Parodien und andere Pointen

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Ein Mann und seine Gitarre: Otto unterhält Offenbach.

Offenbach - Wer zu Otto Waalkes geht, bekommt, was er erwartet: Wo Otto draufsteht, ist auch Otto drin. Ein heißes Verlangen danach verspüren zwar nicht mehr ganz so viele Menschen; tummeln sich Lachsüchtige doch lieber bei Mario Barth. Von Ferdinand Rathke

Walkes mag es intimer und gemütlicher, wenn er sich mit der Offenbacher Stadthalle begnügt. Jener Studentenbude gleicht das Ambiente, das Fans aus legendären TV-Shows kennen: Zwei Tische, Opasessel, Stuhl, drei Akustikgitarren, eine E-Gitarre, Congas, ein Garderobenständer mit Kopfbedeckungen. Im Zentrum ein Barhocker samt Mikrofon.

In Schlabberklamotten tut Waalkes sein Werk. Wuselt hin und her, als wäre er 32, nicht 63. Mutiert vom klampfenden Barden zum französischen Fernsehkoch Louis Flambé, vom affektierten Showmaster im Glitzersakko zum mexikanischen Friesen mit Sombrero, vom Rächer der Enterbten zum zwergenhaften Handpuppenspieler Harry Hirsch

In zwei Stunden gelingt Unfassbares: Jeder Satz, jedes Wortspiel, jede Grimasse, jede Geste enthält eine Pointe. Mag mancher Sketch in die Jahre gekommen sein – schal sind sie nie. Noch immer lustig: Ottos Variante von Elvis Presleys „In The Ghetto“ , wo er textet: „Es ist sieben nach acht, Offenbach hat sich fein gemacht für Otto.“ Mit einmaliger Mimik interpretiert er „Mein kleiner, grüner Kaktus“.

Feuerwerk aus lustigen Musiktiteln

Ausgegraben wird „Dänen lügen nicht“ wie das eingedeutschte „The Joker“ von Steve Miller. Dass Otto prima Gitarre spielen kann, ist bekannt. Wer es noch nicht weiß, den überzeugt er mit einem Feuerwerk aus „Marmor, Stein und Eisen bricht“, „Er gehört zu mir“ und „Ein Stern, der deinen Namen trägt“. Zu „Tausend Mal berührt“ läuft ein Videoclip mit Otto samt Ottifant.

Treffliche Parodien liefert das unverwüstliche „Hänsel und Gretel“. „Dieser Keks wird kein weicher sein“, behauptet er als Xavier Naidoo, während die „hässliche Hexenwarze“ nur von Peter Maffay stammen kann. Rüdiger Hoffmann begrüßt in Zeitlupe „Hallo erst mal“. Zum Brüllen komisch Ottos Entblößung von Barths Manierismen: „Greeeeetel! Wat is’n det für’n Naaaaaame!“ Udo Lindenberg gelingt in Gestik, Mimik und Habitus noch authentischer.

Die in den ersten Reihen Sitzenden sind nicht zu beneiden. Erlaubt sich Waalkes doch derbe Streiche. Seine Jodler mögen trocken sein; die Flüssigkeiten, die über die Rampe schießen, sind es nicht.

Zum Finale dröhnt „Auf’m Heimweg wird’s hell“. Aber Otto hält einen Abschiedsgruß bereit: „Das war der schönste Abend in meinem Leben! Da können Sie mal sehen, was ich schon alles durchmachen musste...“

Quelle: op-online.de

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