nerv der Zeit, bringt zeichnerisch und textlich Dinge auf den Punkt – auch wenn’s manchmal wehtut. Er ist Chronist des alltäglichen Wahnsinns, der kein Thema auslässt – seien es Politiker, der Papst oder Popo-Implantate. „Die Zeichnungen haben einen hohen Grad an Ästhetik und fast schon fotorealistischen Charakter“, begeistert sich Museumsleiter Achim Frenz, und adelt Haderer als „Caravaggio der Jetzt-Zeit“. Das Caricatura-Museum erfahre durch diese in Deutschland einmalige Ausstellung eine „neue Stufe der europäischen Wahrnehmung“.

„Haderer“ (7. Juli bis 27. November), Caricatura-Museum, Weckmarkt 17, Frankfurt. Öffnungszeiten: Di-So 10 bis 18 Uhr, Mi 10 bis 21 Uhr, Mo geschlossen.

Der Künstler selbst will so viel Lob gar nicht hören. „Ich kann nichts dafür, dass ich zeichnen kann“, schmunzelt der gelernte Gebrauchs- und Werbegrafiker. Der Neuen Frankfurter Schule habe er sich immer sehr verbunden gefühlt, weshalb er sich sehr über diese Ausstellung im für ihn „schönsten Museum der Welt“ freue.

Zu sehen gibt es 64 Skizzen und 194 Originalblätter, die er in 20 Jahren für den „Stern“ gezeichnet hat. 20 Jahre, in denen ihm niemals die Ideen ausgegangen sind. Vorgaben bekomme er nicht. „Bloß drei Blätter wurden in all den Jahren abgelehnt“, verkündet er zufrieden.

In Griechenland wegen Blasphemie verurteilt

Bis zu 15 Stunden dauere manchmal die Arbeit an einem Blatt. „Das ist immer eine sehr glückliche Zeit, das ist noch nie in Arbeit ausgeartet“, beteuert Haderer, der erst vor wenigen Wochen seinen 60. Geburtstag gefeiert hat. Wenn er nicht gerade Politiker und andere prominente Persönlichkeiten abbildet, findet er seine Modelle vor der Haustür: „Die Linzer schauen alle so aus wie die Menschen auf meinen Zeichnungen...“

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Dass Haderer sich mit seinen Karikaturen nicht nur Freunde macht, liegt auf der Hand. 2005 wurde er gar in Abwesenheit zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe wegen Blasphemie verurteilt, und zwar in Athen. Grund dafür war die Veröffentlichung seines Buchs „Das Leben des Jesus“, das schon der österreichischen katholischen Kirche missfiel. In Griechenland habe die Kirche mehr Einfluss auf die Justiz gehabt: Man verlangte von Haderer eine öffentliche Entschuldigung für sein Buch. Das tat er ebenso wenig, wie er seine Haftstrafe antrat. In zweiter Instanz wurde er freigesprochen, wobei, so der Künstler, „Gerhard Schröder seine Finger im Spiel gehabt hat“.

Den Katholizismus nimmt er weiter gern auf die Schippe. Österreichische Politiker aber nicht mehr: „Es ist schwer, sie zu zeichnen, ohne dass sie mir danach gleich um den Hals fallen.“ Manche, „die Klugen“, hätten ihn zum Abendessen eingeladen. Einer speziellen Politikerin laufe er indes schon seit Jahren nach, jedoch bislang vergeblich: Angela Merkel. „Sie ist schöner als je zuvor.“

So ist Haderer wie seine Werke: Frech und sarkastisch und dabei so sympathisch. Zur Ausstellungseröffnung heute um 19 Uhr wird er dort sein – sicher ein launiger Abend!

Quelle: op-online.de

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