„Blickachsen“ reichen von Bad Homburg bis weit ins Rhein-Main-Gebiet

Parcours der Skulpturen

Stefan Rohrer lässt in „Miniatus Floridus“ im Bad Homburger Kurpark einen Mini zur stählernen Blume erblühen. - Fotos: Gries (1)/privat

Bad Homburg - Der derzeit größte europäische Kunstparcours, den das „Blickachsen 9“-Team um Christian Scheffel und die weltweit renommierte Fondation Maeght in Saint-Paul-de-Vence aus dem Boden gestampft haben, nötigt großen Respekt ab. Von Reinhold Gries

Bestückt ist er mit 90 hochkarätigen Skulpturen und Installationen von 40 Künstlern aus 15 Ländern. Vom Kern der Schau im Bad Homburger Kurpark weiten sich die „Blickachsen“ bis zu verschwiegenen Orten am Limes mit dem Feldbergkastell oder dem Park von Kloster Eberbach, aber auch bis zu großstädtischem Grün am Campus der Goethe-Universität, an der Kunsthalle Darmstadt oder am Flughafen.

Vor allem in Homburg begeistert die Mischung großer Namen wie Arman, Hans Arp, César, Germaine Richier und Bernard Venet mit Talenten wie Caspar Berger, Kenny Hunter, Stefan Rohrer und Claire-Jeanne Jézéquel. Dazwischen steht Arriviertes, aber noch Frisches von schwedischen Fluxus-Artisten Erik Dietman, Engländer Antony Gormley, kanadischen Action-Painter Jean-Paul Riopelle oder Niederländer Henk Visch. Am Kurparkweiher hat man dem 2008 verstorbenen Frankfurter Vorzeigekünstler Hans Steinbrenner in mehreren kubischen Bronzestelen und Gefügen von 1959 bis 1988 die Hommage gewidmet, die zu seinem 80. Geburtstag in Frankfurt fehlte. Reiz gewinnt solch klassisch Modernes im Blickwechsel mit Postmodernem wie Hunters überdimensionalem schwarzem Schwan, mit Sean Henrys neorealistischen Bronzefiguren „Walking Woman“ und „Italia“ oder Vischs nur von weitem klassisch wirkender Liegefigur „Not God but I will help you“. Aus der Nähe betrachtet irritieren ihr überlanges Bein und stechende Rotaugen, so recht passend zu Césars metallisch zerlaufender „Expansion“ gegenüber. Protagonist des französischen „Nouveau Realisme“ war auch Objektkünstler Arman, am Tennisplatz präsent durch den legendären schwarzen Bronzeguss eines Oldtimerwracks. Seine Vergänglichkeitsallegorie „Fiction avant, traction aprés“ hat das Zeug zur Blickachsen-Ikone. Mit künstlerischer Metamorphose spielen auch Rohrers Motorrad- und Autoskulpturen. Sein grün lackierter, ausgeschlachteter „Miniatus Floridus“ erblüht am Schmuckplatz zur großen Metallblume, sein wie Kaugummi gedehntes „Bluebird“-Zweirad dreht sich um einen Pfosten im Innenhof des Landgrafenschloss. Das hat Witz und Charme und wirkt spektakulärer als Ricardo Caleros „Tu“-Symbiose aus Eisen, Bronze und Efeu. Überzeugend auch Venets Doppel-„Malwand“ mit aus Eisen geschnittenen dynamischen „Pinselschwüngen“, die im Expressiven ebenso gute Form finden wie Mayasuki Kooridas schön anschmiegsame Molekülskulpturen aus poliertem schwarzem Granit.

Manche Ikonen der Moderne sieht man erstmals gemeinsam: Vor der Schlosskulisse z.B. Arps abstrakt-surreale Bronze „Le Pepin géant“ (1937-1956) aus dem Cote-d´Azur-Kunstparadies Marguerite und Aimé Maeghts, im Glaserker des Steigenberger-Hotels tanzen Richiers dünnbeinige Bronze-Mischwesen „La Montagne“ von 1956. Klug inszeniert sind Riopelles Bronzeguss „La Tour“ mit Blick auf die Erlöserkirche, Damien Cabanes´ farbige „Sagesse“-Figur vor Schlossflügel mit Bergfried oder Hunters weiße Reiterfigur mit Weitblick von der Schlossterrasse. Der Radius dieser großartigen Biennale weitet sich bis zu Dietrich Klinges wie aus Holz geschnitzt wirkenden Eberbacher Bronzen oder Sui Jianguos provozierend politischen Eisencontainer „Made in China“ am Uni-Campus im Westend.

‹ „Blickachsen 9“ bis 6. Oktober in Bad Homburg und Rhein-Main. Infos: www.blickachsen.de

Quelle: op-online.de

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