Vernon Mound macht Smetanas „Verkaufte Braut“in Darmstadtzur Klamotte.

Paradiesvögel feiern Hochzeit

Strippenzieher in Bonbonfarben: Andreas Daum als schrill-kostümierter Kecal.Foto: Aumüller

Ständig ist Heirat. Eine einzige Hochzeits-Inszenierung ist „Die verkaufte Braut“ von Bedrich Smetana, wie sie im Großen Haus des Staatstheaters Darmstadt zu sehen ist.

Regisseur Vernon Mound hat die tschechische Nationaloper verlegt nach Amerika um das Jahr 1960. An großen, runden Hochzeitstischen tragen die Damen toupierte Frisuren, sprechen die Herren gern dem Alkohol zu – und Hans, Bräutigam der verkauften Braut Marie, tritt als Elvis-Double samt Gitarre in Erscheinung.

Dass Smetanas komische Oper dabei zur Klamotte wird, ist offenbar gewollt. Den Abgründen des Stücks traut Regisseur Vernon Mound jedenfalls kaum. Man könnte das Schicksal Maries als das eines Spielballs zwischen den Interessen der Eltern-Generation zeigen. Man könnte den Heiratsvermittler Kecal zur tragischen Strippenzieher-Figur machen. Hier ist er eine Tunte in wechselnd bunten Kostümen (Ausstattung: Paul Edwards), und Bariton Andreas Daum hat hörbar erfolgreichen Spaß an diesem Rollentausch. Immerhin.

Mindestens 99 rosa Luftballons liegen im letzten der drei Akte auf der Szene, die vokal von Mark Adler mit strahlendem Tenor als Hans, darstellerisch von der zur Kellnerin gewordenen Marie der Sopranistin Allison Oakes dominiert wird. Ziemlich verloren sehen die beiden in dieser Szenerie aus: Man inszeniert ein Fest, muss sich aber noch den Anlass dafür suchen. Die Tänze des Ensembles bieten als hilflos arrangierte Einlagen wenig Grund zum Amüsement. Am Ende stehen Marie und Hans als lebensgroße Figuren auf einer überdimensionalen Hochzeitstorte.

Glänzend präsentiert sich das Orchester des Staatstheaters Darmstadt: Auch in einer Folge-Vorstellung nach der Premiere spielt es unter der Leitung des Kapellmeisters Lukas Beikircher hellwach, frisch, rhythmisch pointiert und in den solistischen Bläser-Passagen stark. Das bedeutet einen wohltuenden musikalischen Kontrast gegenüber der poppigen, bunten, aber oberflächlichen Inszenierung auf der Bühne. AXEL ZIBULSKI

Nächste Vorstellungen am 31. Mai, am 6. und 13. Juni sowie am 4. und 10. Juli

Quelle: op-online.de

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