„Paris mon amour“

Kunstmetropole zu Gast in Hanau

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Die Kuratorinnen Katharina Bechler und Frédérique Goerig-Hergott vor einer Skulptur von Jean Dubuffet.

Hanau - Das Musée Unterlinden im elsässischen Colmar besitzt neben Mathias Grünewalds Isenheimer Altar noch mehr Weltkunst. Von Reinhold Gries 

Vieles davon kann nun in Hanaus runderneuerter Schloss-Galerie gezeigt werden, da der Erweiterungsbau des Museums am Colmarer Kloster erst im Frühjahr 2015 eröffnet wird. Man sieht es an der Qualität gezeigter Werke wie deren Namen: Die erstmalige Kooperation zwischen Hanau und Colmar ist vorbildhaft für mögliche andere gemeinsame Kunstprojekte. Zu verdanken ist das vor allem den Kuratorinnen Frédérique Goerig-Hergott aus Colmar und Museumdirektorin Katharina Bechler aus Hanau.

„Paris mon amour - Meisterwerke des Musée Unterlinden Colmar“ vom 29. März bis 29. Juni im Hanauer Museum Schloss Philippsruhe. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag von 11-18 Uhr

Schwerpunkte der gemeinsamen Ausstellung „Paris mon amour“ mit 54 Meisterwerken aus Malerei und Bildhauerei ist die „Ecole de Paris“. Unter diesem Namen fasste man die internationale Avantgarde abstrakter Maler in Paris zwischen den 1940er und 1960er Jahren zusammen. Inzwischen ist dieses Prädikat auf alle seit 1905 in Paris lebende und arbeitende Künstler erweitert worden.

Bedeutendste Kunstmetropole ihrer Zeit

Suzanne Valadons „Akt mit blauem Tuch“ (1930)

Die Hanauer Schau führt mitten hinein in die bedeutendste Kunstmetropole ihrer Zeit. Prägende Figuren wie Pablo Picasso, Robert Delaunay und Pierre Bonnard sind mit wichtigen Arbeiten vertreten. Picassos „Frauentorso“-Spätwerk, zeigt wie der Erneuerer in zurückhaltender Farbigkeit und radikal vereinfachenden Formen noch die Brücke zum traditionellen weiblichen Brustbildnis schlägt. Bonnards normannische Landschaft erinnert mit kostbar wirkenden, vibrierenden Farbflecken und Reflexen an Japanisches. Delaunay bringt die Farbe großflächiger in Bewegung. Georges Rouaults dunkel-glühende Malerei verweigert sich dieser Dynamisierung.

Rodin-Skulptur in Philippsruhe.

Zum Weg in die Abstraktion führt Prototypisches: Fernand Légers geometrisch-abstrahierendes Gemälde „Komposition in Blau und Rot“ mit klar konturierten kubistischen Formen von 1938 findet nach dem 2. Weltkrieg in Alberto Magnellis Tableau „Punkt der Feindseligkeit Nr. 2“ seine Fortschreibung. Damit ist man in der sogenannten „Nouvelle Ecole de Paris“ angelangt, Synonym der Kunst zwischen 1945 und 1960 überhaupt. Roger Bissiéres und Alfred Manessiers lyrische und leuchtkräftige Abstraktion, Maria Elena Vieira da Silvas subtil orchestriertes „Theater des Gérard Philipe“ mit rhythmisch wucherndem Liniengeflecht, Serge Poliakoffs streng gegliederte Formenwelt, Pierre Soulages suggestive schwarze Übermalungen, Jean Dubuffets zerklüftete Plastik „Don Coucoubazar“ mit einer Fülle an Motiven und Verschachtelungen aus bunt bemalten Blechen - da fehlt wenig zur Glanzzeit klassisch-abstrakter Kunst.

Auch nicht prominente Werke deutscher Kunstpioniere wie des Klee-Schülers Hans Reichel, des magischen Realisten Otto Dix, des spielerisch mit Formen jonglierenden Willi Baumeister und des mit kühnen Pinselschlägen imponierenden Hans Hartung. Das setzt sich fort in gestisch-abstrakten und hochinspirierten Bildern von Bram van de Velde, Jean Fautriers und Nicolas de Stael… Wofür doch eine alte Verbindung wie die der ehemaligen Grafschaft Hanau mit der elsässischen Grafschaft Hanau-Lichtenberg („Hanauer Land“) gut sein kann.

Quelle: op-online.de

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